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Zusammenhalt · 1985 Irene Bösch ist sowohl Malerin als auch Zeichnerin. Dennoch kommt dem Aquarell, das seit 1972 eine eigene Werkgruppe bildet, innerhalb ihres Schaffens eine besondere Bedeutung zu. Bei Arbeiten dieser Technik wird die Spezifik ihrer Kunst, die extrem psychisch und existenziell geprägt ist, am nachdrücklichsten erfahrbar. So hat das Aquarellieren, das bei ihr zugleich Selbsterfahrung und Kommunikationsform mit der Außenwelt darstellt, im Laufe der Jahre unterschiedliche Formen der künstlerischen Reflexion angenommen. Obwohl eine Tendenz zur vollständigen Abstraktion erkennbar ist, bleiben Facetten des Realen als Bildsegment immer erhalten. Nicht zuletzt erklärt sich dieser Sachverhalt aus ihrer introvertierten Herangehensweise an die Gestaltung. Irene Bösch bekennt in diesem Zusammenhang: »Bei mir wird alles vom Erleben bestimmt. Meine Arbeit ist gefühlsbetont. Gegensätze aus Spannungen im Leben drücken sich bei mir in Form aus.«167
Gefühlen eine Form zu geben, ihnen eine
Farbe zu verleihen und das Ganze interpretierend in Worte zu fassen, ist
für die Künstlerin ebenso schwer, lustvoll und spannend wie für den
Interpreten ihrer Werke. Nicht zuletzt sind es Titel wie »Schwierige
Begegnung« (1979), »Abschied« (1981) oder »Bedrohnis« (1982), die mögliche
Deutungsvarianten des Betrachters zu bestätigen vermögen. Aber auch ohne
diese hinweisende Benennung wird allein durch die Formensprache, verbunden
mit der jeweiligen Farbigkeit der Aquarelle, die »Befindlichkeit« der
Künstlerin erkennbar. Aus dieser speist sich das Gestaltungsschwergewicht,
welches auf verletzlicher Dissonanz und spannungsvollem Zwiespalt basiert.
Dennoch unternimmt Irene Bösch immer wieder von neuem eine Gratwanderung
zwischen Klassischem, d.h. dem maßvoll Ausgewogenen, von Spannungen
Erlösten, in klarer Gesetzmäßigkeit sich Darstellenden und dem gegenteilig
Antiklassischen. Vielleicht ergibt sich gerade hieraus die schmerzvolle
Grundstimmung ihrer Aquarelle. |
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