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RATHAUSHALLE / FESTSAAL
Marktplatz 1
07.02.2010 - 25.04.2010

TENDENZ ABSTRAKT
MALEREI, OBJEKTE, GRAFIKEN
aus der Sammlung des Museums Junge Kunst

Karl-Heinz Adler (1927), Horst Bartnig (1936), Matthias Geitel (1962), Hermann Glöckner (1889 – 1987),
Rainer Görß (1960), Eberhard Göschel (1943), Jürgen Gustav Haase (1947), Kathrin Harder (1969),
Jörg Herold (1965), Veit Hofmann (1944), Günther Hornig (1937), Matthias Jackisch (1958), Jörg Jantke (1952),
Max Lachnit (1900-1972), Manfred Luther (1925), Wilhelm Müller (1928 – 1999), Hermann Naumann (1930),
Maren Roloff (1964), Gil Schlesinger (1931), Helmut Senf (1933), Strawalde (d. i. Jürgen Böttcher) (1931),
Erika Stürmer-Alex (1938), Inge Thiess-Böttner (1924 – 2001), Dieter Tucholke (1934 – 2001),
Michael Voll (1948), Falko Warmt (1938), Olaf Wegewitz (1949), Eva-Maria Wilde (1972),
Ruth Wolf-Rehfeldt (1932), Willy Wolff (1905 – 1985)

Für Informationen über die Künstler/innen und ihre Werke auf die Namen klicken

Am 18. April 2010 um 15.00 Uhr kostenlose Führung in der Ausstellung Tendenz abstrakt

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Am 25. April 2010 um 15.00 Uhr Konzertlesung in der Ausstellung Tendenz abstrakt


Strawalde (d. i. Jürgen Böttcher) (1931), Berlin, Dschungelstück, 1991, Öl auf Leinwand, 170 x 130 cm, erworben 1991; Foto: Bernd Kuhnert, Berlin

Erika Stürmer-Alex (geb. 1938, Wriezen), Lietzen, Brucherde, 1978, Latex, Erde, Holz, Glasfaserstoff,
173 x 127 cm, erworben 1990; Foto: Bernd Kuhnert

Die Sammlung wurde 1965 gegründet und ihr Schwerpunkt lag  bis 1990 auf Kunst aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und aus  der DDR. Ab 1990 gelangten Werke aus der Bundesrepublik und aus Polen (Druckgrafik) in den Bestand. Die Arbeiten sind von unterschiedlicher Stilistik, das bedeutet, dass sich hier ebenso Positionen des „Gegenstandslosen“ befinden, die man mit dem etwas vagen Begriff der abstrakten Kunst charakterisieren kann. Damit sind unter anderem  Werke der konstruktiven, der konkreten, der abstrahierenden, der minimalistischen oder  der informellen  Kunst gemeint. Seit 1991 stellt das Museum keine Dauerausstellung mehr vor. Dafür wird jedes Jahr unter einem anderen Aspekt eine neue Exposition konzipiert und in diesem Jahr widmen wir uns  diesen abstrakten Tendenzen.

Gil Schlesinger (1931), München, o. T., 1981,Tusche auf Packpapier,120x80 cm,
erworben 2002; Foto: W. Mausolf, Ffo.

Manfred Luther (1925 - 2003), Dresden, cogito ergo sum,
II (I - III),1990/1992, Mischtechnik auf Papier, 60 x 50 cm, erworben 1992; Foto: Bernd Kuhnert, Berlin

Die abstrakte Kunst wurde, wie überhaupt jede Form der Kultur, im Kalten Krieg (1945 – 1990) zwischen den kapitalistischen und kommunistischen Weltmächten  (USA-UdSSR/ West-Ost) politisch instrumentalisiert.  Sie galt in den Fünfzigern im Westen als  die „Weltsprache der Kunst“  – und somit als Inbegriff der absoluten Freiheit in der bürgerlichen Demokratie. Abstrakt zu arbeiten geriet in dieser Zeit zu einem „ungeschriebenen“ Diktat, die Figuration wurde  als veraltet, als postfaschistisch oder kommunistisch kontaminiert gedeutet. Anders im politischen Ostblock. Seitens der Sowjetunion  kam es zur Verordnung des sozialistischen Realismus (Formalismusdiskussion um 1950), als die linientreue Malweise für Künstler in der DDR. Wer abstrakt arbeitete, konnte als Staatsfeind diffamiert werden. Die Künstler gerieten so in Ost und West in das Joch der  tagespolitischen Polemik. Nichts desto nahmen auch in der DDR Künstler den produktiven Dialog mit der gegenstandlosen Kunst auf. Nicht selten kam es dabei zu Behinderungen seitens des Staates.

Maren Roloff (1964), Berlin, Matthias,um 2000,
Gummi, Metall, 360 x 69 cm, erworben 2003;
Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)

Eva-Maria Wilde (1972), Berlin, Türme, 2002/2003, verschiedene Materialien, Turm 1: 200 x 35 x 35 cm,
Turm 2: 270 x 45 x 45 cm, Schenkung der Künstlerin

 

keine Ansichtsvergrößerung möglich

Jörg Herold (1965), Leipzig, Absolutes Medium, 1992, Gips, Plastik, Metall,
300 x 300 cm, erworben 1992; Foto: Bernd Kuhnert, Berlin

Doch diese Ausstellung geht weit über den Zeitraum der DDR-Existenz hinaus und zeigt bis in die unmittelbare Gegenwart hinein die visuelle und geistige Vielfalt des Arbeitens mit „ungegenständlichen“ Formen.  Es wird ersichtlich, dass die einstige politisch-kulturelle Polemik des „Entweder – Oder“ (es war auch immer eine scharf geführte Polemik zwischen den einzelnen Künstlern)  heute  an motivierender und demotivierender Kraft verloren hat. Von den vorgestellten 29 Künstlern mit ihren rund 100 Kunstwerken beschäftigen sich einige von ihnen ausschließlich mit geometrischen Formen oder mit einer nicht abbildhaften  Formensprache. Andere wiederum haben nur Werksphasen, in denen nichts mehr Gegenständliches auftaucht. Weiterhin gibt es Konzeptionen, zu denen ein stetes Wechseln zwischen Gegenständlichem und Ungegenständlichem  gehört oder die Sprache so gewählt wird, dass sie eine  Idee ästhetisch am effizientesten repräsentiert. Gewiss ließen sich noch anderer Fassetten aufzählen, doch ein gutes Kunstwerk lässt sich nicht in formale Schubladen stecken und strebt nach Entgrenzung des Bekannten.

keine Ansichtsvergrößerung möglich

Günter Hornig (1937), Dresden, ohne Titel,1992,Acryl auf Leinwand, 160 x 200 cm, 3 Objekte, Holz, polychrom,
142 x 70 x 70 cm / 142 x 97 x 50 cm / 157 x 50 x 46 cm, erworben 1992; Foto: Bernd Kuhnert, Berlin

 

keine Ansichtsvergrößerung möglich

Hermann Glöckner (1989 - 1987), Dresden, Zwei ineinander verklammerte Scheiben, 1959/60,
Holz, Tempera, 20 cm, erworben 1994; Foto: Bernd Kuhnert, Berlin

 

Text / Kurator: Armin Hauer

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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