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    Carsten Nicolai: der großformatige Holzschnitt „Der Schlaf“, 1991

    Bevor Carsten Nicolai (geboren 1965) mit komplexen Klangprojekten bekannt wurde, arbeitete er mit Pinsel, Stift und Holzschneidemesser. Aus dieser Zeit stammt der Holzschnitt „Der Schlaf“ von 1991. Das Blatt misst 192 × 126 cm, die Darstellung 99 × 137 cm; unten in der Mitte steht „Carsten Nicolai 1991“. Ein Jahr später, 1992, kam es in die Sammlung in Frankfurt (Oder).

    • 23. Oktober 2005

    Zwischen Bild und Ton

    Den Weg vom traditionellen Frühwerk zu den späteren Tonarbeiten zu verfolgen, fällt nicht leicht. Der Katalogtext von Armin Hauer sieht darin dennoch keinen Bruch, sondern eine veränderte Methode, Flächen und Räume mit eigenen Zeichensystemen zu besetzen. Schon um 1987 nahm Nicolai neben Malerei und Zeichnung Töne auf und gründete verschiedene Projektgruppen.

    Er studierte Landschaftsarchitektur und schloss 1990 mit dem Diplom ab. Als Autodidakt trat er bereits 1985 in die damals überschaubare Kunstszene der DDR ein und wurde nach der Wiedervereinigung zu einem anerkannten Künstler. In Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, fand er geistige Verwandte im Umfeld der Produzentengalerie CLara Mosch. Genannt werden die Figurenzeichen von Michael Morgner und die Selbsterkundungen des Einzelgängers Gerhard Altenbourg.

    Eine private Kosmologie

    In dieser Phase entwickelte Nicolai Figuren und Symbole, die sich rückblickend als Weg der Selbstfindung lesen lassen. Serien, Variationen und Zyklen schlossen aneinander an und blieben bewusst offen. Das Bild verstand er als Membran zwischen Innen und Außen. Seine Motive schöpfte er aus Mythen der Antike, christlicher Überlieferung, Märchen und Traumbildern: Es erscheinen Leidensfiguren nach dem Vorbild des Ecce Homo und in sich gekehrte Schatten, außerdem Tiere und Gestalten, die Licht bringen. Die Magna Mater gehört dazu, ebenso androgyne Wesen, Figuren im fötalen Zustand und das Bruderpaar, dem die Twins-Serie gewidmet ist. Dazu kamen Zeichen aus Initiationsriten und alchimistischer Symbolik sowie Gegensatzpaare wie Licht und Dunkel oder offene und geschlossene Form.

    Eine Zentralperspektive fehlt in diesen Blättern. Der Betrachter muss die Zusammenhänge selbst herstellen, Zeichen buchstabieren und verknüpfen.

    Das Blatt „Der Schlaf“

    Die Komposition ist ausgewogen, nahezu symmetrisch. Über einer bauchigen Form wölbt sich ein zarter Bogen mit poetischen Wortgruppen, links und rechts tauchen Gesichter auf. Der Katalogtext bringt sie mit Schlaf und Tod in Verbindung: Der Volksmund nennt den Schlaf den kleinen Bruder des Todes. Die griechische Sage macht Hypnos, zuständig für den Schlaf, sogar zum Zwilling des Thanatos, der über den Tod gebietet. Als Mutter beider gilt Nyx, die Nacht; Morpheus, Herr der Träume, stammt von Hypnos ab.