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    Karl Krug: die Radierung „Aus Norwegen IV“ von 1980

    Hügel, ein Gewässer, spärliche Bäume und ein Himmel, der die Hälfte des Blattes füllt: Karl Krug (1900–1983) radierte „Aus Norwegen IV“ 1980. Das Blatt misst 59,4 × 47,2 cm, die Platte 32,1 × 32,4 cm; rechts unten steht „Karl Krug 1980“. Fünf Jahre später, 1985, kam die Radierung in die Sammlung in Frankfurt (Oder).

    • 23. Oktober 2005

    Norwegen als Lebenseinschnitt

    Krug studierte in den Zwanzigerjahren an der Leipziger Akademie, der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst. Mit 39 Jahren wurde er eingezogen und 1941 nach Norwegen verlegt. Erst 1947 kehrte er aus der Gefangenschaft nach Leipzig zurück. An der Hochschule, an der er einst gelernt hatte, lehrte er nach dem Krieg bis zur Emeritierung 1965.

    Aus den sieben Jahren im Norden existieren keine Skizzen. Krug arbeitete später allein aus der Erinnerung und rief auf Leinwand und Kupferplatte ab, was sich in Krieg und Gefangenschaft eingeprägt hatte. Seinen eigenen, unverwechselbaren Stil fand er erst mit fast sechzig Jahren. Der Katalogtext von Armin Hauer bedauert, dass er wenig Beachtung fand.

    Vier Motivkreise

    In Krugs Werk lassen sich vier Themen unterscheiden: Leipziger Stadtansichten mit markanten Bauten, die Unstrutlandschaft mit ihren Gehöften, kleine Teiche mit dünnem Baumbestand, später „Tümpelbilder“ genannt, und schließlich die Norwegenlandschaften. Die Leipziger Motive verschwanden nach und nach, und Krug malte immer seltener vor der Natur. Im Atelier variierte er einen immer knapperen Kern aus Himmel, Bäumen, Weite und Erde.

    Einen kleinen Weiher zwischen kahlen Stämmen malte und radierte er wieder und wieder, mal als unheimlichen Spiegel im Mondlicht, mal mit hellen Stämmen vor tiefblauem Himmel. Die menschenleeren Gehöfte wirken wie aus der Zeit genommen. In der Malerei wurde seine Palette farbiger, die Lasuren bildeten eine fein gekörnte, fast emailartige Oberfläche. In der Druckgrafik nahm die Zeichnung ab, die Grautöne gewannen an Gewicht und schufen ein dämmriges Licht mit großer Tiefe.

    Der Katalogtext vergleicht die Schichtung von Bäumen, Hügeln, Seen und Brachen mit den gestaffelten Landschaftsräumen Caspar David Friedrichs: Die Ebenen folgen aufeinander wie Folien, ohne verbunden zu sein.

    Zwei Fassungen im Vergleich

    Von der Norwegenfolge besitzt das Museum zwei Ölbilder und zwei radierte Fassungen. Auf der ersten Radierung „Aus Norwegen“ rahmen verkrüppelte, kahle Bäumchen zu beiden Seiten des Vordergrunds einen Teich vor einem flachen Hügel. In Nummer IV rückt der Standpunkt weiter zurück, links erscheint eine zusätzliche Hügelgruppe, das Wasser liegt nun rechts. Die Wolken ziehen von links statt von oben heran, die Höhe des Himmels blieb gleich.

    Mit ruhigen Linien deutet Krug den kargen Bewuchs einer von der Eiszeit geprägten Landschaft an. Der Katalogtext fühlt sich bei diesen fast kalligrafischen Strukturen an die Radierungen des Holländers Hercules Seghers erinnert.