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PACKHOF DES MUSEUMS
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Str.11
03.10.2010 - 09.01.2011

CHRISTIAN WEIHRAUCH
(1966),
LEIPZIG

VAGABUNDEN - ZEICHNUNG

Eröffnung der Ausstellung am 03.10.2010 um 11 Uhr im PackHof


In den letzten Jahren ist in der Kunst ein Trend zum großen Ölbild  zu beobachten. In diesem Kontext, insbesondere im Leipziger, fallen schon rein formal und technisch gesehen die Zeichnungen von Christian Weihrauch auf. Sie könnten leicht im Bilderreigen großer Gesten übersehen werden, denn sie sind  kleinformatig und fordern zum intensiven Sehen auf. Dabei offenbart sich uns Christian Weihrauch als ein  fabulierender Zeichner, der   sich  auf ein Abenteuer einlässt wenn er mit dem Setzen der ersten Striche beginnt und dem Assoziieren wohlwollend, aber nicht ungezügelt freien Lauf lässt.  Der zum Teil langwierige Arbeitsprozess fördert aus den Tiefen des  ikonografischen Unbewussten poetische Sinnbilder hervor. Diese können Fundstücke aus  romantischen Landschaften, aus den Gemälden von  Breughel oder Skurriles aus dem Fotofundus und aus der Postkartenwelt sein. Vagabundierende Gestalten von einst und  aus dem Heute verweilen in der Szenerie und aus dem Stamm eines Baumes erscheinen traumversunkene Gesichter. Gleich einem Palimpsest überlagern sich Bedeutungsebenen und Bildgespinnste, die an gutmeinende Träume  erinnern. Einige seiner Titel, wie etwa „Tierdame“ (2003),  bezeugen die phantastischen Metamorphosen innerhalb des Floralen, Anthropomorphen und des Urbanen. Die Bezeichnung anderer Blätter  wiederum verschweigen das zu  Sehende - wie zum Beispiel im „Glas II“.

Schule, 2008, Farbstifte auf Karton;
33,5 x 48 cm, Repro/Scan: Scancolor
Leipzig, Privatsammlung Hamburg

Diese Bleistiftzeichnung suggeriert einen zylindrischen Umriss, in dem  sich eine rätselhafte Landschaft mit Hütten, Turm und Wanderweg öffnet und oben auf einer Anhöhe steht eine mönchsartige  Gestalt; sie hat etwas Baumartiges geschultert, das wiederum ein masken-haftes Gesicht trägt.  Dagegen lebt in der Zeichnung „Badeanzug“  subtilster Humor  auf, denn er  ist  mit südlichen Urlaubsverheißungen dekoriert, mit einem Segelboot, Palmen und mit blauem Wasser. (Dieses Prinzip der Körperbebilderung auf der zweiten Haut des Menschen, auf seiner Bekleidung,  erinnert an  Ganzkör-pertattoos - denn dort ist der Bildträger mobil und formal eingeschränkt.) Ebenso kann es sachlich zugehen, wenn der Zeichner uns Nahaufnahmen eines  Mantels oder eines Hemdes vorstellt.

Für die Ausstellung im PackHof konzipiert er, für ihn ungewöhnlich, größere Bilder. Er konfrontiert uns mit der  Figur des Vagabunden, die  aus dem Roman von  Kurt Kluge „Der Herr Kortüm“ sein kann,   und  mit architektonischen Konstrukten, die den Dreißiger- und Sechzigerjahren entstammen und im Bezug zu seinem Großvaterhaus stehen. Auch hier wandelt sich unvorhersehbar die Erzählstruktur. Einmal ist sie geradlinig, dann wiederum verzweigt sie sich oder bricht abrupt ab, um mit einem anderen Inhalt fortzufahren. Es  können zentralperspektivische Nahaufnahme erscheinen, die sich irgendwann in den fernsichtigen Ebenen des real Irrealen  wiederfinden. Doch in allen Blättern ist eine  Diskrepanz zwischen dem surrealen   Durchdringen, dem Neben- und Übereinander von Motiven und dem  diszipliniert geordneten Setzen  diffizilster Schraffuren und Strichlagen zu erleben. Die von ihm verwendeten farbigen Stifte  bedingen eine  pastellhafte Sanftheit, die vom Braunerdigen bis zum Regenbogenspektrum oszilliert. Das Weiß des Blattes ist ein ort- und zeitloses Terrain, das gleichsam, indem es sich ausbreiten würde, das grafische Gebilde überblenden könnte.  So  wird es  zu einem subtilen  Memento mori, zu einem Innehalten um die fragilen Konstellationen auch als solche des gefährdeten  Augenblicks zu würdigen.

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Text / Kurator: Armin Hauer


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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