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Interieur mit Weinglas · 1985
»Wenn ich in erster Linie für mich
selbst male, dann heißt das nicht, dass ich über die Wirkung auf andere
erhaben bin. Aber ich meine, dass diese Wirkung nicht vorher bestimmbar
ist. Deuten lässt sich vieles, mal nach der einen, mal nach der anderen
Seite. Ein gutes Bild muss einfach sein Geheimnis haben und auch
bewahren.«188
Im Laufe der Achtzigerjahre verschwand
der einstige Tiefenblick auf Meer und Stadt. Seine Lieblingsmotive:
Ateliers, Gründerzeitstraßen, Bars, Kneipen, Theaterräume wurden einer
klaustrophischen Verschachtelung unterzogen. Desorientierung, Bedrängung,
optische Überlagerungen von Raumsituationen und alogischen Proportionen
bedingten irritierende Sichtweisen auf die Diskontinuität von räumlichen
Wahrnehmungen. Bildzitate blenden sich vor Raumsituationen, das Bild im
Bild und Ein- und Ausblicke summieren sich auf der Malfläche zum
spröd-ornamentalen Beisammensein von Schein und Sein, Erfindung und
Findung. Seine Kompositionen wurden zu einem vertrackten, ganz an das
Sehen gebundene Sinnieren über die Begrenztheit von städtischen,
naturhaften und sozialen Räumen. Inventar plus Personal sind eingespannt
in ein komplexes, bühnengleiches Beziehungsgeflecht, welches ihr
»Ausbrechen« verhindert und zugleich vor Störung schützt. Frage: Malte er
Metaphern auf das lethargisch stagnierende Lebensgefühl in der DDR? Oder
sind diese Bilder schlechthin als die existenzielle sowie prinzipielle
Lebenserfahrung des Städters am Ende des 20. Jahrhunderts zu
interpretieren? Letzteres ist wahrscheinlicher, denn es wird nicht
aufklärerisch moralisiert – eine genaue topografische Zuschreibung der
Motive ist selten möglich. Seine Konstellationen sind sehr
verallgemeinernd. Sie visualisieren prinzipielle Wahrnehmungsmuster eines
Stadtmenschen in der sich ihm völlig entfremdenden Stadt. Die ihm noch
zeitlich begrenzt verbleibenden, nur über Bezahlung betretbaren Oasen des
Beisammenseins und der Kommunikation (Kinos, Gaststätten, Theater, Bars,
Bordells) werden hier zu Irrgärten oder zu vielschichtig-flächigen
Fixierbildern. Sein Personal verbleibt im eckig Schemenhaften oder es
gerinnt zu Posen auf das Warten, Verharren, Tanzen, Trinken, Sehen. Aus
dieser produktiven Schaffensphase besitzt das Museum mehrere Ölbilder,
eine größere Anzahl an Druckgrafik und Handzeichnungen. In diesen
Zusammenhang ist die abgebildete Tuschzeichnung einzuordnen. Sie variiert
(wie so oft in seinem Werk) ein Thema (ein Motiv), das in der Malerei
wieder zu finden ist: Menschen in einer Bar. Die scheinbar turbulente
Szene lässt nach längerem Sehen eine gewisse Einsamkeit aller Personen
erahnen – uns wird die Rolle des Voyeurs zugewiesen. |
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