HARALD REINER GRATZ  (geb. 1962), Schmalkalden
08.09.2002 - 03.11.2002

V E R W E R F U N G E N
Malerei und Zeichnung


"Short hello and long good by" - Öl auf Leinwand, 100 x 120

Als vor 8 Jahren die Ausstellung Junge Künstler aus Thüringen hier im Kabinett vorgestellt wurde, waren auch einige Malereien auf Papier von Harald Reiner Gratz dabei. Sie bestachen durch eine eruptiv-sinnlichen Farbigkeit sowie emotionale Unmittelbarkeit. Obwohl die vorgestellten Arbeiten im Vergleich zu den damaligen Ölbildern vom Format her recht klein waren, wurde Prinzipielles seines Arbeitens ersichtlich. Die Farbe wurde zum höchst abwechslungs-reichen Relief des Haptischen und Optischen und eine Atmosphäre des Außergewöhnlichen sowie Poetischen stellte sich ein; ein Blick ging in die Tiefen des Unbewussten und der andere sah das Draußen. Dieser kultivierte Spätexpressionismus sowie ein geheimnisvoll leuchtendes Kolorit waren kennzeichnend für seine Phase nach dem Abschluss des Studiums 1991 an der Kunsthochschule Dresden. In den folgenden Jahren  blieb seine  überbordernde Mal- und Zeichen-

flut erhalten. Hinzu kam eine sich schon wohl damals andeutende stilistische Mehrgleisigkeit, nur jetzt mit dem Unterschied, dass sich diese gleichzeitig auf einer Bildfläche abspielen kann: Bildstreifen teilen das Format, Bildfen-

ster überlagern sich oder malerische Sequenzen geraten aneinander, Motivwiederholungen und Variationen lassen an der Einmaligkeit des Gestaltens zweifeln. So werden die Ereignisse des Alltäglichen aus Nah und Fern, das Banale als auch das Schicksalhafte, das Skurrile sowie Periphere bildwürdig. Dabei beherrscht Gratz souverän die Formulierungen unterschiedlichster Ismen. Die reichen vom Ornamentalen sowie Fotorealistischen als auch Natura- listischen, über Neo-Pop-Artiges bis hin zum Informellen und figurativ Expressiven. Gleich einem Regisseur bedient er sich dieser verschiedenen Perspektiven sowie Sprachen und seziert mit den traditionellen malerischen Mitteln unsere medialgeprägte Wahrnehmung der Welt. Das geschieht lust- sowie kraftvoll, jedoch ohne zu moralisieren oder zu kritisieren. Er zeigt das „So ist es" mit einem in der jetzigen Neuen Figuration und der Neo-Pop-Art-Welle höchst selten anzutreffenden, breiten koloristischen Spektrum. Manchmal hat sein Kolorit sogar den Charme von Polaroids als auch von Familienfilmerei, und nicht selten erreicht es die glatte, grelle Coolness von Hochglanzbroschüren.

"Suite - 27 th street" - 2001

"Suite - 27th street" - 2001
Öl/Leinwand - 60 x 70 cm

 

Armin Hauer


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