14.09.2003 - 09.11.2003  

Jochen Gerz, (geb. 1940), Paris

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Klaus Staeck, (geb. 1938), Heidelberg

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Arbeit an der Gegenwart
Plakate, Objekte, Installationen, Videoarbeiten, Fotografien
Akademie der Künste, Berlin in Zusammenarbeit mit dem Museum Junge Kunst, Frankfurt (Oder)


Sind Kunst und Politik zwei Bereiche, die sich diametral gegenüberstehen oder sogar ausschließen? Die Ausstellung  mit  Werken  von  Klaus  Staeck und  Jochen Gerz  stellt  diese Frage facettenreich.  Doch obwohl die

Arbeiten beider Künstler den Dialog mit existentiellen und damit auch aktuellen Frage-stellungen zur Grundlage haben und diesen geradezu herausfordern, vermischen sich die Bereiche Kunst und Politik nicht und behalten immer ihre Autonomie. Dennoch kann man sowohl Staeck als auch Gerz als

weiteres Foto vom Pressegespräch am 12.09.2003

Ruhestörer bezeichnen, mischen sie sich doch in brisante Alltagsfragen ein, die uns alle existentiell betreffen. So sind es drei Komplexe, die im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen: unsere geschichtliche Vergangen-heit, unsere politische Gegenwart und die Form unserer zukünftigen Umwelt.

Jochen Gerz (links) und Klaus Staeck - Foto: H.-P. Maihold

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Klaus Staeck, Plakat - 1981

Klaus Staeck, Plakat - 1998

Klaus Staeck, Plakat - 1997

Klaus Staeck schuf in den letzten 30 Jahren Postkarten und Aufkleber sowie Flugblätter aber auch Bücher und Dokumentationen, vor allem aber Plakate und Objekte, die in unmittelbarem Zusammenhang miteinander stehen. Mit pointiert sarkastischem Humor und im Zusammenklang von Wort und Schrift entstanden so immer wieder Darstellungen, die auf die Gefahr von alltäglich hingenommenen Sachverhalten verweisen. Dabei legt sich Staeck vor allem „mit den Starken" an, „den Konzernen, Parteien, Organisationen, Verbänden, Vereinigungen, mächtigen Einzelpersonen". Dass seine Kunst der spöttisch kritischen Zurechtweisungen durchaus auf Resonanz bei den Angegriffenen stoßen, darauf weisen die über 40 Prozesse hin, die der Künstler alle gewann, was die Demokratiefähigkeit unseres Staates immer wieder erneut bestätigt.

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JOCHEN GERZ, ESTHER SHALEV GERZ

Mahnmal gegen Faschismus, Hamburg-Harburg, 1986-93
Installation, Stele aus verzinktem Vierkantstahl mit Feinbleiverkleidung
(4 Stahlstifte zum Beschriften der Oberfläche, Texttafeln), 1.200 x 100 x 100 cm

Das Projekt lud die Bürger und Besucher der Stadt Hamburg dazu ein, mit ihrem Namen gegen den Faschismus zu signieren, indem sie ihn mit einem Stahlstift in den Bleimantel einer zwölf Meter hohen Stele schrieben. Sobald der erreichbare Teil der Oberfläche beschrieben war, wurde die Stele um 140 cm abgesenkt. Von der Einweihung des Mahnmals 1986 bis zum endgültigen Verschwinden der Stele 1993 erfolgten insgesamt acht Absenkungen. Heute zeugt eine Texttafel in sieben Sprachen mit einer Chronologie von Errichtung, Beschriftung und Absenkung der Stele vom Mahnmalsprozess.

Jochen Gerz dagegen entwickelt seine Arbeiten aus dem Schreiben heraus, in den öffentlichen Raum hinein. Dieser wird für ihn im ursprünglichen Wortsinne bis in den Medienalltag hinein erweitert. Es werden aber nicht allein Gattungsgrenzen vom Künstler verschoben. Auch der ursprüngliche Sach- und Situationszusammenhang aus dem heraus Kunstwerke der Vergangenheit verstanden wurden, werden durch die Kunst von Gerz konterkariert, so dass Irritationen vorprogrammiert sind.

Aber es sind auch Gewalt, Unachtsamkeit und Routine sowie deren erschreckende Folgen, die der Künstler zu thematisieren versteht. Letztlich gelingt es Gerz immer wieder von Neuem mit sparsamsten ästhetischen Mitteln die passive Konsumentenrolle des Betrachters aufzubrechen und ihn zum Mitgestalten der Aktionen, Videoarbeiten und Foto/ Texte zu aktivieren.

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Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner