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Christine Stäps (1940), Grambow-Charlottenthal

 

Der helle Hintergrund auf den drei ausgestellten Zeichnungen verstärkt den Eindruck des Bedeutsamen dieses Augenblicks: eine Tochter zeichnet das Gesicht ihrer alternden Mutter. Für die Künstlerin ist es ein zutiefst persönlicher Moment, für den Betrachter schafft sie ein allgemeingültiges Memento mori - und das  in einer gesellschaftlichen Zeit, die den Tod und die physische Hinfälligkeit verdrängt und sich das Altern nur als unternehmungslustiges Altsein vorstellen will.   Die Porträtierte scheint uns nicht wahrzunehmen,  mehr nach innen als nach außen zu hören und zu „sehen“. Ihre markante Nase, ihr großes Ohr und die über das rechte Ohr gelegten Haare sind fast  skulptural hervorgehoben. Die individuellen Züge  sind  noch zu spüren, dennoch werden die uns äußerlich entindividualisierenden  Kräfte des Alterns  siegen - auch das feminine Aussehen wird gegen das maskuline „getauscht“. Auf dem dritten Blatt  hat dieser Prozess bereits dem Gesicht der Mutter  einen männlichen Ausdruck gegeben.

Christine Stäps steht mit diesen einfühlsamen und sogleich sachlich „dokumentierenden“ Zeichnungen in der Dresdner Zeichentradition eines veristischen  Realismus von  Otto Dix oder von Oskar Kokoschka (1886 – 1980).

Abb.:  Porträt der Mutter II, 1982, Bleistift auf Papier; 29,6 x 20,9 cm, erworben 1982, Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)


| 1940 geboren in Burkau | 1960 – 1966  nach Beendigung der Oberschule Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden u.a. bei Rudolf Bergander | 1966 – 1983 freischaffend in Schwerin tätig | 1983 Umzug nach Grambow Charlottenthal | dort freischaffend tätig |


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BLICKE und GESTEN - 05.06.2011 - 16.10.2011

 

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