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zum Jahresprogramm |
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PACKHOF DES MUSEUMS
30.01.2005 - 20.03.2005 |
TREMEZZA VON BRENTANO (1942), Köln
MEDIENBLAU
Bilder der
Mediengesellschaft - Malerei |
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zur Biografie der
Künstlerin Tremezza von Brentano |
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Bildimpressionen von der
Eröffnung der Ausstellung am 30. Januar 2005 |
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Eröffnungsrede zur
Ausstellung Medienblau - Bilder der Mediengesellschaft , am 30.
Januar 2005 |
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"Für meine Zukunft sehe ich
blau", lautet die Werbebotschaft einer Versicherungsfirma, die täglich
über unsere Bildschirme flimmert und auf Bussen und Bahnen montiert an uns
vorbeisaust. Eine gute Nachricht, denn viele von uns sehen für die Zukunft
momentan schwarz. Doch die Werbung mit dem jeweils klar kalkulierten
Verkaufsziel kann uns nur mit positiven Botschaften motivieren, mit etwas,
an dem wir Anteil haben wollen. Es wird uns suggeriert, "dass jeder seines
Glückes Schmied ist" und Glück, auch beruhend auf Sicherheit und
Zufriedenheit, letztlich käuflich sind. Man will unser Bestes, und was das
ist, ist klar definiert. Es ist unbestritten unser Geld. Doch andererseits
muss man eingestehen, dass ganze Industriezweige von unseren Wünschen
leben. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn zum einen werden zur
scheinbaren Befriedigung unserer Hoffnungen Unmengen von Arbeitsplätzen
geschaffen, was unbestritten notwendig ist, und andererseits sind wir
mündige Bürger. Wir können selbst entscheiden, was wir tun und kaufen und
was nicht. Alles hat eben seine zwei Seiten. |
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Rosa Kleidung mit
drei Rehen,
2001, 160 x 180 cm, Öl |
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Mit fliegenden Hunden,
2001, 100 x 120 cm, Öl |
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So lügt der Sicherheit
versprechende Werbespott "Für meine Zukunft sehe ich blau" durchaus nicht,
denn die schöne, junge makellos wirkende Frau, die hier abgebildet ist,
sieht unbestritten durch die blau gefärbten Gläser ihrer Sehhilfe. Warum
sieht sie nicht durch die rosarote Brille, wie der Volksmund
umgangssprachlich die Sichtweise der Verliebten zu umschreiben pflegt?
Rosarot mag momentan die Modefarbe sein, aber Blau, das haben die
Werbestrategen und Medienspezialisten längst erkannt, hat Langzeitwirkung
und ist darüber hinaus geschichtsträchtig. Bereits die Romantiker wussten
ihre Sehnsüchte und Zukunftsvisionen durch die Blaue Blume auszudrücken.
Und auch noch heute zählt Blau bei über 40% der Männer und Frauen in
Europa und Amerika zu deren Lieblingsfarbe. Ungebrochen ist diese mit
positiven Assoziationen besetzt, wird mit Zuversicht, Wohlbefinden und vor
allem Vertrauen gleichgesetzt. Banker und Politiker tragen zu öffentlichen
Anlässen gerne Blau, auch wenn gerade bei diesen Berufsständen die Farbe
kaum noch das gewünschte Ergebnis erzielt. Dennoch wird mit ihr eine kühle
Ferne, die zugleich ungemein anziehend wirkt, suggeriert. Das wissen
Reiseunternehmen ebenso wie die Zahnpasta- und Hautcremehersteller.
Tremezza von Brentano, die die Medien- und Werbestrategien nachhaltig
studiert und analysiert hat, nutzt das Erkannte für ihre Bildstrategien.
In der uralten Technik der Malerei arbeitend, die immer wieder durch neue
technische Erfindungen totgesagt wurde, weist sie auf deren Lebendigkeit
und Aussagevielfalt hin. |
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Liegende -
Fragment, 2003, Öl |
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Bauchfrei - Fragment,
2003, Öl |
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Rauchende - Fragment,
2003, Öl |
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Bereits der Titel unserer
Ausstellung: "Medienblau, Bilder der Mediengesellschaft" macht mit der
Thematik ihrer Arbeiten vertraut und wie Sie sehen, kommt in den
ausgestellten Gemälden der Farbe Blau eine besondere Bedeutung zu. Doch
nicht allein die Besonderheit der farbpsychologischen Wirkung wird von
Brentano hinterfragt. Vielmehr ist es der hiermit in Zusammenhang stehende
Mythos Schönheit, mit dem sich die Künstlerin facettenreich
auseinandersetzt. Nicht nur Frauenzeitschriften verkünden ihn. Längst ist
Schönheit über ein Statussymbol hinausgehend zum Evangelium einer neuen
Religion geworden. Dieses Glaubenssystem ist gegenwärtig so mächtig, wie
es einst die traditionellen Kirchen waren. Keiner von uns vermag sich ihm
zu entziehen. Sei es nun die Faltenkrem oder die Wellnessfarm, die
inzwischen auch Männer gern besuchen, der Schlankheitstee oder die
Schlankstützstrumpfhose, das Haartönungsmittel oder der push-up BH ,
Jugend-Fitness und Schönheitswahn fordern ihren Tribut. Bis hin zu den
Körper- und Gesichtsschnitten der Schönheitschirurgie reicht das
umstrittene Spektrum, welches Brentano malend thematisiert. "Gestrafft,
entschlackt, geliftet - die Deutschen auf dem Trip in die Larven
Gesellschaft" stellte bereits der Spiegel in seiner Augustausgabe 1992
fest. Doch nicht allein von dieser realen medizinischen Schnitttechnik
künden ihre Gemälde. Auch die Figurenan- und -ausschnitte sowie Körper und
Gesichtsfragmente wählt die Künstlerin, der Werbung vergleichbar, für ihre
Gestaltungen. Hinzu kommt die Momentanität der eingefrorenen Gestik, die
die genormten Akteure, wie Klone aus der Retorte wirken und agieren lässt.
Das führt dazu, dass das Geschehen auf ihren Bildern im Vergleich mit den
Fotografien in den Hochglanzmagazinen noch unwirklicher, gleichsam surreal
wirkt. Doch die Künstlerin beurteilt das Gesehene nicht, sie gibt es
wertungsfrei wieder. Ihre Malerei bestätigt geradezu den Ausspruch Oscar
Wildes, der feststellte: "Nur oberflächliche Menschen urteilen nicht nach
dem äußeren Schein. Das wahre Geheimnis der Welt ist das Sichtbare, nicht
das Unsichtbare." Das wir dennoch die Widersprüchlichkeit dieser normiert
fremdbestimmten Existenzen vor Augen geführt bekommen ist letztlich nicht
auf den Inhalt, sondern auf die Form ihrer Bilder zurückzuführen. Da bei
deren Oberflächengestaltung die Handschrift der Malerin im Unterschied zu
den Medien nicht getilgt ist, wird die Fragwürdigkeit der
heraufbeschworenen Mythen optisch nachvollziehbar. So wird der Botschaft:
Nur wer sich diesem Jugend-Fitness- und Schönheitswahn unterzieht ist
erfolgreich, wird geliebt und ist glücklich, Kauflust verhindert
Lebensfrust durch die Realität ihrer Bilder widersprochen. |
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Kuratorin/Text: Prof. Dr.
Brigitte Rieger-Jähner |
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Zu der Ausstellung
"MEDIENBLAU" erscheint ein Katalog ! |
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Öffnungszeiten: Dienstag
bis Sonntag und an Feiertagen von 11.00 bis 17.00 Uhr |
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