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Monika Geilsdorf (1949), Wiederitzsch bei Leipzig

 

Dieses Selbstbildnis könnte kurz nach dem Studiumabschluss entstanden sein. Denn alles weist auf ein Selbstbewusstsein der Malerin hin, die nun  handwerklich gewappnet der  Welt gegenüber steht, um sie zu bannen und sich in der „Männerwirtschaft“ der Leipziger Malerei einen Platz zu erarbeiten. Die Raumsituation erinnert an den nüchternen Blick in das „Malgehäuse“ des Romantikers Caspar David Friedrich, wie es auf dem Bild aus dem Jahr  1819 von Georg Friedrich Kersting (1785 – 1847) dargestellt wurde (Alte National-galerie Berlin).
In ihrem Selbstporträt sind ebenso das Handwerkszeug ihres Berufsstandes und ihr Arbeitsort, in dem für die damalige Leipziger Schule typisch zeichnerisch neusachlichen Stil aufgezählt: Fenster (Licht), Staffelei, Malstock, Farbtuben, nüchterner Raum. Die Malerin rückt sich wie in einem Renaissancebild bis an den Bildrand heran, so, als wenn sie aus einem Bildfenster  herausschaut und den  Betrachter  distanziert  beobachtet, ausge-

stattet mit den Accessoires einer emanzipierten  Frau: hochmodisch gelbes Plastikbrillengestell, Pagenkopf (Mireille Mathieu Frisur?), rotes, achselfreies Unterhemd  und in der  rechten Hand eine nicht qualmende Zigarette – und etwas versteckt lugt ein goldener Ring am rechten Ringfinger hervor.

Abb.:  Selbstbildnis, 1976, Mischtechnik auf Hartfaser; 51,8 x 38,8 cm, erworben 1979, Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)


| 1949 in Aue (Sachsen) geboren; Lehre als Bauzeichnerin | 1970 – 1975  Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig | lebt und arbeitet in Wiederitzsch |


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BLICKE und GESTEN - 05.06.2011 - 16.10.2011

 

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