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Michael Voll (1948), Frankfurt (Oder)

 

Michael Voll studierte Architektur und arbeitete viele Jahre in diesem Beruf. In seinen Bildern spürt man das, denn dort setzt er sich mit den Gefahren der ausufernden Besiedlung und mit der damit einhergehenden Zerstörung von Natur auseinander. In akribischer, spitzpinseliger Feinarbeit entwickelte er surreal fiktive Stadtpläne, auf denen Straßen und Häuserfluchten wie bösartige Flechten das Umland befallen. In diesem Kontext seiner tendenziellen Zivilisationskritik ist höchstwahrscheinlich der übermannshohe Turm zu sehen. Er ist mit den Prinzipien der seriellen Kunst aufgebaut, bei denen sich einfache Quantitäten zu komplexer Qualität wandeln können. Unterschiedlich große runde Pappscheiben werden aufeinandergelegt – ab dem oberen Drittel wandeln sie sich zu Vierecken, um schließlich in einem roten Quadrat den Turm zu bekrönen. Man konnte sich hier den Turm zu Babel vorstellen, also die alttestamentarische Metapher auf die Hybris des Menschen, der seine ihm von Gott gesetzten Grenzen zu überschreiten versucht. Auch sind andere Lesarten möglich, so wie es häufig bei einem Kunstwerk ist, das abstrahierend immer noch Reste des Realen in sich trägt.

Abb.:  Turm
1997, Pappmaché; 220 x 105 cm; Leihgabe Galerie Witzleben, Petersdorf, 1997; Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)


| 1948 geboren in Berlin | 1963 – 1967 Lehre als Betonfacharbeiter | 1968 – 1972 Studium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar | 1972 – 1979 Architekt | seit 1979 arbeitet und lebt in Frankfurt (Oder)


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TENDENZ ABSTRAKT - 07.02.2010 - 25.04.2010

 

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