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Sitzender Akt Marina · 1982 Vier Jahre nach seinem Studium 1976 in Berlin-Weißensee näherte er sich über Materialcollagen und der Arbeit mit Super-8-Filmen (u.a. 1978 »Judith und Holofernes«) einer als altmeisterlich bezeichneten Malweise an. Ihre Wurzeln lassen sich bis zurück in die deutsche Renaissance verfolgen. Sie sind zum Beispiel in den Grafiken von Hans Baldung Grien (1484/85–1545) und von Lucas Cranach d.Ä. (1472–1553) auszumachen. Des Weiteren galt und gilt sein großes Interesse der veristischen Phase von Otto Dix (1891–1967) und der sachlichen Handschrift von Christian Schad (1894–1982) und von Rudolf Schlichter (1890–1955). Dieser Erbebezug war zu einem Zeitpunkt außergewöhnlich, als eine neoexpressive Welle die westeuropäische Kunstszene heimsuchte. Denn auch in der DDR wandten sich viele Maler aus seiner Generation einer stark emotional intendierten, polemischen Ausdrucksweise zu. Die große Geste, das Archaische und Emotionale lagen im Trend sowie der Versuch, mittels Penckscher Chiffren Ordnung ins Chaos des Welttheaters zu bringen. Nur die Vertreter der so genannten Leipziger Schule pflegten einen sich ebenfalls nah an der Figur und am Narrativen orientierenden sachlichen Stil. Doch im Gegensatz zu Volker Stelzmann (1940) oder Doris Ziegler (1949) geht er mit seinem fast das Modell sezierenden Blick radikaler und offensiver, ja fast nun schon wieder expressiv vor. Hypernaturalistische weibliche Akte, Porträts von Freunden und Bekannten und Landschaften bestimmen sein Werk.210 Ab und an gesellen sich plastische Arbeiten mit einem mythologischen Bezug dazu.
Zusammen mit den künstlerisch
Gleichgesinnten Rolf Biebl (1951) und Harald Schulze (1952) gründete er im
letzten Jahrzehnt der DDR (1981) die Gruppe Neon Real. Es kam zu recht
spektakulären Gruppenausstellungen und dennoch verfolgte jeder seinen
eigenen Weg. Innerhalb seiner selbstauferlegten formalen Normen, die da
sind: extravagante, beunruhigend schmale Hochformate, eine höchst
manierierte und kulturhistorisch konnotierte Körpersprache, findet Gröszer
zu visuellen Wahrhaftigkeiten. Dabei lässt er den Betrachter teilhaben an
einer aufwändigen, uns unterhaltend inszenierten Konstruktion von
Frauenbildern – um etwas später an deren dramatisch ernüchternden
Dekonstruktion zu arbeiten. Seine »Frauen« sind im grellen Kunstlicht
erstarrt wie der Hofstaat von Dornröschen. Ihre mehr oder wenig höchst
unnatürlich bedeutungsvollen Körperdrehungen warten auf das erlösende
Moment, um wieder zum Leben zu erwachen. Das kann der besagte zweite Blick
erreichen. Doch zunächst gleichen sie erstarrten, bizarren Nachtfaltern in
einem erleuchteten Glaskasten. »So führten die politischen Veränderungen
von 1989/90 nicht zu einem Bruch, sondern spielten mir im Gegenteil
Bildstoff zu. Die ganze Palette gesellschaftlichen Seins ist authentisch,
visuelle Sensation permanent – Glimmer, Glanz und Trivialität
allgegenwärtig. Daran entzünde ich meine Kunst.«211
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