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    Irene Bösch: „Zusammenhalt“, Aquarell von 1985

    Das großformatige Aquarell „Zusammenhalt“ von Irene Bösch (Jahrgang 1940) entstand 1985 und kam 1993 in die Frankfurter Sammlung. Das Blatt misst 97,2 x 78,2 Zentimeter und ist auf der Rückseite bezeichnet. Zu sehen war es in der Ausstellung „Arbeiten auf Papier“, die von Oktober 2005 bis März 2006 Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafik aus dem eigenen Bestand präsentierte (Jahresprogramm 2005).

    • 23. Oktober 2005

    Das Aquarell als eigene Werkgruppe

    Bösch arbeitet malerisch wie zeichnerisch, doch seit 1972 bildet das Aquarell bei ihr einen eigenständigen Werkkomplex. In dieser Technik tritt der persönliche, an innere Erfahrung gebundene Charakter ihrer Kunst am deutlichsten hervor. Die Blätter neigen zur Abstraktion, ohne den Bezug zur sichtbaren Welt ganz aufzugeben; Reste wirklicher Dinge bleiben als Bildelemente stehen. Nach dem Katalogtext ist das Aquarellieren für Bösch Selbsterfahrung und zugleich eine Art, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten; im Lauf der Jahre hat es verschiedene Formen angenommen.

    Die Künstlerin selbst hat betont, dass Erleben und Gefühl ihre Arbeit lenken und dass sich Spannungen aus dem Leben bei ihr in Formen niederschlagen. Werktitel wie „Abschied“ (1981), „Schwierige Begegnung“ (1979) und „Bedrohnis“ (1982) deuten in diese Richtung. Der Katalogtext von Brigitte Rieger-Jähner beschreibt die Aquarelle als Gratwanderung zwischen klassischer Ausgewogenheit und ihrem Gegenteil und leitet daraus ihre schmerzliche Grundstimmung ab. Am Schluss ihres Textes zeichnet sie das Bild einer leidenschaftlichen, mutigen Künstlerin, die sich zum Unberechenbaren und Unbewussten in sich bekennt und ihm eine Gestalt gibt.

    Bildaufbau von „Zusammenhalt“

    Auch dieses Blatt lässt sich weder eindeutig als figürlich noch als abstrakt einordnen. In das Hochformat setzt Bösch zwei waagerechte, körperhaft wirkende Gebilde, die das obere und das untere Viertel der Fläche durchqueren. Unten erinnert eine gegliederte Form an einen übergroßen Knochen, oben eine straff gespannte, dünne organische Fläche an eine Sehne. Aus dem Widerspruch zwischen Hochformat und Querformen entsteht eine leise Unruhe.

    Den Bildgrund baut die Künstlerin ganz aus Farbe auf. Sie übermalt und wäscht wiederholt aus, sodass eine vom Gegenstand gelöste Struktur entsteht; da keine Schicht völlig deckt, scheinen tiefere Lagen durch. Rieger-Jähner hebt hervor, dass das Blatt zwischen der Strenge der Komposition und dem freien Farbauftrag im Gleichgewicht bleibt. Die Farbigkeit reicht in vielen Abstufungen von Rot bis Violett.