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Liegender Akt mit angezogenen Beinen · 1985 Im Sammlungsbereich Malerei des Museums befindet sich von ihm ein Ölbild »Liegender weiblicher Akt mit aufgestützten Beinen« aus dem Zeitraum 1973/84. Es zeigt das gleiche Motiv wie auf dieser Lithografie. Da die Grafik aus dem Jahr 1985 datiert ist, entstand sie gewiss nach dem Ölbild oder nach einer Skizze bzw. Studie zu diesem. In einem Interview anlässlich seiner Ausstellung 1987 in der Berliner Galerie »Unter den Linden« möchte Hans Lehmann etwas mehr über eben diese, für ihn nicht ungewöhnliche »Motivdopplung« in der Druckgrafik erfahren: »L: Fertigen Sie Skizzen zu den M: Ja, aber nur sehr kleine. Und die sind manchmal nur schwarz-weiß, manchmal aber auch farbig angelegt. Es ist so, dass ich mitunter von einer festen Zeichnung ausgehe und sie dann vereinfache, ein wenig verfremde, oder aber dass ich – sagen wir – aus dem Kopf eine Komposition entwerfe und dafür dann noch zeichne. L: Und daneben entsteht auch noch Druckgrafik… M: …die den Bildern sehr nahe ist. Weil ich sehr flächenhaft arbeite – so ähnlich wie bei der Radierung die Aquatinta ist, so benutze ich ein bisschen die Lithografie. L: Bevorzugen Sie die Lithografie? M: Im Moment ja, aber vielleicht radiere ich auch einmal, allerdings bin ich jetzt noch bei der Lithografie. Das ist für mich ein ganz guter Ausgleich zur Malerei. Gerade wenn ich in der Malerei nicht recht weiterkomme, es gibt ja solche Phasen, dann stürze ich mich auf die Lithografie, denn dort gibt es ja schnelle Ergebnisse. Es macht mir einfach Spaß, mit einer anderen Möglichkeit, mit der reinen Schwarz-Weiß-Möglichkeit, das gleiche Thema anzugehen. Und die Vervielfältigung kommt da in zweiter Linie in Betracht. Ich verwende ja auch nie den Umdruck. Das würde mir nichts geben, denn das meiste spielt sich für mich auf dem Stein selbst ab. Das ist ja gerade das, was mir an der Lithografie gefällt: dass man mit diesem schönen Stein – und Steine haben ja eine wunderbare Ausstrahlung – arbeiten kann.«134
Otto Möhwalds künstlerischer Werdegang
verlief stilistisch in sich nachvollziehbar, ohne starke Brüche oder einem
Modetrend nachtrabend. Nach dem Studium am Künstlerischen Institut für
Wandgestaltung in Halle von 1950 bis 1954 durchläuft er eine
versachlichende expressive Phase. Darauf folgend die Auseinandersetzung
mit einem atmosphärischen, immer lichter werdenden formbetonenden
Impressionismus. Aus dieser Zeit gibt es zwei kleinere Bilder im Museum
mit dem Blick auf die Stadt Halle und die Saale. Ende der Sechzigerjahre
werden die Flächen beruhigter und dichter, die Straßen, Innenräume und
Akte erfahren eine Farb- und Lichttektonik, die alles Anekdotische
herausnimmt. In den Halleschen Straßenzügen, die ohne Menschen auskommen
müssen, jedoch oftmals mit ihrem konkreten Namen bezeichnet werden,
herrscht eine fast zu sehende Stille. Sie besitzt eine feine, neblige
Stofflichkeit, deren hoher Tonwert sich aus dem visuellen Zusammenklang
der Farben ergibt. Diese lautlosen Monologe innerhalb eines Kanons
hochdifferenzierter Formen fordern ein ebensolches, einfühlsames Sehen
heraus. Der reine Informationsgehalt dieser Bilder wurde und wird immer
geringer. Da steht er in den Sechzigerjahren konträr zum krachend lauten
sozialistischen Realismus von Willi Sitte (1921) oder zur
dramatisch-grellen Vergangenheitszähmung des Leipzigers Bernhard Heisig
(1925). Otto Möhwald fühlte sich in seinen suchenden Jahren eher vom
Wollen der Berliner Maler im Umfeld von Harald Metzkes (1929) angeregt und
bestätigt. Die so genannte »Berliner Schule« (verkürzt benannt mit dem
Diktat von »Auge und Hand«, Harald Metzkes) hatte also Auswärtserfolge und
bestärkte einen Maler in seinem einzigartigen Wirken, sich dem Sichtbaren
weiterhin zuzuwenden, ohne sich von ihm vereinnahmen zu lassen. Mit dem
Entschwinden des Alltäglichen und des Oberflächlichen kommt das
Innehalten, die Besinnung, ein Alleinsein ohne melancholische Einsamkeit
auf die Bildfläche. Gerade in der Lithografie steigert die sinnliche
Feinkörnigkeit der schwarzen Kreide die gegensätzlichen, aber nicht
schroffen Eigenschaften vom Licht, Raum und Körper. Ähnlich wie bei einer
unbeabsichtigten fototechnischen Überbelichtung könnte auch hier zuviel
Helligkeit zu einem das Motiv auflösenden Moment werden. Doch der Zeichner
Möhwald überzieht seine sublime Dramaturgie nicht. Er gibt der Figur ein
bodenhaftendes Bei-Sich-Sein und verhindert ihr nihilistisches
Entschwinden aus unserer Massengesellschaft. Denn wie eine anthropomorphe
Felsformation wirkt die leibliche Tektonik des Akts: In eigenwillig
selbstbewusster Körperhaltung wird ein sich Öffnen und ein gleichzeitiges
sich Zurücknehmen zu einem ausharrenden Da-Sein vereint. |
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