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    Olaf Gulbransson (1873–1958): Karikaturist des Simplicissimus

    Olaf Leonhard Gulbrandson, später Gulbransson, wurde 1873 in Christiania, dem heutigen Oslo, als zweites von vier Kindern geboren. Sein Vater Edvard war Buchdrucker, die Familie der Mutter Olava, geborene Caspersen, stammte aus Schweden. Der Zeichner prägte über vier Jahrzehnte das Gesicht der Münchner Satirezeitschrift Simplicissimus, der das Frankfurter Museum um die Jahreswende 2004/2005 eine Ausstellung widmete.

    • 29. November 2014

    Von Christiania nach München

    Zwischen 1885 und 1893 lernte er an der Kongelige Kunst og Haanverkskole seiner Heimatstadt. Ab 1890 erschienen seine Karikaturen in norwegischen Blättern wie Pluk, Tyrihans und Paletten, dazu erste Buchillustrationen. Nach dem Militärdienst 1894 heiratete er 1897 Inge Liggern von Oyungen; die Töchter Liv und Inga Lisa kamen 1898 und 1901 zur Welt. 1899 stellte er Porträtkarikaturen in Christiania aus, 1900 studierte er in Paris an der Akademie „Cola Rossi“, und 1901 kam sein Band „24 Karikaturen“ heraus.

    Den Ausschlag gab der Dichter Björnstjerne Björnson: Er machte Albert Langen auf den jungen Norweger aufmerksam, und Langen, der den Simplicissimus 1896 mit Thomas Theodor Heine gegründet hatte, holte ihn 1902 nach München. Im Dezember jenes Jahres druckte das Blatt seine erste Zeichnung. 1906 wurde Gulbransson eingebürgert, kaufte das „Kefernest“ in der Keferstraße 10 am Englischen Garten und heiratete nach der Scheidung Grete Jehly, Tochter des Vorarlberger Landschaftsmalers Jakob Jehly.

    Akademien, Ehrungen und Bruch 1933

    1912 entwarf er Figuren für Friedrich Huchs Lohengrin-Parodie am Marionetten-Theater Münchener Künstler und reiste nach Ägypten. 1914 trat er der Freien Secession Berlin bei. Im Ersten Weltkrieg kam er zum Propagandadienst des Auswärtigen Amtes nach Berlin, wo er Paul Wegener und Max Liebermann kennenlernte; 1917 nahm ihn die Berliner Akademie der Künste als Mitglied auf. 1923 heiratete er Dagny Björnson, eine Enkelin des Dichters, und lebte bis 1927 in Norwegen.

    1929 übernahm er als Akademieprofessor in München die Nachfolge Franz von Stucks und erwarb den Schererhof in Tegernsee. Eine Schau zu seinem 65. Geburtstag wurde 1933 in der Städtischen Galerie München zwei Tage nach der Eröffnung auf Anweisung der NSDAP geschlossen. 1943 erhielt er die Goethemedaille und wurde emeritiert, 1944 stellte der Simplicissimus sein Erscheinen ein.

    Späte Jahre

    Nach dem Krieg veröffentlichte er Bände wie „Und so weiter“ (1954), „So siehst Du aus“ (1955) und „Das auch noch“ (1958). Das Wilhelm-Busch-Museum Hannover zeigte 1953 sein Gesamtwerk, 1955 bekam er den Kunstpreis der Stadt München, 1958 den Joseph-Drexel-Preis. Gulbransson starb am 18. September 1958 auf dem Schererhof.