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Die traditionellen
Deutungsmuster zum Leidensweg und Erlösungstod Christi versagen hier.
Dennoch tangiert die sechsteilige Gruppe den Kontext von Werden und
Vergehen, Leid und Schmerz. Diese Wesen bilden aus sich heraus die
Komplexität eines Seins. Das Woher und Wohin erstarrt im Jetzt, im Dunklen
wie im Lichten. Seidels Figurenfindung, ihre morbide Oberfläche und
zugleich keimende Körperlichkeit entspricht einer intuitiv-stringenten
Arbeitsmethode. In einem ungewöhnlich schnellen Arbeitsprozess werden Gips
und Eisenspäne auf ein metallenes Grundgerüst aufgetragen. So entstand ab
Mitte der Achtzigerjahre ein unübersehbares Heer schemenhaft stehender und
gehender Zwitterwesen. In seinen Figurentyp fließen sowohl Erfahrungen des
ritualisierten Entschwindens eines Alberto Giacometti und die Beuyssche
Fragilität und Spiritualität ein. |
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Kreuzigung – Frankfurter Gruppe,
1989/90, Gips,
Eisenspäne, Eisenplatten, Holz; insgesamt:300 × 500 × 600 cm; erworben
1990, Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder) |