- 23. Oktober 2005
Vom Holz zur Zeichnung
Hartmann arbeitete als freischaffender Künstler zunächst vor allem bildhauerisch. Bis 1985 stand die Holzskulptur im Mittelpunkt, danach folgten Arbeiten für den öffentlichen Raum aus Holz, Stahl, Stein und Schiefer. Um finanziell unabhängig zu bleiben, entwickelte er nebenher Konzepte für überregionale Ausstellungen. Gezeichnet hatte er immer, mit Bleistift, Kohle und Kreide, doch diese Arbeit blieb lange zweitrangig.
Das änderte sich mit den Reisen nach Italien, die Hartmann seit 1991 regelmäßig unternahm. Der Begleittext zieht eine Linie zu Goethes Italienaufenthalt und nennt als weiteren Antrieb die Sehnsucht nach Licht und Farbe des Südens, nach dem Ende der DDR. Renaissance, Barock oder Antike interessierten Hartmann dabei wenig. Er hielt sich in Imperia auf, einem kleinen ligurischen Ort, den die Kunstgeschichte kaum beachtet, und fand dort in Gassen, Gebäuden und Alltagsdingen die Spuren einer alten Kultur.
Fotografie, Scan und Pigment
Fern vom hektischen Kunstbetrieb der Bundesrepublik und mit Abstand zum häuslichen Alltag entwickelte Hartmann in Italien ein eigenes Verfahren. Ausgangspunkt waren Fotografien von Bauten und religiösen Objekten im Hinterland. Er scannte die Aufnahmen, zeichnete mehrfach darüber, vergrößerte das Ergebnis und spannte die Blätter dann auf einen alten Mühlstein, wo er sie mit Farbpigment einrieb.
Bis zur Erwerbung umfasste die Folge zwölf Zeichnungen. Jedes Blatt baut auf einem Tondo auf, der die Breite des Papiers beinahe ganz einnimmt. Die Pigmentfläche in sattem Umbra wirkt wie Aquarell und ruft nach dem Begleittext die Atmosphäre der Landschaft mit all ihren Eigenheiten wach. Im Zentrum steht jeweils nur ein Motiv – eine Gasse, ein Madonnenschrein, der Blick in eine verfallene Kirche –, oft nur angedeutet. Hartmann veränderte Proportionen, fügte Kreuze, Schriftzeichen oder schemenhafte Figuren hinzu und ließ anderes, das tatsächlich vorhanden war, bewusst weg.
Der Katalogtext liest die Blätter als Verbindung von romantischer Italiensehnsucht und heutigem Lebensgefühl, in dem sich die Schönheit eines Ortes oft erst im Rückblick zeigt.