|
|
|
Eröffnung der Ausstellung am
16. Juli 2009 um 18 Uhr |
 |
EINLADUNG |
|
|
|
 |
|
|
|
Elzbieta Jabłońska (1970),
Ist Dein Geist voller Güte?, 2002; Neonröhreninstallation, 60 x 250 cm
|
|
|
|
|
Basia Bańda (1980), Zielona Góra; Grzegorz Bednarski (1954), Krakow;
Bettina Bereś (1958), Kraków;
Radosław Czarkowski (1966), Zielona Góra; Jacek Dluzewski (1966), Kraków; Ryszard Górecki (1956), Berlin; Grupa Sędzia Główny
– Karolina Wiktor (1979), Warschau; Aleksandra Kubiak (1978), Warschau;
Magdalena Gryska (1965), Zielona Góra; Elzbieta Jabłońska (1970), Bydgoszcz;
Paweł Jarodzki (1958), Warschau; Maria Kiesner (1976), Warschau; Grzegorz Klaman (1959), Gdańsk;
Paulina Komorowska-Birger (1965), Zielona Góra;
Jarosław Kozłowski (1945), Poznań
Zofia Kulik (1947), Warschau; Przemysław Kwiek (1945), Warschau; Natalia LL (1937), Warschau;
Przemysław Matecki (1976), Warschau; Jarosław Modzelewski (1955), Warschau;
Jadwiga Sawicka (1959), Przemyśl; Zbigniew Sejwa (1952), Gorzów Wlkp.;
Mikołaj Smoczyński (1955), Lublin; Leszek Sobocki (1934), Kraków;
Supergruppe Azorro – Oskar Dawicki (1971), Warschau;
Wojciech Niedzielko (1959), Warschau; Igor Krenz (1959) Warschau;
Łukasz Skąpski (1958) Krakow;
Gruppe Twożywo – Mariusz Libel (1978), Warschau; Krzysztof Sidorek
(1976), Warschau; Aleksandra Waliszewska (1976), Warschau; Grzegorz Wnęk (1974), Krakow,
Ryszard Woźniak (1959), Warschau |
|
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Galerie BWA Zielona Góra und
dem Verein Lubuska Zacheta für Gegenwartskunst Zielona-Góra |
|
|
|
|
 |
 |
|
Ryszard Górecki (1956),
Berlin
Widerstand, 2005, Öl, Leinwand |
Radoslaw Czarkowski,
(1966),
Zielona Góra,
Begrab mein Herz zum ersten Mal, 2003, Acryl, Leinwand, Objekt |
|
|
|
|
Die Arbeiten wurden aus Mitteln des
nationalen Kulturprogramms „Znaki Czasu – Zeichen der Zeit“ des
Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen sowie der
Stadtverwaltung Gorzów Wlkp., der Wojewodschaft Lubuskie und der
Stadtverwaltung Zielona Góra gekauft. |
|
Positionen
Im Jahr 2005
gründete sich in Zielona Góra ein recht ungewöhnlicher Kunstverein, dessen
Absicht es ist Gegenwartskunst zu sammeln. So etwas ist eigentlich Aufgabe
der Kunstsammlungen, seien es nun private oder staatliche. Jedoch diese
Konstellation des Vereins, dessen Mitglieder unter anderem auch Künstler
und vor allem Kunstinteressierte sind, ist so ausgerichtet, dass er sich
den jüngsten und wohl auch ab und an umstrittenen Positionen widmen kann.
Hier greifen Bürgersinn und Kunstverstand, gepaart mit dem Blick für das
Zukünftige, fast zeitgleich in den aktuellen Schaffensprozess ein. Wir
entdecken zum Beispiel die subversiv-erotischen Bildercollagen der
neunundzwanzigjährigen Basia Bańda sowie die postfeministischen Äußerungen
des Künstlerduos Gruppe Sędzia Główny. Wir sehen ihren spektakulären
Auftritt in einer polnischen Kultursendung, bei der die Zuschauer anrufen
konnten und den Künstlerinnen sagten, was sie vor laufender Kamera zu
machen hätten; z.B. sich bewegen, Lieder singen, sich an – oder ausziehen
und so weiter. Die Grenzen zwischen Klamauk und Erniedrigung wurden
ständig in dieser oder jener Richtung überschritten. Die Gruppe Azorro,
sie war vor ein paar Jahren zu Gast im PackHof, stellt die provokante
Frage: „Darf ein Künstler alles?“.
Das sind aktuelle Positionen der Performance, aber es ergibt sich auch der
Blick auf zwei, heute schon als klassisch feministisch zu bezeichnenden
Positionen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Es sei auf die erotisch
brüskierenden Fotodrucke „Consum art“ von Natalia LL (Lach-Lachowicz)
verwiesen und auf das schmale, politisch hintergründige Fotoornament mit
Patronen, Schädeln und nacktem Mann von Zofia Kulik. Natalie LL setzt
ihren Leib im Kontext eines internationalen Feminismus als Medium ein, um
Macho- und Konsumklischees zu demontieren. Zofia Kulik arbeitet seit
Jahren mit den Insignien der europäischen Diktaturen und fügt sie mit den
ebenfalls zum Ornament sich krümmenden Männern und Frauen, zu
frappierend-schockierenden Puzzles einer menschwerdenden Entmenschlichung
zusammen. |
|
 |
 |
|
Paulina
Komorowska-Birger, (1965),
Zielona Góra,
Schreibmaschine, 2005, verschiedene Techniken |
|
 |
|
Pawel Jarodzki,(1958), Warschau,
Satz I, 2005/2006, Mischtechnik |
Zofia Kulik, (1947),
Kollonade - Mondschädel,
1995, Fotografie |
|
|
Generell werden in dieser
Ausstellung auf unterschiedlichen Weisen die Beziehungen des Einzelnen zur
diktatorischen Gesellschaft, zur diktierenden Kultur und zum Anderen
hinterfragt und mal mehr oder weniger symbolträchtig ausgelotet. Am
irritierenden ist wohl die postromantische Installation von Radosław
Czarkowski „Begrab mein Herz zum ersten Mal“; ein halbiertes Herz in
Formaldehyd wird vor einem großen Bild postiert, auf dem blutrot
Herzformen seriell gedruckt sind. Weniger dramatisch geht es in dem
rätselhaft allegorischen Bild des figurativen Malers Grzegorz Wnęk „Der
Künstler kommt in der Dämmerung“ zu. Der Maler trägt die Attribute eines
verkleideten Schlachters und steht vor einer halb geöffneten Tür, vor der
zwei abgetrennte Schweinepfoten liegen. Sachlich und unaufgeregt dagegen
widmen sich zum Beispiel Bettina Bereś der Poesie der scheinbar banalen
Dinge und Jarosław Kozłowski setzt zwei unterschiedliche Stuhl- und
Schrankteile mittels Klebstreifen zusammen. Die wirken wie schlecht
genähte Operationsnarben und halten zusammen, was nicht zusammen gehört.
Lapidarer und sogleich ironisch codiert nutzen zum Beispiel Ryszard
Górecki, die Gruppe TWOŻYWO oder Maria Kiesner Motive aus den Printmedien.
Hier wird der Zusammenhang neu definiert oder radikal negiert. Auf dem
Bildgrund offenbaren sich dann gestalterischer Sinn und semantische
Doppelbödigkeit zu einem ganz eigenen Hinterfragen unserer bild- und
zeichenhaften Wahrnehmung. Im Kontext einer textbezogenen Konzeptart ist
die Pyramide – „Nichts für mich“ aus Pappquadern von Jadwiga Sawicka zu
entziffern. Die Worte NIE (NEIN), MA (HABEN) oder NIC(NICHTS) ergeben
einen widerspruchsträchtigen Un-Sinn, der gleich einem Kinderspiel einen
tieferen Realitätsbezug offenbart, als man auf den ersten Blick vermutet. |
|
Armin Hauer |
|
|
|
 |
 |
 |
|
Zofia Kulik |
links: Zofia Kulik,
Mitte: Leszek Sobocki, rechts: Basia Banda
3 Fotos: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder) |
Grzegorz Wnek |
|
|
|
|
 |
 |
|
Azorro,
(Oskar Dawicki (1971), Wojciech
Niedzielko (1959), Igor Krenz (1959),
Łukasz
Skąpski
(1958), Warschau,
Darf ein
Künstler alles?, 2002, Video |
Maria Kiesner,
(1976),Warschau,
Kulturhaus, 2006, Acryl, Leinwand |
|
|
Der Verein
„Lubuska Zachęta Sztuki Współczesnej“ |
|
Der Verein
entstand 2005 und setzte sich zum Ziel, moderne polnische Kunst bekannt
zu machen und eine Kunstsammlung aufzubauen. Mittels der Hilfe des
Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe entstanden im Land
Kunstsammlungen, die aus dem Nationalen Kulturprogramm „Znaki Czasu“ –
„Zeichen der Zeit“ finanziert wurden. Dieses beispiellose Projekt
ermöglichte es, 15 Sammlungen zu schaffen, die differenzierte und
prägnante Sichtweisen auf die polnischen Kunst der letzten 20 Jahre
ermöglichen.
Bei der Gründung
von „Lubuska Zachęta Sztuki Współczesnej“ gab es zu bedenken, dass es
schon in der Wojewodschaft Lubuskie zwei Museen gibt, in deren Sammlungen
die moderne Kunst eine wichtige Rolle spielt. Das eine ist das Jan
Dekert-Museum in Gorzów Wlkp und es steht in der Rechtsnachfolge des „Arsenał”.
Es zeigt die Geschichte der polnischen Nachkriegskunst als eine Geschichte
der künstlerisch-ästhetischen Befreiung von den ideologischen und formalen
Kunstdoktrin des sozialistischen Realismus. Die andere Einrichtung ist das
Museum des Lubusker Landes in Zielona Góra. Es sammelt unter anderem
Arbeiten, die bei den Ausstellungen „Złote Grono“ - „Goldene Traube“ und
der Biennale der Neuen Kunst“ gezeigt wurden. Das waren Ausstellungen, die
sich dem aktuellen Schaffen der Künstler seit den Sechziger- bis hin zu
den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts widmeten.
Nun
möchte die Sammlung des Vereins einerseits die Sammlungslücken in den
beiden Museen schließen, aber andererseits will sie ein eigenständiges
Sammlungsprofil entwickeln. Letzteres gelingt dadurch, dass die erworbenen
Kunstwerke prägnante, und zum Teil provokante Positionen auch innerhalb
der jungen Generationen beinhalten. Dabei ist das kritisch produktive
Verständnis der Künstler wesentlich, die sich mit den traditionellen (u.a.
Malerei, Zeichnung) und modernen Medien (Video) auseinandersetzen.
Aktuelle Tendenzen werden aufgenommen und es wird zudem versucht, ältere
Werke zu erwerben, die in der polnischen Kunstgeschichte schon einen
festen Platz haben. So vermittelt zum Einen die Sammlung wesentliche
Positionen aus vierzig Jahren polnischer Kunstgeschichte und zum Anderen
geht der Blick in das Heute einer vitalen Kunstszene. |
|
Wojciech Kozlowski / Übersetzung Bettina Horn |
|
Zum Vergrößern der
Bildansichten und Schließen der geöffneten Fenster auf das Bild klicken |
|
|
|
Texte: Armin Hauer/Wojciech Kozłwoski
,
Kurator
Wojciech Kozłwoski |
|
|