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Ruth Wolf-Rehfeldt (1932), Berlin

 

Gedruckte Schrift ist sachlich betrachtet nichts Anderes als eine Aneinanderreihung von Zeichen auf einer Fläche. Erst die kollektive Vereinbarung über ihre Bedeutung ergibt die Basis ihrer Lesbarkeit. Dabei werden die einzelnen Buchstaben in einen semantischen Kontext des Weltlichen und des Gedanklichen gestellt. Sie erhalten eine der Kommunikation dienende Funktion. Einige Künstler (u. a. Hugo Ball (1886 – 1927), Kurt Schwitters (1887 – 1948)) versuchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts diesen Zusammenhang zu negieren und Buchstaben, Worte und Sätze ohne pragmatischen Verweisbezug zu nutzen. Daheraus entwickelte sich nach 1945 die Bewegung der konkreten und visuellen Poesie. In der DDR entstanden zum Beispiel im abgelegenen Annaberg-Buchholz Carlfriedrich Claus feinnervige Sprachblätter. Weniger bekannt sind die ebenso einmalig dastehenden Schreibmaschinengrafiken der Ost-Berlinerin Ruth Wolf-Rehfeldt. Sie konzentrierte sich beim Maschinen-schreiben vor allem (es  gibt auch von ihr Textgrafiken) auf die Tasten für Kommas, Punkte, Striche, Semikolons und Klammern. Sie entwickelte in langwieriger Arbeit sachlich-poetische Konstrukte, die spielerisch mit dem geometrischen Formengut umgehen.

Abb.:  Konstruktive Figuration
1980, Zinkografie; Blattgröße: 29,7 x 21,5 cm; Bildgröße: 20,5 x 16,4 cm; erworben 1989, Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)


| 1932 geboren in Wurzen | 1947 – 1950 Lehre als Industriekaufmann | 1950 Umzug nach Berlin | ab 1951 Studium an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät, anschließend Studium der Philosophie | 1954 Bekanntschaft/Heirat Robert Rehfeldt, Arbeit in der Ausstellungsabteilung der Akademie der Künste der DDR | Anfang der 70er Jahre Entwicklung ihrer Schreibmaschinengrafik (Typewritings), Teilnahme an der Mail Art | lebt und arbeitet in Berlin


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TENDENZ ABSTRAKT - 22.08.2010 - 10.10.2010

 

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