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Stadtlandschaft mit Mast · 1987 Der Berliner Künstler Wolfgang Leber setzt sich seit ca. 40 Jahren in seinen Gemälden, aber auch im Aquarell und in der Druckgrafik mit dem Thema Stadt auseinander. Ist der Grund hierfür der assoziative Dialog zur baulich-räumlichen Gestaltung von Architektur als Gegenentwurf zur Natur oder eher das atmosphärische Flair einer Großstadt mit ihrer sozialen und künstlerischen Dimension? Angeregt mag er von all dem sein, jedoch besteht der Reiz für ihn in erster Linie darin, ein eigenes Ordnungsgefüge zu entwickeln. So bekennt Leber: »Anhäufungen architektonischer Ratlosigkeiten, verschobener Perspektiven, Überschneidungen oder Lichtreflexe inspirieren zu Bilderfindungen, die sich als ein Gleichnis großstädtischer Existenz darstellen. In ihnen der Mensch, agierend als schemenhafte und namenlose Erscheinung auf einer labyrinthischen Bühne… Die Stadt mit ihren tausendfachen Brechungen und Metamorphosen ist der größte Fundus für einen Maler.«142
Leber schöpft aus der Realität, doch
sein Verhältnis zu ihr entwickelte sich in erster Linie über die Kunst und
ihre Ausdrucksmöglichkeiten. Bereits nach wenigen Jahren seines
Selbstfindungsprozesses hatte er zum existenziell gefassten Thema »Raum
und Figur« ein Gestaltungsspektrum geschaffen, das sowohl seiner
Emotionalität als auch seinem künstlerischen Temperament adäquat ist.
Diese Affinität fand er vor allem in der Kunst der großen französischen
Koloristen des 19. und vor allem 20. Jahrhunderts. Ein luxuriöses
Farbraffinement ebenso wie heitere Unbeschwertheit und das Verlangen nach
Harmonie prägen so auch seine Arbeiten. Als den Dialog zwischen Poesie und
Prosa könnte man das Schaffen dieses Künstlers bezeichnen, bei dem die
Thematik dem Einsatz der Mittel gegenübergestellt wird. Dabei ist es nicht
das synthetische Sehen, sondern der analytische Blick, mit dem er das für
ihn Wesentliche zu gestalten sucht. Wichtig ist dabei für ihn nicht der
Gegenstand als solcher, sondern es sind für ihn die Linien, Formen und
Farben und ihre Beziehung zueinander, aus denen sich der Bildorganismus
zusammenfügt.
Dass die differenzierte Farbdichte auch
Bewegung und Zeit in das Werk transponiert, wird am Aquarell
»Stadtlandschaft mit Mast« besonders deutlich nachvollziehbar. Gerade
Blätter dieser Technik weisen auf die subtile Empfindungsfähigkeit von
Leber hin und machen verständlich, dass das Aquarellieren zu Recht als
»Anfang und Krone aller Maltechnik«144 bezeichnet wird. So setzt es im
Unterschied zur Malerei nicht allein ein schnelles Voranschreiten der
Arbeit voraus, der jeweilige Ausschnitt wie die Komposition und vor allem
das Verhältnis der Farbtöne zueinander müssen ohne Korrektur zu einem
stimmigen Gesamtkonzept zusammengefügt werden. Dass dem Künstler dieses
Zusammenspiel in müheloser Weise auf das Glücklichste gelungen ist, darauf
weisen die Lockerheit des Duktus sowie die darauf bezogene grandiose
Farbsymphonie hin. |
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