zum Jahresprogramm


Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Galerie BWA Zielona-Góra
und dem Verein für Gegenwartskunst Lubuska Zach
ęta Sztuki Wspó
łczesnej

PACKHOF DES MUSEUMS
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Str.11
16.07.2009 - 20.09.2009

POSITIONEN DER POLNISCHEN GEGENWARTSKUNST
Malerei, Grafik, Fotografie, Installation

Aus der Sammlung des Vereins für Gegenwartskunst Lubuska Zachęta Sztuki Współczesnej

Eröffnung der Ausstellung am 16. Juli 2009 um 18 Uhr

EINLADUNG


Elzbieta Jabłońska (1970), Ist Dein Geist voller Güte?, 2002; Neonröhreninstallation, 60 x 250 cm

Basia Bańda (1980), Zielona Góra; Grzegorz Bednarski (1954), Krakow; Bettina Bereś (1958), Kraków;
Radosław Czarkowski (1966), Zielona Góra; Jacek Dluzewski (1966), Kraków; Ryszard Górecki (1956), Berlin; Grupa Sędzia Główny – Karolina Wiktor (1979), Warschau; Aleksandra Kubiak (1978), Warschau;
Magdalena Gryska (1965), Zielona Góra; Elzbieta Jabłońska (1970), Bydgoszcz;
Paweł Jarodzki (1958), Warschau; Maria Kiesner (1976), Warschau; Grzegorz Klaman (1959), Gdańsk;
Paulina Komorowska-Birger (1965), Zielona Góra; Jarosław Kozłowski (1945), Poznań
Zofia Kulik (1947), Warschau; Przemysław Kwiek (1945), Warschau; Natalia LL (1937), Warschau;
Przemysław Matecki (1976), Warschau; Jarosław Modzelewski (1955), Warschau;
Jadwiga Sawicka (1959), Przemyśl; Zbigniew Sejwa (1952), Gorzów Wlkp.; Mikołaj Smoczyński (1955), Lublin; Leszek Sobocki (1934), Kraków; Supergruppe Azorro – Oskar Dawicki (1971), Warschau;
Wojciech Niedzielko (1959), Warschau; Igor Krenz (1959) Warschau; Łukasz Skąpski (1958) Krakow;
Gruppe Twożywo – Mariusz Libel (1978), Warschau; Krzysztof Sidorek (1976), Warschau; Aleksandra Waliszewska (1976), Warschau; Grzegorz Wnęk (1974), Krakow, Ryszard Woźniak (1959), Warschau

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Galerie BWA Zielona Góra und
dem Verein Lubuska Zacheta für Gegenwartskunst Zielona-Góra

 

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Ryszard Górecki (1956), Berlin
Widerstand, 2005, Öl, Leinwand

Radoslaw Czarkowski, (1966), Zielona Góra,
Begrab mein Herz zum ersten Mal, 2003, Acryl, Leinwand, Objekt

Die Arbeiten wurden aus Mitteln des nationalen Kulturprogramms „Znaki Czasu – Zeichen der Zeit“ des Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen sowie der Stadtverwaltung Gorzów Wlkp., der Wojewodschaft Lubuskie und der Stadtverwaltung Zielona Góra gekauft.

Positionen
Im Jahr 2005 gründete sich in Zielona Góra ein recht ungewöhnlicher Kunstverein, dessen Absicht es ist Gegenwartskunst zu sammeln. So etwas ist eigentlich Aufgabe der Kunstsammlungen, seien es nun private oder staatliche. Jedoch diese Konstellation des Vereins, dessen Mitglieder unter anderem auch Künstler und vor allem Kunstinteressierte sind, ist so ausgerichtet, dass er  sich den jüngsten und wohl auch ab und an umstrittenen Positionen widmen kann. Hier greifen Bürgersinn und Kunstverstand, gepaart mit dem Blick für das Zukünftige, fast zeitgleich   in den aktuellen Schaffensprozess ein. Wir  entdecken  zum Beispiel die subversiv-erotischen Bildercollagen der neunundzwanzigjährigen Basia Bańda sowie die postfeministischen Äußerungen des Künstlerduos  Gruppe Sędzia Główny. Wir sehen ihren spektakulären Auftritt in einer polnischen Kultursendung, bei der die Zuschauer anrufen konnten und den Künstlerinnen sagten, was sie vor laufender Kamera zu machen hätten; z.B. sich bewegen, Lieder singen, sich an – oder ausziehen und so weiter. Die Grenzen zwischen Klamauk und Erniedrigung wurden ständig  in dieser oder jener Richtung überschritten. Die Gruppe Azorro, sie war vor ein paar Jahren zu Gast im PackHof, stellt die provokante Frage: „Darf ein Künstler alles?“.
Das sind aktuelle Positionen der Performance, aber es ergibt sich auch der Blick auf zwei, heute schon als klassisch feministisch zu  bezeichnenden Positionen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Es sei auf die erotisch brüskierenden Fotodrucke  „Consum art“  von Natalia LL (Lach-Lachowicz) verwiesen  und auf das schmale, politisch hintergründige Fotoornament mit Patronen, Schädeln und nacktem Mann  von Zofia Kulik. Natalie LL setzt ihren Leib im Kontext eines internationalen Feminismus als Medium ein, um Macho- und Konsumklischees  zu demontieren. Zofia Kulik  arbeitet seit Jahren mit den Insignien der europäischen Diktaturen und  fügt sie mit den ebenfalls zum Ornament sich krümmenden Männern und Frauen, zu frappierend-schockierenden  Puzzles einer menschwerdenden Entmenschlichung zusammen.

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Paulina Komorowska-Birger, (1965), Zielona Góra,
Schreibmaschine, 2005, verschiedene Techniken

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Pawel Jarodzki,(1958), Warschau,
Satz I, 2005/2006, Mischtechnik

Zofia Kulik, (1947),
Kollonade - Mondschädel,
1995, Fotografie

Generell werden in dieser Ausstellung auf unterschiedlichen Weisen die Beziehungen des Einzelnen zur diktatorischen Gesellschaft, zur diktierenden Kultur  und zum Anderen hinterfragt und mal mehr oder weniger symbolträchtig ausgelotet.  Am irritierenden ist wohl die postromantische Installation von Radosław Czarkowski  „Begrab mein Herz zum ersten Mal“; ein halbiertes Herz in Formaldehyd wird vor einem großen Bild postiert, auf dem blutrot Herzformen seriell gedruckt sind. Weniger dramatisch geht es in dem rätselhaft allegorischen Bild  des figurativen Malers  Grzegorz Wnęk „Der Künstler kommt in der Dämmerung“ zu. Der Maler trägt die Attribute eines verkleideten Schlachters und steht vor einer halb geöffneten Tür, vor der zwei abgetrennte  Schweinepfoten liegen. Sachlich und  unaufgeregt dagegen widmen sich  zum Beispiel Bettina Bereś  der Poesie der scheinbar banalen Dinge und Jarosław Kozłowski  setzt zwei unterschiedliche Stuhl- und Schrankteile mittels  Klebstreifen zusammen. Die wirken wie schlecht genähte Operationsnarben und halten zusammen, was nicht zusammen gehört.
Lapidarer und sogleich ironisch codiert nutzen zum Beispiel  Ryszard Górecki, die Gruppe TWOŻYWO oder Maria Kiesner Motive aus den Printmedien. Hier wird der Zusammenhang neu definiert oder radikal negiert. Auf dem Bildgrund offenbaren sich  dann gestalterischer   Sinn und semantische Doppelbödigkeit  zu einem ganz eigenen Hinterfragen unserer bild- und zeichenhaften Wahrnehmung. Im Kontext einer textbezogenen Konzeptart ist die Pyramide – „Nichts für mich“  aus Pappquadern von Jadwiga Sawicka zu entziffern. Die Worte   NIE (NEIN), MA (HABEN) oder  NIC(NICHTS) ergeben einen widerspruchsträchtigen Un-Sinn, der gleich einem Kinderspiel einen tieferen Realitätsbezug offenbart, als man auf den ersten Blick vermutet.

Armin Hauer

 

Zofia Kulik

links: Zofia Kulik, Mitte: Leszek Sobocki, rechts: Basia Banda
3 Fotos: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)

Grzegorz Wnek

 

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Azorro, (Oskar Dawicki (1971), Wojciech Niedzielko (1959), Igor Krenz (1959), Łukasz Skąpski (1958), Warschau,
Darf ein Künstler alles?, 2002, Video

Maria Kiesner, (1976),Warschau,
Kulturhaus, 2006, Acryl, Leinwand

Der Verein „Lubuska Zachęta Sztuki Współczesnej“

Der Verein entstand 2005 und setzte sich zum Ziel,  moderne polnische Kunst bekannt zu machen und eine Kunstsammlung aufzubauen. Mittels der Hilfe des Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe entstanden im Land Kunstsammlungen, die aus dem Nationalen Kulturprogramm „Znaki Czasu“ – „Zeichen der Zeit“ finanziert wurden. Dieses beispiellose Projekt ermöglichte es, 15 Sammlungen zu schaffen, die differenzierte und prägnante Sichtweisen auf die  polnischen Kunst der letzten 20 Jahre ermöglichen.
Bei der Gründung von „Lubuska Zachęta Sztuki Współczesnej“  gab es zu bedenken, dass es schon in der Wojewodschaft Lubuskie zwei Museen gibt, in deren Sammlungen die moderne Kunst eine wichtige Rolle spielt. Das eine ist das Jan Dekert-Museum in Gorzów Wlkp und es steht in der  Rechtsnachfolge des „Arsenał”. Es zeigt die Geschichte der polnischen Nachkriegskunst als eine Geschichte der künstlerisch-ästhetischen Befreiung von den ideologischen und formalen Kunstdoktrin des sozialistischen Realismus. Die andere Einrichtung ist das Museum des Lubusker Landes in Zielona Góra. Es  sammelt unter anderem Arbeiten, die bei den Ausstellungen „Złote Grono“ - „Goldene Traube“ und der Biennale der Neuen Kunst“ gezeigt wurden. Das waren Ausstellungen, die sich dem aktuellen Schaffen der Künstler seit den Sechziger- bis hin zu den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts widmeten.
Nun möchte  die  Sammlung des  Vereins einerseits die Sammlungslücken in den beiden Museen  schließen, aber andererseits will sie ein eigenständiges Sammlungsprofil entwickeln. Letzteres gelingt dadurch, dass die erworbenen Kunstwerke prägnante, und zum Teil provokante Positionen auch innerhalb  der jungen Generationen beinhalten. Dabei ist das kritisch  produktive Verständnis der  Künstler wesentlich, die sich mit den traditionellen (u.a. Malerei, Zeichnung)  und modernen Medien  (Video) auseinandersetzen. Aktuelle Tendenzen werden aufgenommen und es wird zudem versucht, ältere Werke zu erwerben, die in der polnischen Kunstgeschichte schon einen festen Platz haben.  So  vermittelt zum Einen die Sammlung wesentliche Positionen aus vierzig Jahren polnischer Kunstgeschichte und zum Anderen  geht der Blick in das Heute einer  vitalen Kunstszene.

Wojciech Kozlowski / Übersetzung Bettina Horn

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Texte: Armin Hauer/Wojciech Kozłwoski , Kurator Wojciech Kozłwoski


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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