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z u r ü c k


RATHAUSHALLE / FESTSAAL
MARKTPLATZ 1
23.11.2014 - 01.02.2015

DIE SPRACHE DER DINGE
MALEREI - GRAFIK - OBJEKTE

Stillleben aus der Sammlung des Museums Junge Kunst Frankfurt (Oder)

BĀLAVAT (d.i. Eckehard Böttrich) (1937), Johanna Bartl (1956), Lothar Böhme (1938), Christa Böhme (1940 – 1991), Karl Brause (1929), Sabine Curio (1950), Klaus Drechsler (1940), Fritz Duda (1904-1991), Lutz Fleischer (1956), Günther Friedrich (1930-1986), Manfred Gabriel (1939), Rainer Görß (1960), Harald Hakenbeck (1926), Ernst Hassebrauk (1905 – 1974), Bernhard Heisig (1925-2011), Peter Herrmann (1937), Bernd Hertel (1940), Joachim Heuer (1900-1994), Hans-Peter Hund (1940), Karl-Heinz Jakob (1929- 1997), Hans Jüchser (1894-1977), M.K. Kähne (1963), Kaeseberg (d.i. Tomas Fröbel) (1964), Daniel Klawitter (1962), Horst Krüger (1936), Wilhelm Lachnit (1899 – 1962), Herbert Lange (1920-2001), Max Langer (1897-1985), Eberhard Löbel (1938), Wolfgang Mattheuer (1927-2004), Harald Metzkes (1929), Horst Peter Meyer (1947), Walter Münze (1895-1978), Rudolf Nehmer (1912-1983), Olaf Nicolai (1962), Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984), Philip Oeser (d.i. Helmut Müller) (1929-2013), Stefan Plenkers (1945), Werner Rataiczyk (1921), Hans-Hermann Richter (1944), Karl Hermann Roehricht (1928),Theodor Rosenhauer (1901-1996),  Ursula Rzodeczko (1929), Horst Sagert (1934), Karin Sakrowski (1942), Ernst Schroeder (1928-1989), Kurt Heinz Sieger (1917- 2002), Gerd Sonntag (1954), Volker Stelzmann  (1940), Hildegard Stilijanow (1905-1981), André Tempel (1970), Inge Thiess-Böttner (1924-2001), Kurt Teubner (1903-1990), Dieter Tucholke (1934-2001), Jürgen Wenzel (1950), Werner Wittig (1930), Willy Wolff (1905-1985), Rainer Zille (1945- 2005), Dieter Zimmermann (1942)

Eröffnung am 23. November 2014 um 11 Uhr in der Rathaushalle, Marktplatz 1


Die Auswahl der rund 90 Exponate erfolgte aus dem Sammlungsbestand von etwa 11.000 Kunstwerken  aus den Bereichen Malerei, Handzeichnungen, Druckgrafik und Objekte. Von 59 Künstlern werden Bilder und Objekte vorgestellt, deren Motive sich dem Stillleben widmen. Sie gehören  vier Generationen an und studierten in der Zeit der Weimarer Republik, in der des Nationalsozialismus, in der DDR oder in der Bundesrepublik nach 1990. Cirka dreiviertel der gezeigten Kunstwerke entstanden in der DDR. Die „älteste“ Arbeit stammt aus dem Jahr 1940, es ist das Bild „Karpfen (Stillleben mit Fischen)“ von Theodor Rosenhauer und die jüngste ist ein Objekt von André Tempel von 2008 und trägt den Titel „Keule Sahne“.

Abb. oben links: Joachim Heuer (1900-1994), Dresden, Stillleben mit Flasche VAT 69, 1969, Öl auf Hartfaserplatte; 50,2 x 65,3 cm; bez. r. u.: JH, Bildmitte: VAT 69; erworben 1988, Foto: Bernd Kuhnert, Berlin

Abb. oben rechts: Dieter Tucholke (1934-2001), Berlino.T. (Kofferobjekt) um  1996, verschiedene Materialien; 55 x 29 x 11 cm; unbez.; erworben 2002 durch Schenkung  der Witwe, Foto: W. Mausolf, Frankfurt (Oder)

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Abb. oben links: Karin Sakrowski (1942), Berlin, Große Köpfe, 1990, Öl auf Leinwand; 141 x 111 cm,
Foto: Winfried  Mausolf, Frankfurt (Oder)

Abb. oben rechts: BĀLAVAT (d.i. Eckehard Böttrich), (1937), Stockum-Püschen, Berlin, Das Prinzip Gnade, o. J., Glas, Wasser, Murmeln, Gummi, Metall; 21,8 x 12 x 12 cm, Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)

 

Unter dem Blickwinkel „Stillleben“ wurde die umfangreiche Sammlung gesichtet. Denn das Museum zeigt seit 1991 aus konzeptionellen Gründen keine Dauerausstellung mehr. Dafür wird einmal im Jahr eine Ausstellung mit Arbeiten aus der Sammlung unter einem bestimmten Aspekt konzipiert. 2011 richtet sich der Fokus  zum Beispiel  auf das Porträt aus einem Zeitraum von fast einhundert Jahren (BLICKE und GESTEN), 2010 auf abstrakte, konstruktive und konkrete Arbeiten (Tendenz abstrakt) und 2009 auf die „Deutsche Druckgrafik von 1883 bis 2006“.Diese stilistische, ikonografische und inhaltliche Vielschichtigkeit der Sammlung stellt  der  Beitrag von Sven Behrisch im „DIE ZEIT Museumsführer“ mit den Worten heraus: “Nicht in Berlin oder in München, sondern in Frankfurt (Oder) findet sich die wertvollste Kunstsammlung der Republik. Wertvoll nicht in materieller Hinsicht und auch nicht auf der Polke-, Rauch- und Richter-Skala. Die Sammlung des Museums Junge Kunst ist wertvoll, weil sie ausschließlich und lückenlos ostdeutsche Kunst zusammenträgt. Ein Schatz, den kaum jemand kennt.“ (Hrsg.: Hanno Rauterberg, DIE ZEIT Museumsführer – Die schönsten Kunstsammlungen – noch mehr Entdeckungen, Hamburg 2012, S. 97).
Bekanntermaßen erlebte das Stillleben seine Blütezeit im 17. Jahrhundert  in den Niederlanden. In sich daran anschließenden Jahrhunderten geht man davon aus, dass die tieferen Sinnschichten mehr oder weniger  an Allgemeingültigkeit verloren haben,  aber diese wohl  immer noch in den Dingen ruhen; bewusst oder unbewusst vom Maler intendiert, eine sinnbildliche Ausstrahlung über die „banale“ Gegenständlichkeit hinaus in sich bergen. Das romantische Gedicht „Wünschelrute“ von Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) weist in diese Richtung: „Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort, / Und die Welt hebt an zu singen; / Triffst du nur das Zauberwort.“ Es entstand 1835 und hat indirekt zur Titelfindung für die Ausstellung angeregt. Je nach Bildungsniveau und Sensibilisierung des Betrachters können diese  Ebenen mitschwingen und ein Sinnbild in sich bergen.
 

Abb. oben links: Rudolf Nehmer (1912-1983), Dresden, Stillleben mit Kalla, 1948/1967, Öl auf Sperrholz; 131 x 49 cm; bez. r. u.: RUDOLF NEHMER 48/67; erworben 1976, Foto: W. Mausolf, Frankfurt (Oder)

Oft verwenden die Maler der Moderne, der Postmoderne und der Gegenwart Dinge und Objekte im Zusammenhang mit einer symbolischen Bedeutung, die in ihrer individuellen Lebenserfahrung begründet ist. Wir können deren Sinn manchmal  nur erahnen. Eine allgemein verbindliche  „Auflösung des  Bilderrätsels“ ist selten möglich. Taucht aber zum Beispiel  ein Totenschädel oder ein welkes Blatt auf, stellen sich sogleich Vorstellungen des Vergänglichen ein, vielleicht die des Memento mori oder gar ein Vanitasgedanke. Ob diese Energien des Existenziellen und ethisch Sinnbildhaften in den vorgestellten Arbeiten noch anwesend  sind, kann jeder für sich entscheiden. Die Ausstellung in der Spätrenaissancehalle und im hochgotischen Festsaal ist, was die Bilder betrifft, mehr oder weniger konsequent chronologisch aufgebaut. Sie nehmen Dialoge des  Konträren  oder des sich stilistisch weiteren Differenzierens auf. Die Objekte und Installationen dagegen bewegen sich nicht im Sinne des Zeitstrahls. Sie werden Bildern zugeordnet, die aus einem anderen Jahrzehnt stammen. Dadurch wird der semantisch-ästhetische Kontrast von Zwei- und Dreidimensionalität, von Illusionismus und von realer Körperlichkeit verstärkt und zugleich die stilistisch unterschiedlichen, zeitbedingten  Haltungen zum Thema

und zum Motiv vor Augen und Körper  geführt. Einen ästhetisch-sinnlichen Höhepunkt nimmt die Hauptwand der Rathaushalle ein. Dort sind von 21 Malern Blumenstillleben im Stile einer Petersburger Hängung konzipiert. Diese überbordende Fülle wird gewiss das Auge des Betrachters fesseln und zum unmittelbaren Bildvergleich anregen.

Abb. oben rechts: Lutz Fleischer (1956), Dresden, Schnabelkerf, 1989, Tusche, Kreide, Nitrofarbe, Collage; 73,4 x 51,3 cm; bez. u.: fleischer 89; erworben 1989, Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)

Blumenstilllebenwand, Foto: Lothar Tanzyna, Agentur Giraffe

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Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

Text/Kurator: Armin Hauer


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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