|

|
Erstmalig zeigen die
beiden Museen ihre Sonderausstellungen unter einem Thema Jedoch
weist schon der Plural „Weihnachtsausstellungen" darauf hin, dass
jede Einrichtung sich ganz spezifisch und unabhängig voneinander, je
nach ihrem Sammlungsprofil, diesem Thema widmet; deshalb auch die
jeweiligen Untertitel. Das Museum Junge Kunst konzentriert sich auf
die malerische und zeichnerische Darstellung von Winterlandschaften
im Wandel der Zeit. Zeitwandel kann bedeuten: mehr oder weniger
einschneidende Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge, eine
Wandlung der Stilauffassungen und eine prinzipielle Änderung des
Blicks. So scheint nur als einzig verlässliches Kontinuum der
Wechsel der Jahreszeiten zu bleiben. Doch wann beginnt eigentlich
die Winterzeit und wann endet sie?
Meint man damit die
kalendarisch festgelegten Daten vom 21. Dezember bis zum 20.
März oder mehr die gefühlte Winterzeit, die dann einsetzt, wenn
der „farbige Herbst" sein Werk getan hat und kahle Bäume,
Nebel, ewige Dämmerung erscheinen oder sich eine
weiße Decke über Stadt und Land legt. Winterlandschaften, sind
das nur die weißen Idyllen á la Pieter Breugel d.
Ä. oder die auf den Weihnachtspostkarten und
-kalendern? |
|
Aus dem umfangreichen Bestand des Museums Junge Kunst werden 12
Ölbilder, 14 Aquarelle und 26 Druckgrafiken von 17 Künstlerinnen
bzw. Künstlern aus fünf Generationen vorgestellt. Das sind Bilder
aus einem Zeitraum von über acht Jahrzehnten, die sich mehr oder
weniger deutlich als Winterlandschaften zu erkennen geben. Dabei
werden die unterschiedlichsten Techniken angewandt: Ölmalerei,
Aquarell– und Gouachetechnik, Holzschnitt, Radierung und
Lithografie. Bekannte Namen wie Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984),
Theodor Rosenhauer (1901-1996) tauchen auf, und es ergibt sich
vielleicht ein Wiedersehen mit dieser oder jener Landschaft.
 |
|
Bild
links:
Theodor Rosenbauer,
Weinböhla im Winter mit Bushaltestelle -
1967/68, Öl/Leinwand |
|
 |
|
Bild
rechts:
Otto Niemeyer-Holstein,
Am Strand im Winter -
1960, Öl/Hartfaser |
|
In den
sechs Räumen des PackHofs wird aber auch bisher noch nie Gezeigtes
von Künstlern zu entdecken sein. Ihre Arbeiten sind zwar schon lange
im Bestand des Museums, doch erfuhren sie bisher aus den
unterschiedlichsten Gründen nur eine geringe Beachtung. So zum
Beispiel werden die gemäßigt expressiv
|
farbstarken Malereien
und Aquarellbilder des Dresdner Fritz Winklers (1894-1964)
eine Überraschung sein sowie die im Gegensatz dazu farblich
hoch differenziert gemalten Ansichten von Dresdner Villen von
Paul Wilhelm (1886-1965). Eine weitere Überraschung sind die
Grafiken des Weimarer Otto Paetz (1914). Seine topografisch
genauen Landschaftszeichnungen lassen alles Idyllische und
Verklärende weit hinter sich. Sie werden zu einer Huldigung an
das bergige Thüringer Land. Auch der Altmeister des Aquarells,
Kurt Querner (1904-1976), ist mit herausragenden Blättern
dabei. Mit kraftvollen Pinselstrichen, die noch heute Frische
sowie spontane Unmittelbarkeit ausstrahlen, verewigt er einen
schmuddelig dunklen Wintertag; Bäume, Häuser und die kahlen
Äcker atmen förmlich Feuchtigkeit und Kälte aus. |

|
Fritz
Winkler, o.T., o.J. - Aquarell |
|
Einen stilistischen Kontrast zu allen
Werken setzten die kleinformatigen Ölbilder der hypernaturalistisch
malenden Angelika Tübke (1935). Kinder auf dem Eis, verschneite
Bäume und anheimelnde Häuser lassen Klischees auferstehen, die sich
nach dem zweiten Blick als gefährdete ästhetische Konstrukte
entpuppen, die mehr ihr Vorbild in der Kunstgeschichte haben als im
wahren Leben. Doch auch die Bilderbuchvorstellungen von Sonne,
Schnee und ausgelassenem Kindertreiben werden bedient.
 |
|
Bild
links:
Angelika Tübke,
Kinder im Schnee
1978, Öl/Pappe |
|
 |
|
Bild rechts:
Angelika Tübke,
Winterbild mit Hockey-
spielern, 1979
Mischtechnik/Holz |
|
Der
Mecklenburger Werner Schinko (1929) illustriert in seinen farbigen
Linolschnitten mittels eines einfach konturierten Stils die Freuden
in der weißen Winterzeit.
|

|
Bild oben: Werner
Schinko,
Junge im blauen Mantel,
1960 - Holzschnitt |
|
Diese Ausstellung trägt ebenso der Erkenntnis Rechnung, dass
Landschaften nie vom Tun des Menschen verschont bleiben.
Urbanisierung, Industrialisierung, Umweltsünden, Kriege,
wirtschaftliche Krisen, Forstpflege und nicht zuletzt die
landwirtschaftliche Nutzung prägen unser Umfeld. Wilhelm Rudolph
(1989–1983) hält fast dokumentarisch in seinen fragilen
Holzschnitten das Elend und die Not der Deutschen nach dem
Bombardement auf Dresden am 13. Februar 1945 fest. Etwa zwanzig
Jahre zuvor setzt der Hallenser Maler Karl Völker (1889-1962) der
Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit ein Zeichen, indem er am
schwarzen Himmel über den verschneiten Mietskasernen einen weißen,
fünfzackigen Stern aufleuchten lässt. Der Stern der christlichen
Heilserfüllung wird hier zum Sowjetstern der Revolution in seinem
Blatt „Rotes Weihnachten" (1925). Auch ein Vertreter der nicht
unmittelbar vom Krieg betroffene Generation, Wolfgang Petrovsky
(1947), konfrontiert uns mit der Winterzeit in Dresden 1945 in
seiner Siebdruckserie „ Fastnacht und Aschermittwoch" (1985).
Aufnahmen von der zerbombten Innenstadt konterkariert er grafisch
mit Fotos vom einstigen Familienglück oder vom stolz dreinblickenden
Hitlerjungen. |
|
 |
Zum Thema Landschaften
gibt es vom 22. Februar bis zum 4. Juli 2004 in der
Rathaushalle eine weitere, diesmal umfangreichere
Ausstellung mit Arbeiten aus dem Besitz des Museums
Junge Kunst Sie wird sich speziell den unterschiedlichen
Interpreta-tionsmöglichkeiten des Land-schaftsmotiv in
der DDR Zeit widmen. In diesem Kontext stellt
„Winterlandschaften im Wandel der Zeit" eine mögliche
und ganz spezifische |

|
Bild
links und rechts:
Wolfgang Petrovsky, Aus dem Zyklus
Fastnacht und Aschermittwoch - 1983
Siebdruck |
|
|
Sichtweise auf die in
der Kunstgeschichte wichtige bildnerische Gattung dar. |
|
|