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RATHAUSHALLE / FESTSAAL
13.03.2005 - 01.05.2005

MEINE WELT
 
5. BIENNALE

Arbeiten von geistig Behinderten, Psychiatrieerfahrenen und Outsidern aus Deutschland
- Malereien, Arbeiten auf Papier, Gedichte, Plastiken und Installationen -
Ein Projekt des Wichernheims Frankfurt an der Oder e.V. und des Museums Junge Kunst


Aus über dreihundert eingesendeten Bildmappen oder Einzelfotos fiel die Auswahl auf 35 Teilnehmer. Sie kommen aus bekannten Städten wie Köln, Berlin, Kassel, Münster, Göttingen, Kiel, Lutherstadt Eisleben, München oder weniger bekannten wie Riedstadt, Rickling, Kleinmachnow, Kempten, Bernau (bei Berlin), Regen oder Herrenberg. Sie leben  in Kliniken,  in   Heimen,  werden   beraten  und  betreut

durch soziale Stationen oder verbringen ihre meiste Zeit allein oder  im Kreis der Familie  und haben ganz  unterschiedliche Voraussetzungen für  ihre Arbeitsbedingungen. Doch gemeinsam ist ihnen die schöpferische Gabe und das Getriebensein, ihre innere oder äußere Welterfahrung sichtbar zu machen. Wie bisher wird seitens des Pro-jektes  kein Thema  vorgegeben und  es werden auch keine Preise oder wertende   Hierarchien  verteilt.  Wie  zu  erwarten,  war  die  Anzahl der

höchst  eigenwilligen  Bilder  von  der sichtbaren Welt  da  draußen und von dem unsichtbaren Seelenchaos da drinnen viel zu hoch, als dass alle in dieser Ausstellung gezeigt werden konnten. Deshalb musste eine Auswahl nach rein künstlerischen Kriterien erfolgen. Dabei ging es weder um die Bebilderung einer Behinderten- oder Krankengeschichte noch um die Dokumentation von Gestalttherapie. Und nicht wenige Einsender die diesmal nicht dabei sein konnten, erhielten den schriftlichen Hinweis, dass sie sich unbedingt wieder für die kommende Biennale in Frankfurt (Oder) bewerben sollten.

Wie in den ab 1997 organisierten Biennalen sind diese authentischen und eigenwilligen Bilder, Plastiken, Installationen, Collagen und ebenso Gedichte überhaupt nicht in eine stilistische Kategorie einzuordnen. In den fast dreihundert Werken begegnen uns unter anderen surreale Seelenpein, naiv-farbprächtige Porträts sowie dekorative Landschaftsschilderungen, expressive Psychogramme auf heraufziehende Ängste, hoch akkurat gezeichnete Ornamente, naturalistische Popstarinterpretationen und Protokolle traumatisierender Kindheitserlebnisse. Versponnenes, Groteskes sowie Heiteres prallen auf Dunkles, Verwirrendes und Schmerzhaftes. Das Leben in all seinen Schattierungen prägt ihre Empfindungen scheinbar unmittelbar und ohne Vorwarnung. Der von uns mühsam aufgepinselte soziale und illusionäre Lack auf die kalt und menschenverachtend wirkenden Konsum- und Leistungsgesellschaft erfährt eine unwiederbringliche Beschädigung.

Diese in Deutschland einmalige Biennale bildet eine Plattform für Arbeiten, deren Ursprünge in der Seele, in den Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und in verdrängten Gefühlen zu finden sind. Im heutigen Betriebssystem Kunst fehlt augenscheinlich dieser Aspekt fast vollständig. Als großer, offener Rahmen für diese Kunstäußerungen werden gern die Begriffe von der Outsiderart, von der Art brut (Jean Dubuffet) oder von einer zustandsgebundenen sowie authentischen Kunst oder ähnliche Etikette verwendet. Sie versuchen ein Phänomen des unmittelbaren (?) Schöpferischen zu umreißen, das seit dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts nicht nur Künstler und Fachleute in  den  Bann  gezogen   hat.  Denn  hier  entsteht  etwas,  das der französische  Maler  und  Kunstsammler  Jean Dubuffet in den Vierzigerjahren mit  den  Begriffen  des  Antikünstlerischen und  des nicht  Professionellen zu beschreiben versuchte. Seitdem haben sich die Theorien weiter entwickelt und der Blick ist viel differenzierter geworden. Schon längst ist diese Kunst zum Stammgast im Betriebssystem Kunst geworden und dennoch bleibt sie ein geheimnisvolles Ereignis. Die Biennale Meine Welt in der Spätrenaissancehalle sowie in dem hochgotischen Festsaal des Museums Junge Kunst in Frankfurt (Oder) bietet die Gelegenheit, sich diesem zu stellen.

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Kurator: Armin Hauer
Organisation: Renate Witzleben

In der Ausstellung sind vertreten:
Christian Bartosch, Berlin; Miriam Bondy, Berlin; Christel Bratz, Berlin; Paul Damczok, Berlin;
Mike Dannenberg, Kleinmachnow; Sylvana Engel, Berlin; Annemarie Espig, Lauter;
Jürgen Franke, Lohr am Main; Erwin Ludwig Fuß, Riedstadt; Holger Gröschler, Regen; Manfred Henke, Warburg; Annerose Kettl, Straubing; Roland Klotz, Kassel; Susanne Klümpel, Köln; Andreas Kurz, Sehnde-Köthenwald;
Edmund Krengel, Cochem/Mosel; Michaela Lehnert, Warburg; Hubert Lucht, Cochem/Mosel;
Goswin Moosbauer, Tann/Rhön; Norbert Nebel, Lutherstadt Eisleben; Reiner Neumann, Bernau;
Heinz-Ulrich Röckmann, Münster (gest. 2004); Oliver Rinke, Berlin; Robert Picker, Hannover;
Wolfgang Sawinsky, Morsbach; Gabriele Schatzler, Hermsdorf; Frank Schmitt, Berlin;
Hans Schuldes, Gremsdorf; Jörn Stein, Willebaldessen; Serge Vollin, München; Sabine Welsch, Berlin;
Alfred Wilkens, Rickling; Margit Zimny, Landshut; Karin Zutavem, Herrenberg

Gefördert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg gemeinsam mit der Sparkasse
Oder Spree und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11.00 bis 17.00 Uhr

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