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Porträt J. W. · 1975 »Ich arbeite sehr langsam, da die Natur sich mir vielgestaltig darbietet und es unablässig gilt, Fortschritte zu machen. Man muss sein Modell gut betrachten und sehr richtig empfinden und sich außerdem noch mit Kraft und Gewähltheit ausdrücken.«141 Diese hohen Forderungen an die eigene künstlerische Arbeit, die Paul Cezanne vor ca. 100 Jahren formulierte, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte künstlerische Schaffen von Gerhard Wienckowski. So ist neben einem bedachtsam abwägenden Formulieren eine vielgestaltige Sicht auf das Thema kennzeichnend für seine Arbeit. Unabhängig davon, ob es sich um Aquarelle, Grafiken oder Zeichnungen handelt und abgesehen davon, wie unterschiedlich auch das schöpferische Herangehen an das jeweilige Sujet sein mag, dieser Künstler gewinnt letztlich allem eine schwerblütig poetische Note ab. So drückt sich in seiner sensiblen malerischen Sprache sowohl bei den Landschafts- als auch bei seinen Porträtdarstellungen nicht allein eine enge Bindung an den darzustellenden Gegenstand aus. Beide Themenbereiche sind durch die Lebens- und Welthaltung des Künstlers unmittelbar aufeinander bezogen. Demzufolge kann man bei den Porträts von Gesichtslandschaften sprechen, während die Natur uns auf seinen Blättern als Landschaftsgesicht in der Vielfalt ihrer Formen entgegentritt.
Die sich in den Arbeiten äußernde Liebe
zum Darstellungsgegenstand und das damit verbundene ursprüngliche
Verhältnis zu ihm erwuchsen aus der unmittelbaren Beziehung zur Mark
Brandenburg mit ihren Seen, Wäldern und den dort ansässigen Menschen. Hier
wurde er im September 1935 geboren und verbrachte die ihn prägenden
Kindheitsjahre. Die künstlerische Haltung seines Lehrers Hans Theo Richter
und dessen Methodik, das Thema auf wesenseigene Grundformen zu
konzentrieren, alles Darzustellende auf seine Körperhaftigkeit hin zu
analysieren und individuelle Details zugunsten einer allgemeinen
menschlichen Aussage hervorzuheben, ließen Gerhard Wienckowski Wesenszüge
und Gemeinsamkeiten mit den eigenen Anliegen entdecken. Die Forderung des
Lehrers nach Gründlichkeit, nach exakter Beherrschung des Zeichnerischen
sollten darüber hinaus zum unverzichtbaren Fundament für die weitere
künstlerische Arbeit werden. Wie ein Schwamm sog Wienckowski optische
Eindrücke auf, um diese später in völlig veränderter Form in sein Schaffen
einfließen zu lassen. Wurde durch den Lehrer Hans Theo Richter die eine
sparsam analytisch kontrollierte Seite seines Empfindungsspektrums
angesprochen, förderte die Welt des böhmischen Barocks gleichsam die
gegenteilige dionysische Gefühlswelt beim Künstler heraus. So nahm ihn in
Prag die in ihrer bis dahin von ihm nie in dieser Art erlebten Farb- und
Formenfülle gefangen. Besonders umfangreich ist das aquarellierte Œuvre
des Künstlers. Seit 1970 entwickelte er hier eine eigenständige
Mitteilungsform, die die lebenszugewandte Ernsthaftigkeit und behutsam
kraftvolle Mentalität ihres Schöpfers widerspiegelt. Von nun an
ermöglichte ihm das Aquarell wie keine andere Technik, neben einer
diffusen Reichhaltigkeit der Palette, transparente Helligkeit sichtbar zu
machen und so den adäquaten Ausdruck für atmosphärisches Geschehen zu
finden. Ohne jede Vorzeichnung oder routinierte Effekthascherei sind alle
Aquarelle direkt vor der Natur oder nach intensivem Einfühlen in das
Modell entstanden. Die Arbeit an verschiedenen Fassungen eines Themas, die
sich meist mit dem gleichzeitig nebeneinander Entstehen mehrerer Sujets
verbindet, leitet sich aus einem für Wienckowski notwendigen Klärungs- und
Reifeprozess ab, aber auch aus der sich wandelnden Sicht und Einstellung
gegenüber dem Gegenstand, was oft nach mehrmaligem korrigierenden
Abwaschen der Blätter zu einer in sich vollendeten gestalterischen Dichte
der transparenten Wasserfarbenblätter führt. In weichen unbestimmbaren
Übergängen und durch die Farbmodulation erzeugter raumgreifender
Körperlichkeit haben sie eine samtartige pastellhafte Wirkung. Diese
stilistische Gemeinsamkeit der Blätter lässt genügend Spielraum für eine
reichhaltige wandlungsfähige Deutung des Menschen und seiner Umwelt. |
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