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Zum Thema Bett · 1984
1988 wurde eine Ausstellungsreihe
»Werkstatt Junge Kunst Nr.1« mit Arbeiten Walter Libudas in unserem Museum
eröffnet. Ihr Anliegen war, Künstler vorzustellen, die unabhängig von
staatlichen Vorgaben so arbeiteten, dass sich ihr Werk durchaus in das
aktuelle westeuropäische Kunstgeschehen einordnen ließ. Die Reaktion auf
die Ausstellung »Betten«, die Materialobjekte, Bilder und Arbeiten auf
Papier von Libuda zeigte, war sehr vielschichtig. Neben Lob dominierte
Entrüstung. Die Frage, ob Letztere der Tatsache geschuldet war, dass auf
den Darstellungen weder ein klassisch harmonisches Menschenbild herrschte
noch Situationsschilderungen zu finden waren und auch auf das Zitieren von
aktuellen Ereignissen oder das Verkünden von Grundwahrheiten verzichtet
wurde, bleibt offen. Aber auch der Umgang mit dem Thema trug zur
Verunsicherung bei den Betrachtern bei. So scheinen in die Bildwelt des
Heisig-Schülers, wenn auch unbewusst, eine Vielfalt von
Verwendungsmöglichkeiten des Bettes und das mit ihnen in Zusammenhang
stehende Beziehungsgefüge der Befindlichkeit des Menschen eingeflossen zu
sein. Doch damals wie heute wollte der Künstler begreifbar machen, dass
»Bekanntes allein schon durch die Darstellung mit Verständlichkeit
gleichgesetzt«207 wird. In diesem Zusammenhang stellte er fest: »Ich mache
meine Erfahrungen, und als Maler stelle ich vor allem das durch mich
Erfahrene, gewandelt in Bildern, dar. Kunst vermag diese nicht nur zu
bestätigen, sie bringt auch neue Erfahrungen an den Betrachter heran.
Dabei kann viel Ungewohntes sein.«208 Ein konkretes Ereignis, selbst wenn
es die Antriebskraft des Schöpferischen bildet, spielte im Verlauf der
Gestaltung demzufolge bei Libuda immer nur eine untergeordnete Rolle. Es
war und ist die Summe von Erfahrungen und Vorgängen, deren Reflexion in
die Bildlösung einfließt, wobei Existenzfragen durchaus ihre Einbeziehung
erfahren, weil sie das Lebensgefühl des Künstlers mitgeprägt haben. Was er
in dieser oder jener Weise selbst durchlebt hat, ekstatische Freude,
verzehrende Lust oder verletzenden Schmerz, aber auch ein Bedrängtwerden
und ein Bedrücktsein sucht er so mit den Mitteln von Form und Farbe auf
der Leinwand oder dem Papier anschaulich zu machen. Mit expressiver
Leidenschaft setzt Libuda seine Figurengruppen, meist agierend, teilweise
ineinander verschachtelt, in das Zentrum seiner Bildflächen. Dabei geht es
ihm bei seinen stets wiederkehrenden Figurationen weder um
Porträtähnlichkeit noch um das Freilegen psychologischer Wahrheiten. Auch
wird auf jede Schönlinigkeit der Form verzichtet. Alles bleibt in seinen
Darstellungen ungebärdig hingeworfen. Burlesk und zum Teil apokalyptisch
ist die Formensprache, pastos vehement der Pinselduktus. Oft befinden sich
wie auf dem vorgestellten Blatt seine figuralen Gebilde auf instabilen
Fundamenten, auf kasten- oder bettartigen Gestellen, auf defekt gewordenen
Bahren oder vierrädrigen Wagen. Bei allen diesen Darstellungen, die in
einem vitalen Kraftakt entstanden sind, bildet die Farbe den
Ausdrucksträger der Gestaltung. Doch ist sie nie dem realen Abbild
entsprechend auf einen bestimmten Gegenstand bezogen, sondern stets
subjektiv zur emotionalen Nachdichtung vom Künstler benutzt worden. Immer
wieder entstehen Bilder und Gouachen in unterschiedlichen Formaten und
veränderten Flächen- und Farbkonstellationen parallel zueinander und zum
Teil in Verbindung zu Objekten. Das erklärt sich möglicherweise auch
daraus, dass der Künstler das existenzielle Sein komplex sieht und weiß,
dass weder Chaos noch Ordnung, weder der Einzelne noch die Masse separat
existieren und immer aufeinander bezogen bleiben. Auch in den
künstlerischen Genres will und kann er keine Grenzen setzen, was ihn zu
dem Fazit kommen lässt: »Ich merke, dass das alles miteinander zu tun hat,
es gibt keine punktuelle Entwicklung, es sind keine abgrenzbaren Gebiete.
Selbst wenn ich weit zurückblicke auf die Zeit vor dem Studium oder gar in
die Kindheit. Die Vermischung ist für mich die Steigerung, sie ist
zugleich die potenzielle Kraftquelle, mit der ich jetzt lebe.«209 |
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