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Weiblicher Zivilisationskopf · Blätter I–III · 1982
Claus Hänsel ist Maler, vor allem aber
ist er Zeichner und Fotograf. Diese drei Bereiche gehen in seinem Schaffen
nicht allein symbiotisch ineinander über, sie bereichern und steigern sich
gegenseitig.
Bis zu der Ausreise im Jahre 1984 sind
so über 100 Arbeiten nachweisbar, die auf der Basis der Fotografie
entstanden. Neben Lithografien schuf der Künstler Zinkografien und
Siebdrucke. Doch vor allem sind es Zeichnungen, die durch die Wahl des
Bildausschnitts, den Bildträger und das jeweilige Zeichenmaterial in
Gruppen zusammengefasst werden können. So nutzte Hänsel den Bleistift, die
Feder und den Kugelschreiber, arbeitete mit Tusche und Aquarellfarben auf
Pack-, Japan- und Millimeterpapier. Die rasternde Gliederung stellte dabei
in unterschiedlichster Form den ersten auslösenden Schritt bei der
Orientierung auf der Fläche dar. Auch bei den Zeichnungen von »Weiblichen
Zivilisationsköpfen« ist diese anzutreffen, wird aber durch ein Farb- und
Strichfeuerwerk von zum Teil gebündelten Kugelschreiberlinien umfangen.
Aus unterschiedlich gesetzten Strichbündelungen und Überzeichnungen von
intensiver roter Farbe, die an einigen Stellen durch gelbe Untermalung zum
violett tendiert, schält sich so das weibliche Brustbild heraus. Blaue und
schwarze Strichfragmente skandieren neben gelben und violetten
Tuschflächen die Figur. In einem gleichsam meditativen Akt des Zeichnens
fließt hier Bewusstes und Unterbewusstes, Gesehenes und Gewusstes
miteinander zur Einheit zusammen. Als Ergebnis entstehen Blätter wie
unsere Zivilisationsköpfe I–III, bei denen der Künstler in faszinierender
Nachdrücklichkeit und Frische parallel zum fotografischen Vorbild zu
formulieren versteht. Diese Arbeiten lassen nur allzu deutlich werden,
dass die einengende vormundschaftliche Abgeschlossenheit in der DDR auf
Dauer unerträglich für den Künstler werden musste und die Ausreise aus der
DDR als folgerichtigen Schritt nach sich zog. Doch auch in der
Bundesrepublik angekommen, hielt Claus Hänsel nicht allein an der Figur
als thematischer Aufgabe fest. Vielmehr blieb die Vitalität seiner Bilder,
Zeichnungen und Installationen ungebrochen erhalten, so dass wir auch auf
zukünftige Arbeiten gespannt seien können. |
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