| wieder aus anderem Blickwinkel, immer wieder auf besondere Weise verbogen. Auch der Titel der Serie unterstreicht ein Auseinandersetzen mit der Geschichte und aktuellen Zeitbezügen: "Gegen Krieg und Fremdenhass". Die Namen "Mölln", "Sinti" und "Sarajewo" sind auf Bildern zu lesen. Die Farbpalette ist sehr breit. "Auf dem einen Bild stelle ich Assoziationen zu rohem abgezogenen Fleisch her", sagt Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner, die sich um die Bilder bemüht hat und sehr stolz darauf ist, dass sie nun dem Museum gehören. Sie hat sich auch mit dem biblischen und philosophischen Hintergrund der Malereien und Zeichnungen auseinandergesetzt. Die Frage steht im Raum: Meint der Maler hier die Posaunen von Jericho, die nach biblischer Tradition die Stadtmauern zum Einsturz gebracht haben oder doch eher eine der sieben Posaunen, die in der Johannesoffenbarung zum Weltgericht blasen? Die Biographie des Malers unterstreicht eine religiöse Prägung, die auch in sein Werk eingeflossen ist. 1931 in Aussig an der Elbe (Tschechoslowakei) geboren wuchs Schlesinger im musisch intellektuellen Klima eines freisinnig jüdischen Elternhauses auf. Er kam mit 17 Jahren nach Israel. Dort arbeitete er in den Kibbuzim Dorot und Kisarja, anschließend lebte er in Haifa, Tel-Aviv und Jerusalem. Er erlebte jüdische Religion und jüdisches Denken. Dort begann er auch künstlerisch zu arbeiten. 1955 ging er in die DDR. In Eisleben arbeitete er in einer Schuhfabrik, bevor er 1956 als Theatermaler in Anklam und Dessau aktiv wurde. Von 1960 bis 1962 besuchte er die Fachschule für angewandte Kunst/Theatermaler in Leipzig. Nachdem er dort und in Meiningen sechs Jahre lang als Theatermaler gewirkt hatte, machte er sich selbständig. Doch 1980 hatte er genug vom System, ging nach München. Dort hat er nun in Pfaffenhofen sein Atelier. "Schon zu DDR-Zeiten war der Besuch seiner Ausstellungen in Leipzig ein Geheimtipp für Künstler und Kunststudenten" erzählt Brigitte Rieger-Jähner. "Er ist nicht dem üblichen Trend in der DDR gefolgt und hat dann wie andere Künstler auch den Ausreiseantrag gestellt. Für ihn war das alles viel zu eng. Er konnte keine Originale an Weltkunst sehen. Die winzige DDR war für Schlesinger eine Katastrophe", erklärt sie. Zu den Bildern kommen noch 15 Tuschezeichnungen aus dem Jahre 1981. Diese sind nicht illustrativ gestaltet, sondern erzählende Mythen, geometrische Grundformen und eine Vielfalt an Zeichen, die an geschichtsträchtige Symbole denken lässt, sind es, die ein Dialog der Formen ermöglichen. "Aber unabhängig von allen Erklärungsversuchen besitzen diese Arbeiten durch die vitale Form und brillante Gestaltung einen so hohen ästhetischen Reiz, dass sie im Sinne des Künstlers anregend und spannend wirken und dem Betrachter eine abenteuerliche Entdeckungsreise bieten in sein eigenes Innenleben", erklärt die Museumsleiterin. |