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z u r ü c k


PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
02.11.2014 - 11.01.2015

"DOUBLE TAKE"
DAG
(1964), Berlin / Peter K.  Koch (1967), Berlin
MALEREI - OBJEKTE

Impressionen von der Ausstellung


Vor fünfzehn Jahren stellte ich im Kabinett des Museums die Akteure der Technoszene DAG und Jim Avignon vor. Sie überzogen die Wände mit Gestalten und Zeichen. Es entstanden quirlige Bild-Waben, die  von einer Welt aus Party, Rausch, Ernüchterung und komischen Konstellationen erzählten, unterbrochen von grafisch gesetzten Rhythmen, die DAG zum Comicepos des Jim Avignon beisteuerte. Nun, nach 15 Jahren ist ihre Zusammenarbeit längst Vergangenheit. DAG hat seinen Stil des Puristischen - das kann ein Punkt, eine Raute, ein Dreieck sein -  sublimierend vorangetrieben, bis er damit traditionelle Bildträger als auch Wände strukturieren konnte. Die nun entstandenen Bilder nehmen Impulse konkreter Kunst auf, indem sie sich selbst abbilden und serielle Muster ergeben; auch diese verweisen auf kein Außenbild. Das Lineare und das Punktuelle sind seine wesentlichen Ausdrucksformen. Darauf basieren deren Anhäufung mittels Reihung oder Streuung. Es kommt nicht selten zu einem Flirren und Flimmern, das sich im akustischen Spektrum elektronischer Musik mit Knistern, Rauschen, Knacken oder Zischeln vergleichen lässt. Durch den Einbau von optischen Störstellen unterläuft er den logischen Prinzipien konkreter Kunst oder den der Op Art. Er  entgeht somit einer Gefahr des Vorhersehbaren und des in sich hermetisch Abgeschlossenen: Ordnungssysteme werden aufgerufen und gleichzeitig zum Stolpern gebracht.

Peter K. Koch (1967) o. T. (Simple Present I), 2013,
Karton, Lack, Holz; 175 x 248 x 7 cm,
Foto: courtesy Kuckei + Kuckei, Berlin

DAG o.T. 2011, Mischtechnik auf Leinwand,
80 x 80 cm, .Foto: Marcus Kaiser  

DAG steht mit seinen feinteiligen Mikrozeichen im Widerstreit  zum dynamischen Bildgeschehen  von Peter K. Koch. Er studierte von 1994 bis 1998 Produktdesign an der Hochschule Niederrhein. 1999 ging er nach Berlin, war Mitbegründer eines Ausstellungs- und Projektraumes, übernahm für längere Zeit Lehraufträge an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Dresden. Sein Interesse gilt geometrischen Formen und synthetisch wirkenden Farben. Die Materialien stammen oftmals aus dem Baumarkt - insbesondere der Chromoluxuskarton sorgt für einen Impuls des profanen Glanzes. Seine Bildstrukturen vermeiden, kalkuliert und bewusst, eine cleane und aseptische Ästhetik, die wir in der konkreten Kunst, in der Hard-edge-Malerei und in der Neo-Geo-Welle der Neunzigerjahre kennen lernten. Irgendetwas ist dann „unsauber“ verarbeitet oder etwas Anderes wirkt dem Hochglanz entgegen. Zudem erinnern seine Strahlenformen, Dreiecke, Schriftfragmente und  Silhouetten manchmal an  etwas Profanes: an gesplittertes Glas, an Sprechblasen aus der Pop Art, an Verpackungsmaterialien oder an ausgemustertes Industriedesign. Diese vielleicht sogar narrativen Momente, die auf etwas Anderes verweisen,  werden von einer  objektiven Stringenz des Formalen gezügelt. Eine Ästhetik des Gewalttätigen wird simuliert, wenn er schwarze Kuben und Raumteiler einschlägt oder Glasscheiben attackiert. Das Ergebnis ist ihm statisches „Bild“ und zugleich angehaltene Zeugenschaft von einem Prozess. Er sucht die Balance zwischen  Spiel, Zufall und Kalkül - zwischen dem Erhabenen und dem Banalen.
Für die Besucher der Doppelausstellung wird es zu Überraschungen kommen, wenn sich  beide Künstler auf einen Dialog einlassen, ohne ihren Standpunkt aufzugeben.


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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