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z u r ü c k


RATHAUSHALLE / FESTSAAL
MARKTPLATZ 1
11.10.2015 - 01.11.2015

50 Jahre Museum Junge Kunst – 50 Jahre Ausstellungen
Plakate, Kataloge, Einladungen

Eröffnung am 11. Oktober 2015 um 11 Uhr in der Rathaushalle, Marktplatz 1

Führungen Rathaushalle Museum Junge Kunst in der Ausstellung "50 JAHRE MUSEUM JUNGE KUNST"



Im Jahr 2005 wurde zum vierzigjährigen Jubiläum der Blick auf den Sammlungsbestand der Handzeichnung und Druckgrafik gelenkt. Der Artikel „Kleckse ohne Parteibindung“ in „Die Zeit“ vom 11.11.2010 würdigte ebenfalls die einmalige Sammlung des Museums Junge Kunst. Mit dieser opulenten Ausstellung wird nun der fünfzigjährigen Ausstellungsgeschichte gedacht, die in der DDR- Museumsgeschichte und in der gesamtdeutschen einmalig ist. Es ist eine Ausstellung über Ausstellungen anhand von Dokumenten.
Etwa 230 Plakate und rund 170 Einladungen bzw. Kataloge geben einen guten Einblick in ein halbes Jahrhundert Ausstellungsaktivitäten. In einem für den Besucher nutzbaren Handapparat sind zusätzlich über 160 Publikationen von 1965 bis jetzt einsehbar. Das können einfache Flyer oder mehr oder weniger aufwändig gedruckte Kataloge sein. Des Weiteren gibt eine Dokumentation Auskunft über die Kuratorenschaft der jeweiligen Ausstellung, über den Grafiker des zu sehenden Plakates, Einladungen und Kataloge. Leider war nicht immer die konkrete Autorenschaft nachweisbar. Waren keine Plakate auffindbar, wurden dafür Einladungen, Flyer oder Kataloge gerahmt, soweit das technisch möglich war. Einige Plakate sind Leihgaben des Stadtarchivs Frankfurt (Oder). Dafür gilt unser Dank.
Insgesamt hängen an den Stellwänden fast 400 visuelle Dokumente einer Ausstellungsgeschichte, die wohl insgesamt bis zu über 500 Expositionen aufweist. Doch nicht immer war die Archivlage ergiebig und nicht jedes Projekt konnte anhand von Plakat, Einladung oder Katalog „dokumentiert“ werden. Wenn sie fehlen, wird eine Ausstellung nicht aufgeführt. Demnach gibt es mehr Ausstellungen in der Geschichte des Museums als hier „sichtbar“ sind. Vor allem für den Zeitraum vor 1980 war die Archivlage unbefriedigend. Fast vollständig konnte dagegen die Zeitspanne von 1990 bis jetzt belegt werden.

Galerie Junge Kunst – Eröffnungsplakat, 1965, Plakat: Johannes Hansky; Foto: Ingo Kallies, MJK

Kunstpreis des FDGB, 1965, Plakat: unbekannt; Foto: Ingo Kallies, MJK

Wieland Förster, 1977, Plakat: Helmut Brade, Halle/Saale; Foto: Ingo Kallies, MJK

Junge Künstler der DDR, 1978, Plakat: Wolfgang Biesalski; GJK; Foto: Ingo Kallies, MJK

Reinhard Zabka + Albrecht Hillemann, 1989, Plakat: Reinhard Zabka + Albrecht Hillemann; Foto: Ingo Kallies, MJK

Detlef Lieffertz, 1989, Plakat: Detlef Lieffertz, Siebdruck; Foto: Ingo Kallies, MJK

Tendenz konstruktiv konkret,1990, Plakat: Ullrich Altermann, GJK; Ingo Kallies, MJK

Kg 849, 1997, Plakat: Wolf-Dieter Pfennig, Siebdruck; Foto: Ingo Kallies, MJK

Olaf Gulbransson, 2004, Plakat: Werbeagentur Giraffe, Frankfurt (Oder); Foto: Ingo Kallies, MJK

Moritz Götze, 2009, Plakat: Werbeagentur Giraffe, Frankfurt (Oder); Foto: Ingo Kallies, MJK

Die Kunst der Zeichnung, 2013, Plakat: Werbeagentur Giraffe, Frankfurt (Oder); Foto: Ingo Kallies, MJK

Grüße aus Zielona Góra, 2010, Plakat: Werbeagentur Giraffe, Frankfurt (Oder); Foto: Ingo Kallies, MJK

Ausstellungsplakate

Links beginnend ist die Ausstellung chronologisch konzipiert. Das einstige Namensschild an der Südseite des Rathauses begrüßt den Besucher. Es trägt die Botschaft: GALERIE JUNGE KUNST / MUSEUM ZEITGENÖSSISCHER GEMÄLDE / GRAFIKEN UND SKULPTUREN DER DDR. (Das Schild war bis in die frühen Achtziger hinein aktuell, dann wich es dem Schriftzug GALERIE JUNGE KUNST. Der wiederum wurde um 1990 aktualisiert zu MUSEUM JUNGE KUNST.)
Von hier beginnt neben der historischen zugleich auch eine ästhetische Zeitreise. Sie reicht vom ersten Galerieplakat über originalgrafische Plakate aus den Achtziger- und Neunzigerjahren bis hin zu den farbstarken Gestaltungen der Jetztzeit. Das erste Plakat ist ein Eindruckplakat und es ist gleich zweimal in unterschiedlichen Farbvarianten vorhanden. Es zeigt eine Porträtplastik („Porträt Angelika“) des Bildhauers Wieland Förster aus dem Jahr 1963. Ein weiteres Plakat stellt ebenso etwas Besonders dar. Es wirbt für die Ausstellung der „KUNST Preisträger des FDGB“ 1965. Diese fand in der Rathaushalle im Juni/Juli 1965 statt, also noch vor der Gründung der Galerie Junge Kunst.
In den Achtzigerjahren gab es zu den Ausstellungen im Kabinett, im Rahmen der Ausstellungsreihe „Werkstatt Junge Kunst“, originalgrafische Plakate unter anderem von Walter Libuda (1985), Detlef Lieffertz (1989), Wolfgang Henne (1987), Clemens Gröszer (1986) und Horst Engelhardt (1986). Schon in den Siebzigern tauchten diese grafischen Besonderheiten auf, wie zum Beispiel ein großes Siebdruckplakat von Günter Neubauer (1976) oder eins des polnischen Künstlers Andrzej Gordon (1977). In den Neunzigern wird diese Gestaltungsart noch einmal von Wolf-Dieter Pfennig (1997), anlässlich der Ausstellung der Gruppe Kg849, aufgegriffen. Dann versiegt leider für das Museum diese originale und originelle Form der Werbung.
Besonders in den Neunzigern gab es aus finanziellen Gründen wenige großformatige Plakate. Dafür entstanden viele kleine, oft vom Kurator selbst collagiert und kopiert. Oder die Einladung war zugleich ein Faltblatt, das auseinandergefaltet ein Plakat ergab. Diese Art der Werbung trat insbesondere im Zeitraum von 2000 bis 2010 auf. Dann „wuchs“ wieder die Größe zum jetzt üblichen A1 Format an. Also auch hier, rein grafisch, ästhetisch und pragmatisch gedacht, kann der Besucher zeitlich und kulturell bedingte Wandlungen erleben. Farbe ja oder nein? Ist ein hoher künstlerischer Anspruch vorhanden? Ist es ein gutes Schriftplakat oder ein weniger gelungenes Bildplakat?
Natürlich verraten die Titel, die Namen der Künstler und die Abbildungen den jeweils herrschenden oder geduldeten – oder eben nicht geduldeten politisch-ästhetischen Zeitgeist, weiß man um den Kontext der Ausstellungspraxis in einer Galerie, die auf Beschluss der Bezirksleitung der SED und des Rates des Bezirkes bereits 1964 mit der Arbeit begann. Mit den politisch-kulturellen Veränderungen und dem Zusammenbruch der DDR, weichte das angedachte dogmatische Prinzip einer „sozialistischen DDR-Kunst“ immer mehr auf. Es musste letztendlich einer stilistischen und inhaltlichen Vielfalt im Verständnis einer klassischen Moderne, der Nachkriegsmoderne und der Postmoderne Platz machen.

Ausstellungsorte

Von 1965 bis 1991 hieß die Einrichtung „Galerie Junge Kunst Frankfurt (Oder)“, um bis zum September 1993 auch die Bezeichnung „Galerie Junge Kunst, Museum für zeitgenössischen Kunst“ zu tragen. Ab Oktober 1993 blieb es beim heutigen Namen „Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder)“.
Die Spätrenaissancehalle und der hochgotische Festsaal wurden von 1965 bis 1990 vorrangig für die Dauerausstellung mit Werken aus der eigenen Sammlung genutzt. Ab 1966 stand mit einer Gründerzeitvilla in der Wilhelm-Pieck-Straße 331 (heute Heilbronner Straße 19) ein Gebäudekomplex für Verwaltung, Ausstellung und als Depot zur Verfügung. Unter der Bezeichnung „Kabinett“ wurden die Räume bis 2003 genutzt. Dann verkaufte die Stadt das Grundstück. Seitdem werden die Räume im PackHof, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11, bespielt.

Kleiner Abbriss der Ausstellungsgeschichte des Museums

Zeitraum 1965 bis 1990

Am 2. Oktober 1965 wurde die Galerie Junge Kunst anlässlich der 5. Oderfestspiele offiziell gegründet. Der Aufbau begann bereits am 1. Januar 1964 durch den Gründungsdirektor Karl-Heinz Maetzke (geb. 1915- gest. 2000) auf Beschluss der Bezirksleitung der SED und des Rates des Bezirks Frankfurt (Oder). Karl-Heinz Maetzke leitete die Galerie bis 1983. Er prägte nachhaltig das Ausstellungs- und Sammlungsprofil der Einrichtung und sorgte dafür, dass die Galerie einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt einnahm.
Für Ausstellungen nutzte der Gründungsdirektor folgende „Formate“: Dauerausstellung mit Werken aus der Sammlung in der Rathaushalle, thematische Ausstellungen mit Werken der Sammlung, Sonderausstellungen mit Leihgaben und Gruppen- bzw. Personalausstellungen. Jährlich waren es bis zu 12. Diese fanden zumeist im Kabinett statt. Hinzu kamen bis zu 50 (!) Wanderausstellungen in Betrieben, Instituten, Museen und Landwirtschaftseinrichtungen.
Tendenziell sollten die Ausstellungen den arbeitenden Menschen im Kontext der Idee des Sozialismus abbilden, vom Kampf der Arbeiterklasse erzählen und auch diejenigen erreichen, die sonst keinen Weg in eine Kunstgalerie fanden. Der Kunst wurde eine diktatorisch konnotierte Erziehungsfunktion zugewiesen. Aber hauptsächlich entzogen sich viele Bilder dieser ideologischen Funktion des Illustrierens oder des Plakativen. Entweder waren sie einfach ästhetisch nicht so spannend oder sie gingen aufgrund ihrer Qualität weit über eine ideologische Schablone hinaus, da sie gar nicht in diese gehörten. Die Vorstellung eines Sozialistischen Realismus war schwer zu verbildlichen, da dieser Begriff nicht verbindlich definierbar war und zum Schluss nur die Kunst die Realität schafft.
Im Nachhinein kann vielleicht gesagt werden, dass es um die oftmals narrative Figur im späten 20. Jahrhundert geht und um ihre Möglichkeit der inhaltlichen Besetzung. Die Künstler aus der Vorkriegszeit galten als Vorbilder für eine politisch engagierte oder humanistisch intendierte Kunst, wie zum Beispiel Heinrich Zille (1975) und Johannes Wüsten (1978).
Abstrakte, expressive, konstruktive oder konkrete Kunst, Bilder der Pop- oder Op Art und Arbeiten mit einer staatskritischen Haltung waren jedoch in der Galerie nicht zu sehen. Um ein paar wesentliche Personalausstellungen zu nennen, die eine eigenständige Formensprache und eine hohe künstlerische Qualität aufweisen, sind folgende Künstler genannt: Kurt Querner und Wilhelm Dodel (1973), Leoni und Karl Hermann Roehricht (1974), Wieland Förster (1977), Gerhard Kettner (1977), Regina Fleck (1980), Uwe Pfeifer (1980) und Fritz Cremer (1981).
Zu den Feiertagen der sozialistischen Diktatur wurden Themenausstellungen konzipiert und zum Teil in die Betriebe gesandt – zum Beispiel 1969 „50 Jahre Novemberrevolution“ oder „Kampf und Sieg der Bauern“ (1975). Dieser Ausstellungstyp wurde noch fast bis zum Ende der DDR genutzt.
Regelmäßig zeigte der Verband Bildender Künstler der DDR Ausstellungen mit jungen Künstlern und die Verbandssektion des Bezirkes Frankfurt (Oder) organsierte turnusmäßig die Bezirkskunstausstellungen. Darunter waren durchaus Künstler, deren Werke umstritten waren oder die später die DDR verließen oder verlassen mussten.
Ab 1972 bis 1977 bestand eine Zusammenarbeit in Form von Ausstellungsübernahmen mit dem Zentrum für Kunstausstellung in Zielona Góra. Anschließend erfolgte die Zusammenarbeit mit dem Büro für Kunstausstellungen in Gorzów bis 1990. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden weiterhin jährlich einmal Werke aus Polen vorgestellt. Die Zusammenarbeit erfolgte und erfolgt für einen längeren Zeitraum mit jeweils unterschiedlichen Partnern.
Unter der Leitung von Karl-Heinz Maetzke entstand eine starke museumspädagogische Arbeit. Jährlich fanden Ausstellungen mit Kinderarbeiten statt. Leider wurde 1997 die dafür zuständige Kollegin entlassen und ihre Stelle, die auch die Öffentlichkeitsarbeit umfasste, gestrichen. Und dennoch finden bis heute Projekte mit Kindern der verschiedenen Altersstufen statt. Dem Gründungsdirektor standen anfangs ein, später bis zu vier wissenschaftliche Mitarbeiter zur Seite.

Nachdem Karl-Heinz Maetzke in den Ruhestand ging, übernahm der Kunstwissenschaftler Karl-Heinz Kukla (geb.1934-gest.1987) von 1984 bis 1987 die Einrichtung. Er führte wesentliche Ausstellungsstrukturen weiter und gründete 1985 die wichtige Ausstellungsreihe im Kabinett “ Werkstatt Junge Kunst“. Die in der DDR einmalige Galeriereihe lief bis zum Jahr 1991 und brachte es auf 22 Ausstellungen. Sie konzentrierte sich auf junge Künstler, die sich vom Glatten, Gefälligen und Oberflächlichen verabschiedeten. Expressives, Sachliches, Abstrahierendes und Surreales waren zu sehen. Zudem gab es unter anderem von Wolfgang Mattheuer (1984), Corneliu Baba (1984), Peter Makolies (1985), Nuria Quevedo (1985), Irene Bösch (1986), Johannes Heisig (1987), Stefan Plenkers (1988) und Hasior (1988) Personalausstellungen. Als besonderen Höhepunkt galt 1987 eine Grafikausstellung von Joan Miró.

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Waltraud Endler (geb.1949) war 1987 bis 1989 amtierende Direktorin, um dann das Amt an den Historiker Rudolph Quaiser (geb.1939) abzugeben. Er hatte es nur geringe Zeit inne. Symptomatisch für diese Krisensituation und für den nahenden Zusammenbruch der DDR war 1989 das multimediale Projekt von Reinhard Zabka und Albrecht Hillemann. Ihr Titel „Zwischen Utopie und Apokalypse – Aquiliristik der Fidschigokels“ traf dadaistisch haargenau die DDR Endzeitstimmung. Ihre verwirrende Rauminstallation sorgte für einen ungewohnten Besucherandrang.

Zeitraum 1990 bis heute

Von 1990 bis 2014 übernahm die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner (geb.1949) die Leitung. Die ideologisch bedingten Jubiläumsausstellungen fielen weg. Der Anspruch an die künstlerische Qualität stieg und es wurden verschiedene Ausstellungsreihen, die über mehrere Jahren gingen, wie zum Beispiel Junge Künstler aus den Neuen Bundesländern“ oder „Grafik aus polnischen grafischen Zentren“, angeregt. Das Ausstellungskonzept öffnete sich anderen Spielarten und stilistischen Formen der Kunst. So fand 1990 die erste Ausstellung mit „abstrakten“ Werken unter dem Titel „Tendenz konstruktiv-konkret“ im Museum statt.
Die Einrichtung wurde auf Betreiben von Rudolf Quaiser von einer Bezirksgalerie zu einer der Stadt Frankfurt (Oder), mit finanzieller Unterstützung seitens des Landes Brandenburg. Es gab einen rapiden Personalabbau: bis 1992 waren es noch 9 wissenschaftliche Mitarbeiter, dann bis 1997 zwei und danach verblieb nur einer der Einrichtung. Die neue Direktorin ging produktiv mit dem ewigen Mangel an finanzieller Ausstattung um und auch mit der Situation, dass die Ankaufs- und Ausstellungsgelder ständig schmolzen. Für Ankäufe gab es ab 1996 seitens der Stadt kein Geld, dennoch wuchs die Sammlung aufgrund von Schenkungen, Dauerleihgaben und der Finanzierung über Landes- und Bundesmittel. Im Dezember 2001 wurde die Fusion zwischen dem Stadt- und Regionalmuseum Viadrina und dem Museum Junge Kunst angeordnet. Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner wurde Leiterin der beiden Museen, arbeitete als Kuratorin und Kustodin und lehrte über Jahrzehnte an der Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Sie profilierte die Einrichtung zu einer der wesentlichsten im Osten Deutschlands.
Ende 2014 wurde der Historiker Dr. Martin Schieck (1954) zum amtierenden Direktor der „Städtischen Museen Junge Kunst und Viadrina“ ernannt.

Kontinuität – Diskontinuität der Ausstellungsstrategie

Zur Kontinuität der Ausstellungsstrategie vor und nach der Wiedervereinigung, gewissermaßen unabhängig vom politischen System, zählen Projekte mit unmittelbarer Gegenwartskunst und mit kunsthistorisch wichtigen Positionen, Expositionen mit Kunst aus Polen und aus anderen Ländern, zudem die Inanspruchnahme von Leihgaben aus staatlichen oder privaten Sammlungen. Ebenso gab es seit Anbeginn kuratierte Ausstellungen für auswärtige Museen und Institutionen. Seit Jahrzehnten werden fast ununterbrochen Arbeiten von Kindern und Schülern präsentiert und museumspädagogische Projekte angeboten. Schon immer gehörten größere oder kleinere Ausstellungen dazu, die mit dem eigenen Bestand arbeiten. Dieses Prinzip wurde ab 1990 zu einer neuen Qualität geführt, da es in der Rathaushalle keine Dauerausstellung mehr gab.

Ausstellungstrategien

Tendenziell lassen sich nach 1990 zwei wesentliche Strategien erkennen: a) die Vorstellung von Gegenwartskunst und b) die Hinwendung zu klassischen Positionen der Moderne oder früherer Kunstepochen. Im Bereich der Gegenwartskunst gibt es wiederum Differenzierungen. Es werden Künstler vorgestellt, die die DDR verlassen mussten oder ausreisten und zum anderen solche mit streitbaren Positionen. Das kann in Gestalt von Gruppenausstellungen oder größeren Personalausstellungen geschehen. Weiterhin gingen eigene Ausstellungen auf „Wanderschaft“ oder wurde konkret für die jeweilige Einrichtung konzipiert. Trotz der dünnen Personaldecke und der geringen finanziellen Zuwendungen entstanden von 1990 bis 2015 223 Ausstellungen. Nicht selten mussten für umfangreiche Vorhaben Geldgeber von außerhalb gefunden werden.
In der Rathaushalle gab und gibt es neben großen thematischen Ausstellungen und Personalausstellungen mit Leihgaben, einmal jährlich Projekte mit Arbeiten aus der eigenen Sammlung. Diese sind nach ikonografischen, chronologischen oder thematischen Gesichtspunkten konzipiert. Dabei werden zwei wesentliche Wege bestritten: Zum einen erfolgt die Kontextualisierung der Kunst aus der DDR mit Kunstwerken die vor 1945 und nach 1990 entstanden. Erinnert sei an die Ausstellungen „Standpunkte I und II (2008/ 2009), „Die Kunst der Zeichnung“ (2013), „Deutsche Druckgrafik“ (2009) und „Blicke und Gesten – Porträts aus der Sammlung“ (2011). Zum anderen gibt es Ausstellungen, die sich auf unterschiedliche Aspekte innerhalb der „Kunst in der DDR“ konzentrieren, wie es zum Beispiel 2002 in „Frauenbilder aus der DDR“ oder in der aktuelle Ausstellung diesen Jahres „DDR expressiv – die 80er Jahre“ geschah.

Wesentliche Ausstellungreihen, Projekte mit „alter Kunst“ und mit der Moderne

Noch 1989 geplant, zog das Projekt “Tendenz konstruktiv- konkret“ 1990 ein einmaliges Resümee auf diese Form der Kunst, die in der DDR ein Schattendasein führte. 22 Künstler stellten sich in der Rathaushalle vor, unter anderem Hermann Glöckner, Horst Bartnig, Karl-Heinz Adler, Manfred Luther und Wilhelm Müller. Die Ausstellung ging anschließend nach Meiningen und nach Kehl am Rhein. 1993 widmete sich „Zwischen Expressivität und Sachlichkeit“ 15 Künstlerinnen der DDR, zu denen unter anderem Christa Böhme, Sabine Herrmann, Karin Sakrowski, DorisZiegler und Erika Stürmer-Alex zählten. Die Ausstellung wurde anschließend im Bonner Frauenmuseum vorgestellt.
Weitere Einzel- bzw. Gruppenausstellungen gab es unter anderem von Frieder Heinze + Olaf Wegewitz (1992), Horst Bachman (1993), Hans Ticha (1996), Dead Chickens (1997), Olaf Nicolai (1998) Jim Avignon + DAG (1999), Walter Stöhrer (2000), Jochen Gerz + Klaus Staeck (2003), Mariola Brillowska, (2002), Eva Maria Wilde (2003), Friedemann Grieshaber (2005), Heidrun Rueda (2007), Stefanie Bühler, (2008), Moritz Götze (1999, 2009), Tatjana Doll (2010), Patricia Waller ( 2011), Peter Bömmels (2011) und Erika Stürmer-Alex (1993, 2004, 2013).

Von 1992-1996 gelang es dem Museum mit der Ausstellungsreihe „Junge Künstler aus den neuen Bundesländern – Arbeiten auf Papier“ über 30 Künstler vorzustellen, die bisher noch nicht von der Kunstöffentlichkeit entsprechend wahrgenommen wurden. Darunter waren Neo Rauch, Moritz Götze, ZWINGER, Carsten Nicolai, Olaf Nicolai, Jörg Herold, Harald-Reiner Gratz, Ute Richter und Johann Bartl.
Einige von ihnen erhielten später Personalausstellungen in Frankfurt (Oder).
Ab Mitte der Neunzigerjahre wurden Künstler eingeladen, die die DDR aus politischen und persönlichen Gründen verlassen mussten oder verließen. Damit leistete das Museum einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Kunstgeschichte. Unter anderem stellten folgende Künstler aus: A.R. Penck (1994), Gil Schlesinger (1995), Roger Loewig (1998), Erasmus und Annette Schröter (2002). Cornelia Schleime (2003), Claus Hänsel (2006), Helge Leiberg (2005), Christine Prinz (2006), Peter Herrmann (2007) und Lutz Friedel (2008)

Umfangreiche Ausstellungen machten über Jahrzehnte mit wichtigen Künstlern der klassischen Moderne und der „alten Kunst“ bekannt. Es waren vorrangig Grafikausstellungen mit Werken von Otto Dix (1995), Alfred Kubin (1997), Käthe Kollwitz (1999), Max Beckmann(2000), Max Ernst (2001), Rembrandt (2001), Francisco de Goya (2005) und die „Dreierschau“ BAROCKE GROTESKEN mit Francisco de Goya, William Hogarth und Giovanni Battista Piranesi, die viel Aufmerksamkeit erhielten. Auch die opulente Vorstellung von 111 Künstlern unter dem Titel „Rückschau in die Moderne“ (2009) mit Grafiken, unter anderem von Horst Antes, Joseph Beuys, Max Beckmann, Pablo Picasso, Paul Klee, Max Liebermann und Henry Moore, zog ebenso wie die aufwändigen Projekte „Totentanz“ (2011) und „Entartete Kunst“ (2013) viele Interessierte an. Den populären Höhepunkt erreichte 2014 die Ausstellung „Salvador Dali – Weiche Schädel und Schädelharfe“ mit Handzeichnungen, Druckgrafiken und Objekten. Den bisherigen kunsthistorischen Ausstellungsrahmen sprengte die Vorstellung der spätgotischen Antichristfenster 2007 in der Rathaushalle, bevor sie in die Maienkirche eingebaut wurden.

Dem Namen „Junge Kunst“ waren hauptsächlich Projekte verpflichtet, die im Kabinett, ab 2003 dann im PackHof stattfanden. Installationen, Malerei und Objekte vermittelten einen lebendigen und streitbaren Einblick in wesentliche Haltungen dieser Zeit. Zum Beispiel beschäftigte sich Judith Siegmund (2000) mit der wirtschaftlichen und politischen Situation in Frankfurt (Oder) und Slubice in Form von Statements, die wiederum als Banner im öffentlichen Raum auftauchten. Ute Richter brachte 2001 den radikalen Kulturabbau und das Schließen von kulturellen Einrichtungen und Produktionsbetrieben auf den verbalen Punkt. Sie baute im Kabinett zwei Schilder mit dem Wort „geschlossen“ auf. Diese waren typografisch dem Pappschild nachempfunden, das am nicht mehr bespielten „Lichtspieltheater der Freundschaft“ hing. Anne Werkmeister (2006) stellte gesprochene Lebensentwürfe von deutschen und polnischen Jugendlichen in das Zentrum ihrer Ausstellung im PackHof.

Nach 1990 schenkte man der polnischen Kunst besondere Aufmerksamkeit. Neue Kontakte wurden im unmittelbaren Nachbarland geknüpft, unter anderem mit der Galeria Prowincjonalna in Słubice, mit der Staatlichen Kunstgalerie Łódz und einigen privaten Galerien. Seit 2007 gibt es eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Galeria BWA in Zielona Góra. Seit 2010 zeigt dort das Museum eine eigene aktuelle Ausstellung oder eine mit Werken aus der Sammlung.
Die Ausstellungsreihe mit dem Titel „Grafik aus künstlerischen Zentren Polens“ stellte von 1992 bis 1997 wichtige Vertreter der Druckgrafik wie zum Beispiel Edward Dwurnik, Stanisław Fijałkowski, Jerzy Panek, Jan Tarasin, Janina Kraupa-Swiderska und Ryszard Otręba vor. Gleichzeitig wurde ein neuer Sammlungsbereich mit polnischer Grafik nach 1945 bis zur Gegenwart aufgebaut. Weitere polnische Projekte mit unterschiedlichen Ausstellungspartnern folgten und folgen. So waren unter anderem mit ihren Bildern und Objekten Wilhelm Sasnal und Robert Rumas (2000), Izabella Gustowska (2001) und Rafał Bujnowski (2006) zu Gast. Einzelausstellungen hatten unter anderem 1998 der Altmeister der expressiven Figuration Eugeniusz Markowski, die Gruppe Sędzia Główny (2006) sowie Ryszard Górecki im Jahr 2013.

Ein deutschlandweit einmaliges Projekt mit Outsider Art und mit Werken der Art brut von Künstlerinnen und Künstlern die anders sind, war die Biennale „Meine Welt“. Sie lief von 1997 bis 2005 und wurde seitens des Museums kuratiert und durch die Wichernheime e.V. Frankfurt (Oder) organisatorisch unterstützt. Einige Werke aus den Ausstellungen konnten für die Sammlung erworben werden.

Es ließen sich noch weitere Projekte und Ausstellungen aufzählen. Doch die wesentlichen Konzeptionen und Strategien wären hiermit benannt. In der Ausstellung kann sich der Besucher seine eigene Ausstellungsgeschichte ersehen und 50 Jahre Museumsgeschichte in Frankfurt (Oder) „lebendig“ werden lassen.

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Text/Kurator: Armin Hauer


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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