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z u r ü c k


PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
01.02.2015 - 12.04.2015

Am Fluss - oder wie das Einauge zum Lügner wurde
Malerei, Skulptur

Undine Bandelin (1980), Leipzig, Malerei, Sebastian Pless (1985), Leipzig, Skulptur

Eröffnung am 1. Februar 2015 um 11 Uhr
PackHof Museum Junge Kunst, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11

Führungen PackHof Museum Junge Kunst in der Ausstellung "Am Fluss – oder wie das Einauge zum Lügner wurde"


Bei beiden Künstlern steht die Figuration im Mittelpunkt. Das handwerkliche Können erhielten sie hauptsächlich während ihrer Ausbildung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Dadurch befinden sie sich in einer Traditionslinie des Realistischen und der klassisch intendierten Gestalt. Dieser Traditionsbezug wird für sie zu einem Ausgangspunkt für eine eigenwillige Befragung des Figürlichen und nicht zu einem sie einengenden Korsett.

Von 2005 bis 2010 studierte Sebastian Pless in Halle / Saale bei Frau Professorin Andrea Zaumseil, anschließend nahm er bis 2012 bei Professor Bruno Raetsch ein Aufbaustudium im Bereich Bildhauerei auf. Gern kombiniert er seine Holzskulpturen mit Brettern, Hölzern und Möbelteilen. Dadurch werden die fragmentierten Gestalten in einen Zusammenhang des Erzählerischen und des Irrealen gesetzt. Die Titel unterstützen das Rätselhafte und das befremdlich Vertraute: „Der Wanderer“, „Verlassenes“, „Das Versteck“. Das Holz wird grob bearbeitet (nicht geglättet) und weist Spuren des Werkzeuges auf. Die Gesichter sind geweißt und Lippen rot markiert. Sparsamste Bemalungen akzentuieren Augen oder hervorzuhebende Körperteile. Der Torso tritt häufig auf, wie zum Beispiel in der mehrfigurigen Installation „Aufstand und Abgrund“ von 2010. Dort stehen armlose Männer einem grobschlächtig gezimmerten Kasten gegenüber, der mit Büsten und ausgereckten Armen vollgestopft ist. In letzter Zeit kommt zum Material Holz Metall hinzu. Dabei handelt es sich um ausgewählte „Schrottfunde“, die oft selbst schon etwas Surreales in sich tragen oder gar kruden Schöpfungen aus dunklen Reichen ähneln. Es wird dann weiter fabuliert, zusammengesteckt oder geschweißt. Heraus kommen Arcimboldo verwandte Monstren namens „Kannibale“ oder das käfigartige Gebilde „Kleiner Garten“. Vorrangig aus dieser Werkphase werden neueste Arbeiten zu sehen sein.

Undine Bandelin (1980), Leipzig
Der Apotheker
2014, Siebdruck, Mischtechnik auf Leinwand; 40 x 40 cm; Foto: Undine Bandelin

Sebastian Pless (1985), Leipzig
Dreibein
2013, Stahl, Lack; 139 x 78 x 94 cm; Foto: Sebastian Pless

Undine Bandelin absolvierte eine Lehre als Keramikerin und ein Studium an der Bauhaus-Universität-Weimar, um anschließend von 2005 bis 2011 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, bei Frau Professorin Ute Pleuger Malerei zu studieren. Anschließend erfolgte dort bis 2013 ein Meisterschülerstudium.
Anders als viele aus Ihrer Generation bleibt sie nicht im post-pop-artigen Fotostil stecken oder pflegt eine Sprache des Trash und des Ironischen. Ihr Anliegen scheint eher eins der emotionalen Verbindlichkeit zu sein. Verbindlichkeit in dem Sinne, dass ihre Darstellungen von Tieren und Menschen, die häufig als Ausgangspunkt Siebdrucke nach Fotografien haben, mit dissonanten Farbflächen überzogen werden. Daraus ergibt sich ein ausdrucksvolles, grafisch- malerisches Geflecht. Sprüche oder kurze Sätze bilden „kommentierend“, neben Linie und Fläche, die dritte Ebene des Bildhaften. Sie irritieren den Betrachter ebenso wie sie ihm das Gefühl eines sinngebenden Erkenntnisgewinnes vermitteln. Das Wort und das Bild halten sich in einer Balance des Ungefähren. Dadurch wirken die Szenerien des Grotesken, des Banalen, des Bedrohlichen, des Abseitigen und des Bedeutsamen beunruhigend kraftvoll und suggestiv. Ihre Malweise ist ungeschönt und spröde, das Kolorit dunkeltonig fleckig und kontrastreich. Sie befindet sich damit in der Nähe eines postmodernen Expressionismus, der eher etwas Existenzielles unter der brodelnden Oberfläche behält, als dass er es explosiv zum Bersten bringt. Flecke, Rinnsale und gestische Verwischungen des Darunterliegenden, Übermalungen von Gesichtern sowie die Betonung diffuser Räumlichkeiten geben den statischen Szenen etwas Spontanes und Situatives. Diese Ambivalenz, unabhängig vom konkreten Motiv, scheint das Wesentliche ihres Beitrages in der jüngeren figurativen Szene zu sein.

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Text/Kurator: Armin Hauer


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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