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    Lutz Friedel: „Selbst im Feuer“ aus der Folge der Plakatübermalungen

    „Selbst im Feuer“ gehört zu Lutz Friedels Serie „103 Möglichkeiten die Zeit totzuschlagen – meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003“. Der 1948 geborene Künstler übermalte dafür ein Plakat seiner Ausstellung auf Schloss Burgk mit Öl. Das Blatt misst 59,4 x 42 cm, ist unten links bezeichnet und kam 2005 in die Sammlung; die Ausstellung „Arbeiten auf Papier“ zeigte es 2005/06.

    • 23. Oktober 2005

    Ein politischer Maler

    Friedel versteht sich vorrangig als Maler. Seine zahlreichen Zeichnungen schätzt er selbst gering, obwohl der Katalogtext von Brigitte Rieger-Jähner ihnen hohe Qualität bescheinigt. Sie beschreibt ihn als kritischen, politisch denkenden Realisten, der seine Umgebung genau beobachtet und daraus Folgerungen für sein Werk zieht. Zwischen 1978 und 1983 entstanden große Triptychen – „Untergang der Titanic“, „Gewitterwand“, „Zusammenstoß der Rolltreppen-Karambolage“ –, deren Katastrophenstimmung politisch gemeint war.

    Spätestens seit der Ausbürgerung Wolf Biermanns, so Friedel rückblickend, und eigentlich schon seit dem Prager Frühling, habe niemand mehr mit einer Demokratisierung der DDR rechnen können. 1985 verließ er das Land.

    Die Übermalungen

    Nach der Ausreise trat die Figur in seiner Malerei zurück und wanderte in die Holzskulptur, die Friedel als neues Ausdrucksmittel hinzunahm. In der Zeichnung blieb der Kopf das zentrale Motiv. Für die Ausstellung „Aus Schwarz. Lutz Friedel. Holzskulpturen“ auf Schloss Burgk waren 2002 Plakate gedruckt worden, die jeweils den Kopf einer Skulptur, umgeben von Schrift, zeigten. Diese Plakate übermalte er in Öl und fasste sie unter dem ironischen Gesamttitel der Folge zusammen.

    Schon in der Malerei hatte Friedel Gemälde von Velasquez, Delacroix und Beckmann in seiner eigenen Handschrift adaptiert. In den Übermalungen treten Mörder und Tyrannen, Schauspieler, Künstler, Modemacher, Politiker und schließlich der Tod auf, und Selbst- und Fremdbild verschmelzen. Die aggressive Energie seiner Malerei aus DDR-Zeiten ist auch in dieser Serie zu spüren. Friedel selbst hat beschrieben, dass er Bilder zerstören und übermalen müsse, etwa aus einer sonnigen Landschaft eine gewittrige machen, die später wieder sonnig wird.

    Das Blatt

    Schwarz bleibt bei allen Veränderungen eine Konstante. Bei „Selbst im Feuer“ bildet eine dichte, malerisch bewegte schwarze Fläche den Grund, aus dem sich ein Gesicht schemenhaft löst. Der Raum ist weder zeitlich noch örtlich bestimmt. Rieger-Jähner liest in dem Kopf Angst, Schmerz, Todesnähe und Trauer. Unten links trägt das Blatt die Aufschrift „Selbst im Feuer, Friedel 7“.