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»Ein Tänzchen…« · 1984/85,
Die Vielfalt des Alltags mit allen
Sinnen immer wieder neu zu entdecken, wer kann von sich behaupten, dass er
dazu in der Lage wäre? Dieter Zimmermann aus dem kleinen Dorf Bramow in
der Niederlausitz ist zu diesen spannend überraschenden Erkundungen nicht
nur fähig, sondern er nimmt uns auch mit auf seine optischen
Entdeckungsfahrten von skurriler Alltäglichkeit. Die Mentalität des
Künstlers, die es ihm ermöglicht, hintergründig Spannendes im
vordergründig Banalen zu erkennen, beschreibt sein Künstlerkollege Rainer
Zille treffend mit den Worten: »Der Maler Dieter Zimmermann, selbst ein
liebenswerter Kauz, scheint um die Geheimnisse der Tiere, Pflanzen und
Dinge zu wissen. Diese teilt er uns in den uralten und doch immer wieder
neuen Sprache der Bildzeichen mit. Sein feiner Humor im Leben wie in der
Arbeit versetzen ihn in die Lage, hinter die Dinge zu sehen.«180
Auf dem vorgestellten Blatt wurde die
Spruchweisheit »Ein Tänzchen in Ehren kann keiner verwehren…« vom Künstler
nicht allein zum Titel gewählt. Wie immer wurde dieser von ihm
facettenreich ausgelegt. Neben mehreren hoch- und querformatigen Feldern,
die sich dem Tanz widmen, sind auch solche zu finden, die scheinbar nur
wenig mit dem Thema zu tun haben. Ein männlicher Rückenakt, der sich einer
Gruppe von Betrachtern darbietet, ist hier ebenso zu finden wie weibliche
Akttorsi. Aber auch verschiedenste Tiere entdeckt man und sogar ein
Teufelchen vor dem schwankenden Tisch mit Glas und Flasche, das makaber
grinst, zeichnet sich doch hinter ihm ein überdimensionierter fliegender
Kater ab. In anderen Darstellungssegmenten finden wir Wörter in
Spiegelschrift. Wie, wer, wo, woher, warum lauten diese. Es sind Fragen,
die möglicherweise auch der Betrachter stellt, verbindet sich doch hier
Reales mit Irrealem ebenso wie Szenen, die unabhängig vom Thema gestaltet
wurden. Durch den gleichzeitigen Verzicht auf reale Größenverhältnisse
wird das Phantastische des Gehalts noch verstärkt auf den Darstellungen
hervorgehoben. Die bildteppichartige Vielfalt würde zu einem Formenchaos
führen, besäße Zimmermann nicht eine virtuose Gestaltungskraft, die das
Ganze durch ein formales Ordnungsprinzip zu bändigen versteht. Dieses
beruht in allen seinen Arbeiten neben einer bewussten Flächenaufteilung
auf der klaren Abgrenzung der einzelnen Bildteile voneinander. Aber auch
die Farbigkeit strukturiert die Gestaltung, die sich trotz ihrer Vielfalt
auch in diesem Blatt auf drei Töne von hellem Blau, Ocker und Schwarz
konzentriert. Ein Gemisch von Tusche, Kreide und Aquarellfarbe ist so
malerisch und nuanciert auf das Papier aufgetragen, so dass der nahe
liegende Vergleich zum plakativen Comic nicht zutrifft. Fernab von
jeglicher Idylle wird auch dieser Bildgehalt durch eine antiklassisch
dissonante Gestaltung bestimmt, die den Bezug zur Kunst der Klassischen
Moderne deutlich werden lässt. Darüber hinaus ist es aber auch eine nicht
zu erlernende Naivität, die den Bildern Ursprünglichkeit und Kraft
verleiht, wie sie vergleichsweise in der zweckfreien Malerei von
Schizophrenen und Kindern anzutreffen ist. |
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