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Im heutigen Kunstbetrieb
stehen die Skulpturen von Friedemann Grieshaber wie geheimnisvolle, stumme Fremdlinge
da. Versuchen viele seiner Altersgenossen mittels diskursiver Strategien
Bilder anhand von Bilder zu machen, greift er auf elementare
bildhauerische, bzw. architektonische Wesensmerkmale zurück.
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Sein gelassenes
Durchdeklinieren der summarischen Morphologie eines Hauses, einer Stele,
eines Turmes oder die Darstellung der unterschiedlichen kubistischen
Abstraktionsstufen menschlicher Figur machen seine
Betonskulpturen oder ebenso die Eisengüsse zu mimetisch-minimalistischen,
raumbeanspruchenden Zeichen. Sie können entfernte Anregungen aus den
rhythmisierten, magisch-kulthaften afrikanischen Holzskulpturen beziehen,
eine Affinität zur kubistisch-metaphysischen Sprache von
Constantin Brancusi entwik-keln oder sich an einem frei
interpretierten, minimalistischen Formen- |
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vokabular orientieren. Immer
wieder ruhen diese Skulpturen in einer verinnerlichten, zeitlosen
Blockhaftigkeit und erscheinen vertraut nah, um sogleich auf auratische
Distanz zur turbulenten Gegenwärtigkeit zu gehen. Ihrer Proportionierung liegt die menschliche Gestalt als Bezugsgröße zugrunde,
und alles, was auf eine formale Redseligkeit oder gar Geschwätzigkeit
hinweisen könnte, wird getilgt. Das für die Bildhauerei recht
ungewöhnliche Material Beton erhält mal eine poröse, graustufige und
weißfleckige Rauheit, dann wiederum wird die Mischung aus Kies, Zement und
Wasser derart gegossen, dass die Oberfläche ein wenig wie die von Emaille,
unterkühlt-nobel wirkt. Dadurch erfährt die Winkligkeit und
Vieransichtigkeit eine gewisse Dramatisierung. In diesem Zusammenhang
gesehen, verleiht das Warmrostig-braune Äußere der Eisengüsse den Formen
geradezu Weichheit sowie eine verletzliche Körperhaftigkeit.
Friedemann Grieshaber, geboren in Ravensburg/Württemberg, schloss eine
Steinmetzlehre ab und arbeitete bis zu seinem Bildhauerstudium in
diesem Beruf. Zunächst lernte er an der Staatlichen Akademie der
bildenden Künste in Stuttgart um an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee
und danach an die Hochschule der Künste nach Berlin zu wechseln. Unter anderen waren
Micha Ullman, Lothar Fischer und Rebecca Horn seine Lehrer. |