08.02.2004 - 23.05.2004

PACKHOF DES MUSEUMS

zur Biografie von René Graetz

René Graetz
(1908-1974), Berlin
Plastiken,
Zeichnungen

Menno Fahl
(1967), Berlin
Reliefs,
Objekte,
Malerei

zur Biografie von Menno Fahl

Weitere Informationen über Menno Fahl unter www.menno-fahl.de oder www.galeriedietrich.de

und weitere Informationen über René Graetz finden Sie unter www.artgraetz.com

In loser Folge wird das Museum jeweils zwei Künstler in einer Ausstellung vorstellen. Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten könnten aus zwei ästhetischen Monologen ein Dialog über Generationen hinweg ermöglichen. Zum einen werden dadurch die stilistischen Eigenheiten voneinander abgegrenzt und zum anderen ist eine visuelle Interaktion zwischen den Positionen beabsichtigt.

Eröffnet wird dieses Projekt mit prägnanten Plastiken und Zeichnungen des 1974 verstorbenen René Graetz und mit den verhalten expressiven, poetischen Arbeiten des in Berlin lebenden Menno Fahl (Jahrgang 1967). Beide gehören vollkommen unterschiedlichen Generationen an, können sich also gar nicht begegnet sein. Hinzu kommt, dass Menno Fahl bisher weder den Künstler René Graetz noch dessen Werk kannte. Und dennoch gibt es in ihrer Grundhaltung einige Bezugspunkte, die eine grundsätzliche Dissonanz verhindern. Bei beiden existiert das Grundvertrauen in die authentische Aussagekraft von bildnerischen Mitteln, sie zweifeln nicht an der sinnstiftenden Macht der Kunst. Ihre Formsprache changiert zwischen Figuration und den sich vielfach wandelnden Abstraktionsgraden.

René Graetz kam 1946 aus der englischen Emigration nach Ostberlin zurück. Davor führte ihn sein Lebensweg unter anderem nach Italien, nach Südafrika und nach Kanada. Er war weitestgehend ein künstlerischer Autodidakt, dessen hochinteressantes Lebenswerk leider in den letzten Jahren in Vergessenheit geriet. Vielleicht bewirkt diese Gemeinschaftsausstellung ein neuerliches Interesse an seiner Kunst. In seiner an Picasso und Henry Moore geschulten spätkubistischen Stilistik entwirft er Metaphern auf Frieden und Krieg, Schönheit und menschliches Leid. Aus seiner Spätphase in den frühen siebziger Jahren sind vier Hauptwerke aus der Werkfolge der „Upright Figures" zu sehen. Turbulent dynamische   Zeichnungen  geben  das große  Thema

der  Gefährdung  des Friedens auf  der Welt durch den Grundkonflikt zwischen den großen kapitalistischen und sozialistischen Machtblöcken. In der DDR beteiligte er sich an vielen Ausschreibungen für öffentliche Aufträge, doch nur wenige fanden eine Umsetzung in den Gedenkstätten und im Stadtumfeld. Seine wohl bekannteste Arbeit ist das von seinem Freund Arno Mohr 1974 beendete Bild zum Thema Frieden im Palast der Republik (heute befindet es sich im Deutschen Historischen Museum Berlin).

Menno Fahl studierte u.a. von 1988-92 in Kiel an der Muthesius Hochschule. Anschließend wurde er Meisterschüler (1994-1997 Hochschule der Künste) beim einstigen SPUR-Mitglied Lothar Fischer in Berlin. Fahl montiert aus Holzfundstücken Reliefs und freie Objekte zu skurril-vertrauten Wesen. Kräftige Farbsetzungen neben den witterungsbedingten Holztönungen vertiefen die Räumlichkeit dieser fragilen Gebilde und schaffen so eine objek-

tive Präsenz der Farbklänge im Raum. Auch in seiner Malerei und in den unzähligen Zeichnungen auf Papier erstehen Kunst- Welten, die irgendwo zwischen fabulierender Unschuld und menschenähnlichen Traumwesen angesie-delt sind. Vor allem in den großen Bildtafeln entfalten die verhalten leuchtend haptischen Farbflächen ihren sanften Tiefensog. Sie lösen die rationale Raumkontinuität ins Irrationale auf. Vorder- und Hintergrund existieren nicht mehr, sie sind ein imaginäres Feld des ewig  Existenten. Seine rätselhaft  vertrau-

ten,  fastarchaischen   Figurationen geben harmonische Klänge und Rhythmen vor, die fernab des Sichtbaren in unsichtbare Weiten führen. Das Unbewusste und dessen Verknüpfungen mit dem ästhetisch Ausbalancierten dringen tief in die Bereiche unserer Sehnsüchte, Träume und Wünsche vor. Eine märchenhafte Leichtigkeit und eine malerische Noblesse lassen schnell die Mühen des Weges dorthin vergessen. Es stehen uns verheißungsvoll-sehnsüchtige Wesen aus einer Welt gegenüber, in der es noch unverdorbene Seelen gibt und es vielleicht ein von vielen Zwängen freies Da-Sein geben könnte. Ein Neubeginn ist möglich.

Fotos: H.-Peter Maihold

Armin Hauer

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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11.00 bis 17.00 Uhr

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