04.12.2003 - 11.01.2004
WEIHNACHTSAUSSTELLUNGEN

WINTERLANDSCHAFTEN IM WANDEL DER ZEIT
Malerei, Zeichnungen, Druckgrafiken

Thematische  Gemeinschaftsausstellung  der  Museen  Junge Kunst  und  Viadrina


Ausstellung "Winterlandschaften im Wandel der Zeit"

Erstmalig zeigen die beiden Museen ihre Sonderausstellungen unter einem Thema Jedoch weist schon der Plural „Weihnachtsausstellungen" darauf hin, dass jede Einrichtung sich ganz spezifisch und unabhängig voneinander, je nach ihrem Sammlungsprofil, diesem Thema widmet; deshalb auch die jeweiligen Untertitel. Das Museum Junge Kunst konzentriert sich auf die malerische und zeichnerische Darstellung von Winterlandschaften im Wandel der Zeit. Zeitwandel kann bedeuten: mehr oder weniger einschneidende Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge, eine Wandlung der Stilauffassungen und eine prinzipielle Änderung des Blicks. So scheint nur als einzig verlässliches Kontinuum der Wechsel der Jahreszeiten zu bleiben. Doch wann beginnt eigentlich die Winterzeit und wann endet sie?

Meint man damit die kalendarisch festgelegten Daten vom 21. Dezember  bis zum 20. März  oder mehr die gefühlte Winterzeit, die dann einsetzt, wenn der „farbige Herbst" sein  Werk getan hat und kahle Bäume, Nebel,  ewige  Dämmerung  erscheinen oder sich eine weiße Decke über Stadt  und Land legt. Winterlandschaften, sind das nur  die  weißen Idyllen á  la Pieter Breugel d. Ä. oder die auf den Weihnachtspostkarten und -kalendern?

Bernhard Kretzschmar
(1889-1972) Dämmri-
ge Schneelandschaft,
1952 - Öl/Leinwand

Aus dem umfangreichen Bestand des Museums Junge Kunst werden 12 Ölbilder, 14 Aquarelle und 26 Druckgrafiken von 17 Künstlerinnen bzw. Künstlern aus fünf Generationen vorgestellt. Das sind Bilder aus einem Zeitraum von  über acht Jahrzehnten, die sich mehr oder weniger deutlich als Winterlandschaften zu erkennen geben. Dabei werden die unterschiedlichsten Techniken angewandt: Ölmalerei, Aquarell– und Gouachetechnik, Holzschnitt, Radierung und Lithografie. Bekannte Namen wie Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984), Theodor Rosenhauer (1901-1996) tauchen auf, und es ergibt sich vielleicht ein Wiedersehen mit dieser oder jener Landschaft.
 

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Bild links:
Theodor Rosenbauer,
Weinböhla im Winter mit Bushaltestelle -
1967/68, Öl/Leinwand

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Bild rechts:
Otto Niemeyer-Holstein,
Am Strand im Winter -
1960, Öl/Hartfaser

In den sechs Räumen des PackHofs wird aber auch bisher noch nie Gezeigtes von Künstlern zu entdecken sein. Ihre Arbeiten sind zwar schon lange im Bestand des Museums, doch erfuhren sie bisher aus den unterschiedlichsten  Gründen  nur  eine  geringe  Beachtung.  So  zum  Beispiel  werden  die  gemäßigt   expressiv

farbstarken Malereien und Aquarellbilder des Dresdner Fritz Winklers (1894-1964) eine Überraschung sein sowie die im Gegensatz dazu farblich hoch differenziert gemalten Ansichten von Dresdner Villen von Paul Wilhelm (1886-1965). Eine weitere Überraschung sind die Grafiken des Weimarer Otto Paetz (1914). Seine topografisch genauen Landschaftszeichnungen lassen alles Idyllische und Verklärende weit hinter sich. Sie werden zu einer Huldigung an das bergige Thüringer Land. Auch der Altmeister des Aquarells, Kurt Querner (1904-1976), ist mit herausragenden Blättern dabei. Mit kraftvollen Pinselstrichen, die noch heute Frische sowie spontane Unmittelbarkeit ausstrahlen, verewigt er einen schmuddelig dunklen Wintertag; Bäume, Häuser und die kahlen Äcker atmen förmlich Feuchtigkeit und Kälte aus.

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Fritz Winkler, o.T., o.J. - Aquarell

Einen stilistischen Kontrast zu allen Werken setzten die kleinformatigen Ölbilder der hypernaturalistisch malenden Angelika Tübke (1935). Kinder auf dem Eis, verschneite Bäume und anheimelnde Häuser lassen Klischees auferstehen, die sich nach dem zweiten Blick als gefährdete ästhetische Konstrukte entpuppen, die mehr ihr Vorbild in der Kunstgeschichte haben als im wahren Leben. Doch auch die Bilderbuchvorstellungen von Sonne, Schnee und ausgelassenem Kindertreiben werden bedient.
 

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Bild links:
Angelika Tübke,
Kinder im Schnee
1978, Öl/Pappe

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Bild rechts:
Angelika Tübke,
Winterbild mit Hockey-
spielern, 1979
Mischtechnik/Holz

Der Mecklenburger Werner Schinko (1929) illustriert in seinen farbigen Linolschnitten mittels eines einfach konturierten Stils die Freuden in der weißen Winterzeit.
 

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Bild oben: Werner Schinko,
Junge im blauen Mantel,
1960 - Holzschnitt

Diese Ausstellung trägt ebenso der Erkenntnis Rechnung, dass Landschaften nie vom Tun des Menschen verschont bleiben. Urbanisierung, Industrialisierung, Umweltsünden, Kriege, wirtschaftliche Krisen, Forstpflege und nicht zuletzt die landwirtschaftliche Nutzung prägen unser Umfeld. Wilhelm Rudolph (1989–1983) hält fast dokumentarisch in seinen fragilen Holzschnitten das Elend und die Not der Deutschen nach dem Bombardement auf Dresden am 13. Februar 1945 fest. Etwa zwanzig Jahre zuvor setzt der Hallenser Maler Karl Völker (1889-1962) der Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit ein Zeichen, indem er am schwarzen Himmel über den verschneiten Mietskasernen einen weißen, fünfzackigen Stern aufleuchten lässt. Der Stern der christlichen Heilserfüllung wird hier zum Sowjetstern der Revolution in seinem Blatt „Rotes Weihnachten" (1925). Auch ein Vertreter der nicht unmittelbar vom Krieg betroffene Generation, Wolfgang Petrovsky (1947), konfrontiert uns mit der Winterzeit in Dresden 1945 in seiner Siebdruckserie „ Fastnacht und Aschermittwoch" (1985). Aufnahmen von der zerbombten Innenstadt konterkariert er grafisch mit Fotos vom einstigen Familienglück oder vom stolz dreinblickenden Hitlerjungen.

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Zum Thema Landschaften gibt es vom 22. Februar bis zum 4. Juli 2004 in der Rathaushalle eine weitere, diesmal umfangreichere Ausstellung mit Arbeiten aus dem Besitz des Museums Junge Kunst Sie wird sich speziell den unterschiedlichen Interpreta-tionsmöglichkeiten des Land-schaftsmotiv in der DDR Zeit widmen. In diesem Kontext stellt „Winterlandschaften im Wandel der Zeit" eine mögliche und ganz spezifische

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Bild links und rechts:
Wolfgang Petrovsky,  Aus dem Zyklus
Fastnacht und Aschermittwoch - 1983
Siebdruck

Sichtweise auf die in der Kunstgeschichte wichtige bildnerische Gattung dar.

Fotos: Hans-Peter Maihold

Armin Hauer

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