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Zielona Góra, Galeria BWA
Galeria BWA
09.10.2015 - 01.11.2015

Simone Hack und Uta Zaumseil
Malerei, Holzschnitte

Simone Haack (1978), Berlin, Malerei, Uta Zaumseil (1962), Zeulenroda-Triebes (Mehla), Holzschnitte


Mit dieser Ausstellung werden zwei Künstlerinnen vorgestellt, die in ihrer Stilistik und in ihrer Auffassung von Realität und Bildwirklichkeit scheinbar verschieden sind. Doch gibt es in ihren stummen Szenerien Momente des Gemeinsamen, wie zum Beispiel das „Aus der Zeit Fallen“ ihrer Protagonisten. Es ist vielleicht sogar ein Herausfallen aus dem gewohnten Erzählton einer geradlinigen Handlung: der Betrachter erfährt nicht das Davor und das Danach. Gleich wie in der Fotografie werden Zusammenhänge verschwiegen und der Augenblick ist das Eigentliche. Die Fotografie ist für beide auch ein möglicher Ausgangspunkt ihres Arbeitens.

Uta Zaumseil (1962), Zeulenroda-Triebes (Mehla)
"no spy"
2014, Holz- Linolschnitt; 87,5 x133 cm; Foto: Uta Zaumseil

Zu Beginn der Neunzigerjahre erarbeitete sich Uta Zaumseil eine sanft expressive Formensprache, die lyrisch und rätselhaft wirkte. Später wurde die Bildsprache realitätsnäher, eindeutiger und zugleich vieldeutiger. Für ihre mehrfarbigen Blätter nutzt sie den Holz- und Linolschnitt. Dabei entdeckte sie für sich die Drucktechnik der verlorenen Form. Dort werden Teile des Druckstockes weggenommen, um dann wieder auf das bereits entstandene Bild drucken zu können. Auch hier ist wie in den anderen Drucktechniken das Unikat, die Einmaligkeit des Blattes ihr Anliegen. Ab und an kombiniert sie Fotografien mit ihren Grafiken. Ihre Motive scheinen sich an den Schnappschüssen des Prosaischen und an Filmstills zu orientieren: traumwandlerische Begebenheiten versetzen das Bildpersonal in ein Zwischenreich aus dokumentierter Banalität des Alltags und einer täglichen Irrationalität, weil gerade dort das Ungewöhnliche herrscht. Eine romantisierende Melancholie prägt das Tun und Sein von Mensch und Tier in stereotypen Stadtlandschaften, aber ebenso in landschaftlichen Gefilden. Das Kolorit ihrer Drucke erinnert manchmal an Polaroids oder an alte Farbfilmaufnahmen, denen die Sonne arg zusetzte. Aber ebenso gibt es vom Licht Durchflutetes, Düsteres oder Farbstarkes. Vielfach werden Details ausgespart und die Atmosphäre suggeriert einen malerischen Klang eines entspannten und peripheren Realismus, der zwischen Himmelsleiter, Vororthaltestelle und Alltagsprotokoll angesiedelt ist. Ein Zeitgefühl wird spürbar, das eher innehalten will und den ernüchternden Traumhorizont zwischen „Noch-Kind-Sein“ und dem „Erwachsen-Werden-Müssen“ abschreitet, als dass es zum tatkräftigen Verlassen des schützenden Bildraums anstachelt.

Simone Haack (1978), Berlin
Sternenhagel
2014, Öl auf Nessel; 140 x 80 cm; Foto: Simone Haack

Simone Haack studierte unter anderem bei der Gerhard Richter Schülerin Karin Kneffel an der Hochschule für Künste in Bremen. Der dort vermittelte, von der Fotografie initiierte Hyperrealismus erfährt nun eine Hinwendung zum Unheimlichen. So wirken ihre Bilder auf den ersten Blick polarisierend. Denn der Betrachter wird unvorbereitet in eine Atmosphäre des physisch Unumgänglichen und des seelisch Dunklen hineingezogen. Er soll zum Voyeur werden und muss entscheiden, ob er sich dem entziehen will. Diese Ambivalenz ist inszeniert und je nach Bild-Stimmungs-Absicht wird sie forciert oder gedrosselt.
Es werden in uns Seelenlagen berührt, die bereits in der christlichen Kunst visualisiert wurden, später in der Literatur, im Film und in der Gegenwartskunst Einzug hielten. Es sind Urängste wie Einsamkeit und ein Ausgeliefertsein einem dunklen Großen gegenüber. Es ist ein Stehen an einer Schwelle des Unvorhersehbaren, an einer des profanierten Numinosen und des Schicksalhaften, das ihre Protagonisten schutzlos werden lässt ohne sie zu zerstören. Die Masken des Braven, des Schönen und des Zivilisierten fallen ab und es bleibt die hypersensibilisierte Physis und Psyche übrig, die auf uns eine unwägbare Intensität ausstrahlt. Etwas Abgründiges entsteht um ihre Kinder, jungen Frauen und Paare herum. Es betont die Anwesenheit der Personen und ihr Ausgeliefertsein unseren Blicken gegenüber. Sie scheinen im Moment einer Filmaufnahme innezuhalten und ein nicht zu lokalisierendes Scheinwerferlicht entdeckt sie, macht sie drastisch sichtbar und gleitet zugleich dämonisch an ihnen ab. Dadurch stehen sie innerhalb und sogleich außerhalb, einer an sich sonst eher bedrohlich wirkenden Atmosphäre des Alptraumartigen.

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Kurator: Armin Hauer


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