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In dieser Dunkelheit · 1981 In der Öffentlichkeit ist er als ein sehr eigenwilliger Zeichner und Druckgrafiker bekannt; sein rein malerisches Werk hingegen hat bisher weniger Resonanz erfahren. Ebenso wie dem ebenfalls in Dresden heimischen Andreas Dress (1943) sind ihm die Stadt und ihre Menschen immer wieder Thema. Nicht selten erscheinen die Darstellungen heiter, grotesk sowie humorvoll in einer irritierenden Art und Weise, die schnell umkippen kann in eine unerklärliche Situation des leicht Unheimlichen oder Absurden. Hier geht Grafisches und Malerisches ineinander über – bringen unentschiedene Offenheit ins Bild. Sein Psychologisieren und Deuten gelten sowohl den Akteuren als auch der Landschaft und der Architektur Dresdens. Dessen 1945 fast zu Tode bombardiertes Stadtzentrum ist ihm ein zeitlich-urbanes Kontinuum: es ist amputiert, vernarbt und durch Neubauten lädiert. Tauchen die berühmten Architekturen auf, wie etwa Hofkirche, der Zwinger oder Barockskulpturen auf Balustraden, dann wird der Postkartenblick verdorben von einem dicken Betonklotz, durch das Herannahen eines Neubaublocks oder von einem schwer zu definierenden eckigen Gebilde. Steriles trifft auf Morbides, Straßen zerteilen Häuserblöcke, verlieren sich gen Himmel – geborstene Autobahnen dienen als misslungene Startrampen für Bomber (das war Mitte der Achtzigerjahre in der DDR mehr als nur ein Bildmotiv, das war eine Kritik an der offiziell betriebenen Aufrüstung durch den Ostblock).
Seine Protagonisten tun sich schwer,
sich hier gänzlich niederzulassen. Ihre Augen sehen verängstigt,
erschrocken oder das Weite suchend aus dem Bild heraus, wie auf der
Farblithografie. Die bizarr-irreale Gesamtkonstellation der doppelt
rechteckigen Bildkomposition erinnert an die Trinität (1425/26) von
Masaccio (1401–1428?) in Santa Maria Novella in Florenz. (Masaccio malte
auf einer Wandfläche das erste zentralperspektivische Fresko der Neuzeit.)
Auch Weidensdorfer zeigt im unteren Teil eine liegende Figur (Masaccio
stellte in illusionistischer Manier ein liegendes Skelett auf einem
Sarkophag dar). Darüber gewinnt der Raum an suggestiver, dunkler Tiefe –
Akte, Häuser, Maskenmenschen äugen aus dem Bildschacht heraus. Hier folgt
Weidensdorfer selbstverständlich nicht mehr ikonografisch dem
Frührenais-sancemeister (Gnadenstuhl mit Stifterpaar). Doch gleichfalls
bricht er brachial die Fläche (jetzt nun die des Papiers) auf und
ermöglicht einen Einblick in das schwer zu deutende Geschehen. Was genau
die Menschen dort zusammenbrachte oder zusammenhält, ist nicht auszumachen
– es bleibt rätselhaft. Eins ist jedoch anzunehmen, dass etwas Äußeres sie
in Schach hält, ihre Aufmerksamkeit erfordert, weil es in ihre Welt wie
ein greller Scheinwerfer in einen dunklen Raum einbrach. Welcher Natur
dieses Äußere nun ist – politischer oder banal alltäglicher – oder ob es
sich um die Schimäre Vergangenheit handelt, das lässt der unbequeme
Bilder-Zeichner offen. |
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