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Der Hallesche Bildhauer ist mit seinen
Holzskulpturen und Holzschnitten unter dem Titel MORTELS AND MONSTERS in
den Räumen des PackHofes zu Gast. Sterbliche und Ungeheuer also sind das,
die uns hier in Gestalt von Säbelzahntigern, Fledermauswesen, Kängurus,
Teufelsgestalten und Wilden Männer begegnen. Auf uns wirken sie ein wenig
verstörend, denn sie sind physisch stark präsent und erzeugen eine
Atmosphäre des bizarr Wilden, vielleicht sogar die des animalisch
Triebhaften. Dennoch attackieren sie uns nicht wirklich, obwohl die
zweiköpfigen Säbelzahntiger ihre Reißzähne zeigen und bärtige Männer ihre
Pistolen in den Raum halten. Sieht man sie sich intensiver an, ist die
leicht ironische Darstellungsweise des Bildhauers zu spüren; oftmals sind
die Monster mit dem Holzstamm verwachsen und somit in ein Nirgendwo
verbannt. Sie verkörpern vielmehr Gesten und Haltungen, als dass sie
in Aktion sind und ihr Umfeld angreifen. Ihre seltsam archaische und
sogleich naturalistische Erscheinung erinnert an etwas Tatkräftiges, an
etwas „Womögliches“. Es wird ihr Wesenhaftes „angehalten“ und wie im
Märchen warten sie auf ein Zauberwort, um zu reißen, zu erschrecken, zu
zerstören – kurz, um unsere Ahnungen und Vorstellungen vom evolutionären
Kampf der unkontrollierten Triebe auszuleben. Sind die verdrängten,
abgründigen Ängste, Hoffnungen und Gelüste die in unserem kollektiven und
im individuellen Unbe-wussten lauern, der Zauberstab für die Erlösung
dieser Geschöpfe aus ihrer Starre und unsere Blicke bringen dann ihre
Erweckung? Sind ihre Triebe das absolut Böse an sich, das Vernichtende –
oder eher das in uns hausende Streben eines Überlebenswillen, dem
schließlich egal ist, mit welchen Energien er sich durchsetzen kann? |
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Headshrinker 2009,
Pappelholz,
Höhe: 175 cm,
Foto: Jan Thomas |
Companion 2009,
Pappelholz,
Höhe: 175cm,
Foto: Inka Meißner |
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Skeletor, 2008,
Pappelholz,
180cm x 70cm x 50 cm,
Foto: Björn Siebert |
Man on horseback 2009,
Pappelholz,
Höhe: 184 cm,
Foto: Jan Thomas |
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Seine Hybriden aus Realismen,
mittelalterlichen Bildprogrammen und Alliendesign haben Verwandte und
Gleichgesinnte in der Vergangenheit und Gegenwart. Diese sind in den
christlichen Höllendarstellungen, in Märchen und Mythen zu Hause und
agieren heute quicklebendig in Fantasy- und Sciencefictionfilmen, in
Computerspielen, im Spielzeugregal der Kinder, im Bilderkanon und in den
Posen von Metal Bands, in obskuren Satanszirkeln, in den Tattoo-studios,
in unseren Träumen und in den Beichten auf der Couch des
Psychoanalytikers. (Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen.)
Das heißt: der Chor der Bedrohungen lauert immer und überall, er wandelt
nur seine Erscheinungsform. Im “Wildpark“ zum Beispiel
klettern verhüllte Kämpfer mit Maschinenpistolen die Wände hoch. Dort
hängen schon Burkabartköpfe gleich unheimlichen Trophäen und
ein Knabe dirigiert den Tiger. (Der Knabe wiederum tritt uns auch als
Einzelfigur auf einem schwarzen Sockel mit dem geheimnisvollen Titel
„Vokuhila“ gegenüber. Der bedeutet ironisch profan „Vorne kurz und hinten
lang“ und steht für einen Haarschnitt,
speziell für Männer, aus den Achtzigerjahren.)
Diese Säbelzahntiger tauchen in den Szenarien immer wieder
auf. Sie sind für den Künstler so etwas wie das Selbstopfer
der Evolution, da sie wohl zu stark bewaffnet
waren, um sich den wandelnden Umweltbedingungen anzupassen und schließlich
ausstarben. Wiederum andere Motivgruppen aus seinem umfangreichen
bildhauerischen Werk könnten einem entfesselten Labor eines modernen
Frankensteins entsprungen sein, so rätselhaft und absonderlich sind diese
Menschen und Tiere mit euterartigen Auswüchsen. |
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Wildpark 2005/06,
Pappelholz, Maße variabel, Foto: Nikolaus Brade |
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In den vorgestellten Holzschnitten nimmt
Jan Thomas unmittelbar Bezug auf die Zeichnungen von Sandro
Botticelli (1415 – 1510) zur „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri
(1265 – 1321). Besonders interessiert er sich für die Teufels- und
Fabelgestalten, die voller Leichtigkeit Gebärden des Bedrohens und
des Malträtierens einnehmen. Aus dem bildnerischen Kontext herausgelöst
werden sie zu emblematischen Zeichen. Sie behaupten sich an ihrem, ihnen
zugewiesenen Ort der Hölle und erfüllen so eine Mission, die im
christlichen Weltenplan notwendig ist. |
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o.T., 2008, Holzschnitt
auf Japanpapier,
40cm x 50 cm, Foto: Jan Thomas |
o.T., 2008, Holzschnitt
auf Japanpapier,
40cm x 50 cm, Foto: Jan Thomas |
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o.T., 2008, Holzschnitt
auf Japanpapier,
40cm x 50 cm, Foto: Jan Thomas |
o.T., 2008, Holzschnitt
auf Japanpapier,
40cm x 50 cm, Foto: Jan Thomas |
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(Wir erinnern uns, dass Luzifer der
„Oberteufel“ vor seinem Sturz in die Hölle ein Engel in
unmittelbarer Nähe Gottes war, nun in der Unterwelt sein eigenes Reich
aufbaute und im Plan Gottes seinen Platz hat.) Ab und an
zeigen Satan, Luzifer und Beelzebub oder wie sonst die
Höllengestalten bezeichnet werden, in den Holzskulpturen ihre
Hörner oder Tierhufe. So gemahnen sie, gewissermaßen incognito,
an das Höllenreich, das wiederum im christlichen Sinne ein Ort des ewigen,
qualvollen Lebens ist. In anderen Mythen, wie zum Beispiel im
Altägyptischen oder im Buddhistischen, kann die Unterwelt ein Ort des
Durchgangs oder der Katharsis für die zu prüfende Seele des Verstorbenen
sein. Daraus ergibt sich vielleicht die Frage, welcher Ort ist dann
ein Ausstellungsraum, in dem wir den Dienern und Wächtern der Unterwelt,
es kann auch die Unterwelt unseres Seelenhaushaltes sein,
gegenübertreten? Die Antwort kann wohl nur der Betrachter ahnen,
wenn er spürt, dass unser zwanghaft kontrollierter Vitalitätshaushalt sich
gern diesen anderen Seiten nähert, wissend und unwissend zugleich. |
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o.T., 2008,
Holzschnitt auf Japanpapier,
40cm x 50 cm, Foto: Jan Thomas |
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Text / Kurator: Armin
Hauer |
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